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Bildung fängt beim Frühstück an: Bildungsforum im Klimahaus steht im Zeichen nachhaltiger und klimafreundlicher Ernährung

„Unsere Zukunft geht durch den Magen“, unter diesem Motto diskutierten beim diesjährigen Bildungsforum, im Klimahaus Bremerhaven 8° Ost, an die 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Bei der Veranstaltung, die seit 2011 bereits zum 6. Mal in Bremerhaven stattfand, trafen sich Lehrerinnen und Lehrer sowie weitere Vertreter aus dem Bildungsbereich aus ganz Deutschland.

Wie kann man jungen Menschen eine nachhaltige Ernährungsweise näher bringen? Das war eine der ganz wichtigen Fragen, der sich die Teilnehmer des Bildungsforums, gemeinsam mit Experten aus den Bereichen Lebensmittelanbau, -verarbeitung und -verwertung gestellt hatten. Die Antworten darauf waren vielschichtig. Funktionierende Beispiele aus der Praxis machten Hoffnung.

Für Jens Tanneberg, Leiter Wissenschaft und Bildung des Klimahaus Bremerhaven, liegt ein Lösungsansatz im bewussten Umgang mit dem, was wir kaufen. Dabei geht es Tanneberg auch um eine Entscheidung zwischen solidarischen oder ausnutzenden Produktionsbedingungen. „Was wir essen, entscheidet über Herkunft, Anbauweise und Vermarktung von Lebensmitteln. Jede unserer Kaufentscheidungen stellt Weichen zwischen Ressourcen belastender oder zukunftsfähiger Landwirtschaft“, so Tanneberg. Das Wissen um diesen Markteinfluss des Käufers ist wichtig. Damit wird es schwer, die Verantwortung der eigenen Kaufentscheidungen auf andere abzuschieben. Bildung sei laut Tanneberg der Schlüssel zu einer gesunden und klimafreundlichen Ernährung.

Auch der bewusste Umgang mit Lebensmitteln hat eine hohe Bedeutung. Prof. Dr. Jana Rückert-John, Dekanin des Fachbereichs Oecotrophologie der Hochschule Fulda, zeigte den Überfluss an Lebensmitteln in Deutschland und anderen Industrieländern auf. Ein Zuviel an Angebot und Verfügbarkeit belastet die Umwelt und das Klima und führt auch zu gesundheitlichen Problemen wie etwa Übergewicht. In der groß angelegten Kampagne „Zu gut für die Tonne“, die mit traurig blickendem Obst und Gemüse wirbt, klärt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) darüber auf, dass in Deutschland jedes 8. Lebensmittel weggeworfen wird.

Wie prima sich der Umgang mit Lebensmitteln in das tägliche Schulleben einbringen lässt, zeigt das Beispiel der Grundschule am Baumschulenweg in Bremen. Die gebundene Ganztagsschule verfügt seit 20 Jahren über einen durch Schüler und Lehrer gemeinsam ökologisch bewirtschafteten Garten. Hier wird eine große Vielfalt an Obst- und Gemüsearten angebaut. Die Schülerinnen und Schüler betreuen ihn im Rahmen von Klassenpatenschaften und Projekten. Die Einbindung der Schulgartenarbeit in Schulorganisation und das Schulprogramm fördern bei den Kindern eine Beschäftigung mit ihrer natürlichen Umgebung, eine Erziehung zur Nachhaltigkeit sowie eine starke Identifikation mit ihrer Schule.

Das Bildungsforum findet seit 2011 einmal jährlich im Klimahaus Bremerhaven 8° Ost statt und ist als Fortbildung für Lehrkräfte anerkannt. Es bietet eine Diskussionsplattform für Lehrkräfte aller Schulformen, um sich mit Akteuren von außerschulischen Lernorten sowie Vertretern verschiedener Bildungsinstitutionen aktiv auszutauschen.   Marco Butzkus

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