10 000 Euro für vorbildliche Förderung: Seestadt-Kita gewinnt Präventionspreis

Riesenerfolg für die Förderung von Vorschulkindern in der Seestadt: Die Kindertagesstätte Stettiner Straße hat gemeinsam mit fünf weiteren Kitas den Deutschen Präventionspreis 2008 gewonnen. Dabei setzte sie sich gegen fast 300 Mitbewerber durch. Stadtrat Melf Grantz und Kita-Leiterin Gisela Göhlig nahmen den Preis, der mit einer Prämie von 10 000 Euro verbunden ist, von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt als Schirmherrin entgegen.

"Das ist die verdiente Anerkennung für die hervorragende Arbeit, die in den Bremerhavener Tagesstätten geleistet wird", freut sich Jugenddezernent Grantz. Besonders bemerkenswert aus seiner Sicht: Von der gezielten Förderung in der Kita Stettinger Straße profitieren vor allem Mädchen und Jungen aus schwierigen sozialen Verhältnissen, denn 85 Prozent der 123 Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren stammen aus sozial benachteiligten und 70 Prozent aus Migrantenfamilien.

Der Deutsche Präventionspreis wurde zum fünften Mal vom Bundesgesundheitsministerium, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der Manfred Lautenschläger Stiftung ausgeschrieben. Das Thema in diesem Jahr: "Gesund aufwachsen - ganzheitliche Förderung der körperlichen, seelischen und sozialen Entwicklung von Vorschulkindern". Dabei ging es vor allem darum, ob die Kitas bei der Betreuung ihrer Schützlinge die Kriterien der gesunden Bewegung und Ernährung sowie der psychosozialen Gesundheit systematisch berücksichtigen. Außerdem spielten bei der Bewerbung die Vernetzung in der Stadt, die erfolgreiche Elternarbeit und die Verbesserung der Gesundheitschancen von Kindern aus sozial benachteiligten Familien eine Rolle.

Gerade die Kinder aus diesen Bevölkerungskreisen würden in den preisgekrönten Kitas "mit Optimismus und Kreativität" für gesunde Ernährung und Spaß an der Bewegung motiviert, befand Bundesministerin Schmidt während der Feierstunde im Berliner Wissenschaftsforum. Ihr Fazit: "Bei diesem Wettbewerb gilt ausdrücklich: Nachahmung nicht nur gestattet, sondern erwünscht!" Was Jugendstadtrat Grantz besonders beeindruckte: In der Veranstaltung, durch die ZDF-Starmoderator Steffen Seibert führte, nahm sich Ulla Schmidt ausgiebig Zeit für Gespräche über die Arbeit der preisgekrönten Kitas und die Probleme der Jugendförderung. Grantz: "Die Mini8sterin ist trotz Termindrucks zweieinhalb Stunden geblieben. Ein Zeichen dafür, wie sehr ihr die Thematik am Herzen liegt."

HINTERGRUND

In der umfangreichen, 96-seitigen Broschüre "Gesund aufwachsen" des Deutschen Präventionspreises 2008 wird die ausgezeichnete Arbeit der Kindertagesstätte Stettinger Straße detailliert dargestellt. Auszüge:

Alle ziehen an einem Strang. Die Kindertagesstätte Stettiner Straße liegt in einem Wohngebiet des Stadtteils Grünhöfe, in dem sich sowohl Einfamilienhäuser als auch sozialer Wohnungsbau befinden. Das Gebiet ist zunehmend von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen. 85 Prozent der 123 Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren, die die Kindertagesstätte besuchen und sich auf sieben Gruppen verteilen, kommen aus Familien in schwierigen Lebenslagen, 70 Prozent aus Familien mit Migrationshintergrund. In der integrativen Einrichtung erhalten sie eine umfassende Förderung, die auch den Gesundheitszustand der Kinder besonders berücksichtigt.

Wer die Kita betritt, ist sofort mitten im Bewegungsgeschehen. Der zentrale Innenraum der Einrichtung, von dem Gruppen- und Funktionsbereiche abzweigen, bildet gleichzeitig den Bewegungsraum der Kindertagesstätte und zeigt auf den ersten Blick: Bewegung wird hier großgeschrieben.

Die zunehmende Armut in den Familien und deren Auswirkungen auf die Befindlichkeit der Kinder bildeten den Anlass dafür, Gesundheitsförderung in der pädagogischen Arbeit zu verankern. Konzentrationsmangel, Verhaltensauffälligkeiten, Entwicklungsverzögerungen und das zunehmende Konflikt- und Aggressionspotenzial nahmen etwa seit 1998 spürbar zu und erforderten einschneidende Veränderungen.

Angestrebt wurde dabei eine durchgängige und umfassende Ausrichtung der Tagesstätte auf die Förderung der gesundheitlichen Entwicklung der Kinder. Kontinuität, Nachhaltigkeit und das Ziel, den Kindern Lebenskompetenzen für ihren weiteren Werdegang mit auf den Weg zu geben, gelten als Richtschnur.

Inzwischen ist die Kindertagesstätte ein Vorzeigeobjekt in Sachen Gesundheitsförderung und fungiert im Land Bremen als Konsultationseinrichtung für die Bereiche Gesundheit und Bewegung. Nun kommen Erzieherinnen aus anderen Kitas des Landes, um sich hier beraten zu lassen und Anregungen für ihre eigene Weiterentwicklung zu erhalten. Dieses Engagement und auch die zusätzliche Arbeit wird vom Land nicht nur ideell honoriert: Zusätzliche Personalmittel ermöglichen qualifizierte Gesundheitsförderung, die in die Breite gehen kann.

