Aktuelle Tageszeitungen im Regal

Blues direkt aus dem Olymp: Ausnahmegitarrist Joe Bonamassa begeistert die Gäste in der Bremerhavener Stadthalle

Der derzeitig wohl angesagteste Bluesrock-Gitarrist gastiert in der fast ausverkaufen Stadthalle

Wenn ein Ausnahmekünstler wie Joe Bonamassa in der Seestadt auftritt, dann darf man das durchaus als eine Art Ritterschlag betrachten. Das der wohl derzeit gefragteste Mann in Sachen Bluesrock innerhalb von zwei Jahren bereits zum 2. Mal in der Bremerhavener Stadthalle zu sehen ist, gleicht schon fast einer Krönung. Mehr als 2000 Fans waren Bonamassas Einladung zur „Europa Tournee 2017“ nachgekommen. Sie wurden mit einem fulminanten Bluesrock-Konzert der absoluten Extraklasse belohnt.

Exakt 14 Stücke. Genau so viele Songs gesteht Joe Bonamassa seinem Publikum inklusive Zugabe zu. Dass er dabei bis zum 8. Stück gerade mal ein einziges „Hello“ über die Lippen, aber dafür gefühlte drei Dutzend Gitarrensolis über die Finger bekommt, verwundert Kenner der Materie nicht. Joe ist halt nicht so mit Worten, eher mit Gitarren. So verwundert es denn auch nicht weiter, dass sich der bekennende Gitarrensammler für fast jeden seiner Songs eine andere Gitarre um den Hals hängt. Sehr zum Leidwesen seines Backliners übrigens (der Typ, der ihm immer die Gitarren auf die Bühne bringt). Der hätte nämlich zu einem vermögenden Mann werden können, wenn er nach Kilometern bezahlt worden wäre. Egal – Rock ‘n’ Roll ist eben kein Honigschlecken, sondern ein knochenharter Job. Und wenn jemand so Gitarre „kann“ wie Joe Bonamassa, dann trägt man ihm seine Gitarren zur Not auch humpelnd an den Kraterrand eines brodelnden Vulkans. Recht so.

Bonamassa selber konzentriert sich währenddessen mehr auf das Wesentliche - auf das Gitarrespielen. Und aufs Singen natürlich, denn das beherrscht der gerade einmal 40-jährige ebenfalls in einem erheblich hörenswerten Maß. Das Konzert beginnt mit der schnellen Rocknummer, die so druckvoll ist, dass Joe einfach knappe 5 Minuten zu früh auf die Bühne stürmt. Keine Zeit zu vergeuden halt. Bonamassa, der bereits mit 4 Jahren mit dem Gitarrenspielen angefangen hat, heizt den Laden so richtig auf. Begleitet von einer fantastischen Liveband - inklusive Bläsersatz und Backroundsängerinnen - liefert er jeden seiner Songs in „Kür-Qualität“ ab. Als er sich, nach gut der ersten Hälfte des Konzertes, erstmals mit Worten an das Publikum wendet, explodiert er fast zum Entertainer. Schwärmt von Bremerhaven, wo es so ein fantastisches Publikum gibt, und wo er ja bereits von 2 Jahren schon einmal war.

Im folgenden Teil des Konzertes gibt es eine Mischung aus All-Time-Klassiker und eigenen Hits. Dabei feiert der gebürtige New Yorker seine Gitarre derartig, dass die Bremerhavener Besucher, im komplett bestuhlten Konzert, ihrer Stühle Stühle sein lassen und sich stattdessen in Trauben vor der Bühne versammeln. Mit dem durch Jeff Beck berühmt gewordenen Klassiker „Going Down“ geht es dann auch in die letzte Runde, die 14., dann ist Schluss, bis zum hoffentlich nächsten Mal. Vielleicht in zwei Jahren wieder.   Marco Butzkus

Für diesen Artikel wurden folgende Schlagworte vergeben