Neues in Sachen Windkraft: Onshore-Anlage mit Hybridturm wird Anfang Februar fertig
30.01.2012
Zwischen Geeste und Reinkenheide wächst ein neuer „Spargel“ in den Bremerhavener Himmel. Die Firma REpower stellt hier eine 3,37-Megawatt-Windkraftanlage mit einer Nabenhöhe von 128 Metern auf. Ein besonderes Augenmerk verdient dabei der Turm, der als so genannter „Hybrid-Turm“ in einem Mix aus Beton und Stahl gefertigt ist und als besonders wirtschaftlich gilt. Das dritte Windkraftwerk an der A 27 soll Anfang Februar bereits ans Netz gehen und Strom produzieren. Ein weiteres Windrad – mit eigener Autobahnanbindung – wird wohl in diesem Jahr noch hinzukommen und das Windkraft-Quartett im Osten der Stadt vollenden.
Die gesamte Anlage misst insgesamt fast 180 Meter vom Boden bis zur obersten Blattspitze. Die trockene Typbezeichnung: 3, 4M104 – was übersetzt 3,4 Megawatt Leistung mit 104 Metern Rotordurchmesser heißt. Sie ist für den Betrieb an Land - also Onshore - gedacht. Mit ihrer Leistung gehört sie zu den größten Windrädern in diesem Segment. Die drei Rotorblätter der Anlage haben jeweils eine Länge von 50 Metern. Ihr Transport über enge Zufahrtsstraßen ist ein äußerst kniffeliges Unterfangen – quasi Millimeterarbeit.
In unmittelbarer Nähe des Giganten soll schon bald eine weitere Anlage gebaut werden. Eigens für die Zuwegung und den Transport wird dort eine provisorische Autobahnabfahrt an der Autobahn gebaut. Um die Wartung und Reparaturen zu vereinfachen, bleibt diese Zufahrt auch nach Baufertigstellung erhalten. Die Kosten für sämtliche Infrastrukturarbeiten - also auch für die Autobahnabfahrt - werden komplett vom Investor getragen. Generell rechnet man bei Onshore-Windrädern mit Baukosten von rund 1 Million Euro pro Megawatt Leistung. Bei schwierigen Bodenverhältnissen oder komplizierten Zuwegungen wird es allerdings schnell auch mal teurer. Allein der zum Errichten benötigte Mobilkran kostet einen Tagessatz von mehreren tausend Euro.
Bei der Errichtung neuer Windkraftanlagen geht es natürlich in erster Linie um Energiegewinnung. Um eine hohe Wirtschaftlichkeit für Kunden zu gewährleisten, müssen Anlagen immer wieder optimal an ihre Standorte angepasst werden. Faktoren wie Nabenhöhen, Rotordurchmesser, Baustoffe, Fundamente und Leistungsstärke der Anlagen sind von den Windbedingungen und Bodenbeschaffenheiten am geplanten Standort abhängig.
Beispielsweise in Süddeutschland oder an Waldstandorten werden höhere Anlagen mit größeren Rotoren aufgestellt. Der Wind weht dort nicht so kräftig wie in Küstennähe oder auf dem platten Land. Zwischen 2 und 3,4 Megawatt Leistung können die Onshore-Anlagen von REpower derzeit leisten. Die 3,4M104 am Höllenhammsweg ist also das neueste Spitzenmodell im Sortiment des Bremerhavener Produzenten. Mehr als 50 dieser Turbinen wurden bereits in Europa aufgestellt. Die Lebensdauer eines Windkraftwerks beträgt rund 20 Jahre. Nach dieser Zeit kann es entweder zurückgebaut werden oder aber es wird mit der neuesten Technik aufgerüstet.
Bei den Windkraftanlagen für den Seebetrieb - den so genannten Offshore-Anlagen - wie sie im Norden der Stadt stehen, liegen die Energieerträge deutlich höher. Sie produzieren bis zu 6,15 Megawatt pro Turbine. Bei diesen Anlagen, die derzeit für die Nordsee geplant und gebaut werden, fallen enorme Kosten für Fundamente und die Errichtung an. Sie sind somit wirtschaftlicher, je mehr Leistung sie erbringen können. Der Transport und die Montage auf See sind aufwändig. Der komplett montierte Kopf eines 6 Megawatt-Windrades kann bis zu 500 Tonnen wiegen. Marco Butzkus
Bildergalerie zum Beitrag

Der Transport der 50 Meter langen Rotorblätter durch die Stadt ist nicht ganz ohne.

Hier sieht man eine ähnliche Anlage bei ihrem Aufbau in Hamburg-Georgswerder.