"Altes Brot mit Marmeladenaufstrich" - so sah für immer mehr Kinder das Frühstück aus, das sie von zu Hause mitbrachten, berichtet Kita-Leiterin Gisela Göhlig. Wo sollten die Kleinen da Kraft und Energie für einen turbulenten Tag mit viel Bewegung und Anregung hernehmen? Heute kann die Kita allen Kindern ein Mittagessen anbieten und für nur vier Euro mehr im Monat inzwischen sogar ein Frühstück. Das Mittagessen wird teilfertig geliefert und mit tatkräftiger Unterstützung der Kinder zubereitet und durch frische Salate, Gemüse und Obst ergänzt.

Für den nachmittäglichen "Kaffeeklatsch" bringen die Kinder Essen von zu Hause mit, das sie dann mit Zufriedenheitspunkten bewerten. Auf diese Weise lernen sie, über die unterschiedlichen "Leckereien" ins Gespräch zu kommen und ein Bewusstsein für "gesund" und "nicht gesund" zu entwickeln. So können sie ihr heute Mitgebrachtes genießen und fürs nächste Mal dazulernen.

Neben der Beteiligung an der Zubereitung der Mahlzeiten finden in der Kochwerkstatt regelmäßig Koch- und Backaktivitäten statt. Besonders beliebt ist dabei die Aktion "Restaurantessen": Eine Gruppe kocht und lädt anschließend die anderen ein, um sie fürstlich zu bedienen. Die Vermittlung von Wissen zu einzelnen Nahrungsmitteln lässt sich auch hervorragend mit kreativen und sinnlichen Elementen verbinden. Das zeigt das Themenprojekt "Kartoffel & Co.", bei dem Einkaufen und Kochen, Malen und Basteln, Musik und Tanz auf dem Programm stehen.

Die Kindertagesstätte Stettiner Straße ist ein anerkannter Bewegungskindergarten. Schon weit im Vorfeld des Zertifizierungsverfahrens war Bewegungsförderung ein integraler Bestandteil der pädagogischen Arbeit, sodass der Entschluss, sich um den Deutschen Präventionspreis zu bewerben, leicht fiel. Die Kita bietet den Kindern viel Raum zur freien Bewegung. Der zentrale Bewegungsraum beherbergt ein gut sortiertes Angebot an Bewegungsmaterialien, das die Kinder in der angebotsfreien Zeit nutzen können. Auch das anregend gestaltete und ausgestattete Außengelände mit hohem Baumbestand bietet den Kindern vielfältige Gelegenheiten, sich zu bewegen. Hier können sie rennen, klettern, balancieren - kurz: alles ausprobieren, was Ausdauer, Motorik und Koordination fördert.

Die Kinder auf einen gesundheitsfördernden Weg zu bringen, heißt für die Tagesstätte auch, deren Eltern einzubeziehen. Damit dies wirklich bei allen gelingt, werden die Ansprache und der Informationsaustausch über Fotos und Bilderdokumentationen, vor allem jedoch über das persönliche Gespräch gesucht. Spezielle Aktionen wie das Elternfrühstück, gemeinsame Koch- und Freizeitaktionen, Elterncafés und die Kinderkrabbelgruppe sind immer wieder Gelegenheiten, um die Eltern auf dem Weg zur Gesundheitsförderung ihrer Kinder mitzunehmen. Die Eltern begrüßen das große Engagement des Kita-Teams. Sie beteiligen sich an Renovierungen oder Gartenarbeiten und nehmen an Ausflügen teil, um den Kontakt zu den anderen Eltern und den Erziehenden zu intensivieren.

Die Fachjury in ihrer Stellungnahme zur Arbeit der Kita Stettinger Straße:

Der städtischen Kindertagesstätte Stettiner Straße gelingt es in hervorragender Weise, Kindern vielfältige Bewegungserfahrungen zu ermöglichen und Freude an Bewegung zu wecken, Ernährungskompetenzen zu entwickeln und darüber hinaus eine gezielte Stärkung von psychosozialen Gesundheitsressourcen zu erfahren. Gesundheitsförderung wird hier aktiv gelebt und als ganzheitliche Aufgabe verstanden. Die Kinder erhalten drinnen und draußen vielfältige Bewegungsanregungen, die nicht nur auf feste Zeiten beschränkt sind, sondern selbstverständlich zum Kindertagesstätten-Alltag gehören. Bei Mahlzeiten sind die Kinder aktiv eingebunden, helfen täglich bei der Zubereitung mit und setzen sich vielfältig mit dem Thema Herkunft und Zubereitung von Nahrung auseinander. Dabei steht insgesamt die Förderung der psychosozialen Gesundheit im Vordergrund.

Die Kita Stettiner Straße ist ein besonders gelungenes und vorbildhaftes Beispiel für eine ganzheitliche Gesundheitsförderung im frühen Kindesalter. Das erfolgreiche Engagement von Erzieherinnen und Erziehern, den vielfältig eingebundenen Eltern und dem aktiv beteiligten Träger der Kindertagesstätte wollen wir mit dem diesjährigen Präventionspreis würdigen.

Für diesen Artikel wurden folgende Schlagworte vergeben