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Seestadt Bremerhaven
     
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Einzigartig in der Welt: der AREVA-Volllastprüfstand in Bremerhaven

22.11.2012

Der einzige 5-Megawatt-Volllastprüfstand der Welt.
Wenn der Elektrotechnik-Ingenieur Lars Rother den Knopf an seiner Computermaus bedient, verleiht er dem Begriff „Performance“ eine völlig neue Dimension. Der 31-jährige startet, mit nur einem Mausklick, den Testlauf der 5 Megawatt starken Turbine, einer Windenergieanlage (WEA). Der 600 Tonnen-Koloss steht im Fischereihafen auf dem Betriebsgelände der Firma AREVA. In einer eindrucksvollen Halle umzingelt von zahllosen Riesen im Reich der Giganten. Auf dem einzigen 5-Megawatt-Volllastprüfstand der Welt - in Bremerhaven.

Direkt auf der anderen Seite der Schutzscheibe, die den eigentlichen Teststand vom Leitstand abtrennt, kann man förmlich hören, wie der Strom durch die armdicken Leitungen der Anlage gepeitscht wird. Die mächtige Gondel wird in dem Teststand mit ihrem Turm „verheiratet“ und auf Herz und Nieren geprüft. Der „Turm“ ist das unterste Segment einer WEA. Er beherbergt den Teil der Windkraftanlage, die den produzierten Strom weiterleitet. „Der Turm sitzt direkt auf dem „Gründungselement“ und wird über „Röhren“(Aufbauelemente) mit der „Gondel“ verbunden“, sagt Lars Rother. „Wir testen immer genau die zwei füreinander produzierten Einheiten zusammen“, so der Teststandleiter weiter. „Es ist uns sehr wichtig, dass genau die beide Teile zusammen getestet werden, die auch anschließend miteinander arbeiten müssen. Nur so können wir sichergehen, dass die Tests auch unseren Ansprüchen genügen“.

Derzeit werden am Teststand 65 Anlagen pro Jahr getestet – ausschließlich Gondeln aus eigener Herstellung und des gleichen Typs. Ausgelegt ist die Einrichtung auf maximal 100 Testläufe jährlich. Jeder Test dauert drei Tage. Turm und Gondel werden mit riesigen ferngesteuerten Transporteinheiten zum Teststand gebracht und miteinander verbunden. Anschließend gibt es eine genau festgelegte Reihe von Testläufen mit ansteigender Leistung. Diese Läufe werden immer wieder mehrfach von verschiedenen Mess- und Prüfvorgängen unterbrochen. Dabei wird beispielsweise die innere Maschine endoskopisch auf Abrieb untersucht oder die Überlastdrehzahl vermessen. Temperaturen, Lagerstände und Öldruck unterliegen ebenso ständiger Kontrolle. Alle Daten stehen in einem ständigen Abgleich und Austausch mit der Entwicklung- und Produktionsabteilung des Unternehmens. So kann eine fortwährende Verbesserung des Produktes garantiert werden.

Das wirklich Besondere an der Anlage in der Seestadt ist, dass ausnahmslos jedes Gondel-Turm-Pärchen, das hier produziert wird, auch getestet wird. Der Stand dient somit der reinen Fertigungskontrolle sowie der Steigerung der Qualität eines einzigen Produktes. Andere Teststände wie beispielsweise jener, der gerade beim Fraunhofer IWES entsteht, sind ausschließlich zur Prototyptestung gedacht. Die Tests dort entscheiden also nur darüber, ob ein Produkt überhaupt serientauglich wird oder nicht.

Ausschlaggebend für den Bau des AREVA-Teststandes war ein Vorfall im Windpark Alpha-Ventus. Ein Fremdanbieter hatte die Materialpaarung in seinen Gleitlagern verändert, ohne dies seinem Kunden mitzuteilen. In der Produktion wurden die Teile ordnungsgemäß verbaut, denn die ursprünglichen Lager waren ja für den Einsatz geprüft worden. Nach dem Aufstellen in der Nordsee zeigte sich dann aber, dass die veränderten Gleitlager den hohen Anforderungen nicht genügten. Eine Gondel viel aus und das Unternehmen ließ alle sechs bereits aufgestellten Gondeln präventiv tauschen. Der finanzielle Schaden war immens. Der Imageschaden, noch dazu vollkommen unverschuldet, war aber noch um ein vieles größer. Das Unternehmen traf die Entscheidung zukünftig alle M5000-Gondeln vor der Auslieferung einer serienmäßigen Prüfung unter Volllast zu unterziehen.

Rund 16 Millionen Euro hat sich der französische Industrie-Konzern das qualitätssichernde Wartungsgebäude im Bremerhavener Süden kosten lassen. Ein absolutes Bekenntnis in den Standort Bremerhaven. Das beweist allein schon das Fundament, für eine mögliche zweite Anlage, das vorausschauend bereits mitgegossen wurde, als der Teststand gebaut wurde. „Bremerhaven ist gut zu AREVA und wir sind bemüht das in uns gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen“, so Heike Winkler, Leiterin der Unternehmenskommunikation in der Seestadt. Sie lobt vor allem die große Unterstützung durch die BIS Wirtschaftsförderung und die enge Verzahnung des Unternehmens mit der Hochschule Bremerhaven. Bremerhaven sei ein verlässlicher Partner und gegenwärtig beispielhaft für die europäische Offshore-Windenergiebranche, so die Unternehmenssprecherin. Im Reich der Giganten am südlichen Fischereihafen sorgt unterdessen weiterhin ein kleiner Mausklick dafür, dass das auch noch lange so bleibt.   Marco Butzkus

externer Link:  www.areva-wind.com

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Originaladresse des Artikels: http://www.bremerhaven.de/meer-erleben/wissenschaft-forschung/einzigartig-in-der-welt-der-areva-volllastpruefstand-in-bremerhaven.53968.html
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