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Seestadt Bremerhaven
     
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Erfolgsstory Windkraft: Seestadt ist Heimathafen der Offshore-Industrie

11.02.2013

Wie an einer Perlenkette aufgereiht: Im Süden der Stadt rund um Luneort und Labradorhafen siedelten sich Unternehmen und Institute der Windenergie. Am Blexer Bogen (links) ist der Schwerlast-Terminal geplant. Foto: BIS
Wenn Bremerhavens oberster Wirtschaftsförderer Nils Schnorrenberger auf  das wichtigste Zukunftsthema der Stadt angesprochen wird, schlagen zwei Seelen in seiner Brust. Auf der einen Seite die Gewissheit, dass die Offshore-Windenergie zu einer Erfolgsstory ungeahnten Ausmaßes mit rund 3500 Arbeitsplätzen geworden ist. Auf der anderen Seite die Sorge um die Auftragslage der Branche, die durch die Verzögerungen bei der Netzanbindung der Windparks in schwere See geriet. Doch trotz aller derzeitigen Probleme bleibt Schnorrenberger optimistisch: „2013 ist ein schwieriges Jahr. Ich bin aber sicher, dass die Flaute 2014 beendet wird.“

Bis dahin habe die Windindustrie die Durststrecke aufgrund der Krise des niederländischen Netzbetreibers Tennet überwunden, erwartet der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS. Bei mehreren Unternehmen stehen zwar Jobs auf der Kippe. Auf längere Sicht, so Schnorrenberger, gehe jedoch am weiteren Bau von Windrädern auf hoher See kein Weg vorbei: „Wenn die Energiewende und die Klimapolitik der Bundesrepublik gelingen sollen, sind die erneuerbaren Energien absolut notwendig. Ebenso unverzichtbar ist die Offshore-Windenergie als Bestandteil im Mix der erneuerbaren Energien.“ Und dass Bremerhaven als Heimathafen der Offshore-Industrie ganz vorn dabei werde, verstehe sich angesichts der Standortvorteile von selbst.

In der Tat profitiert die Seestadt davon, dass sie frühzeitig die großen Chancen der Offshore-Industrie erkannt und in den vergangenen zehn Jahren konsequent auf dieses neue wirtschaftliche Standbein gesetzt hat. Mit seiner günstigen Lage am seeschifftiefen Wasser ist Bremerhaven zum Zentrum der Windenergie geworden. „Durch sie sind direkt und indirekt 3500 Jobs entstanden“, so der BIS-Chef. „Dieser beachtliche Aufschwung für den Arbeitsmarkt gelang durch erhebliche Investitionen des Landes Bremen und der Stadt Bremerhaven sowie der Unternehmen.“

Testfelder und Standorte für die Produktion erschlossen

Seit 2001 wurden Industrie- und Hafengebiete so zielstrebig erschlossen, dass die Wirtschaftsförderer in kürzester Zeit geeignete Testfelder für Windräder und Flächen für die Produktion von Anlagen anbieten konnten. Im Norden entstanden Offshore-Kajen auf dem Container-Terminal I und der ABC-Halbinsel, der Süden wurde zur Windenergie-Meile rund um Luneort und Labradorhafen entwickelt. Für Schwerlasttransporte zu den Windparks auf See plant die BIS den Offshore-Terminal am Blexer Bogen, der mit öffentlichen Mitteln finanziert werden soll. Als weiteres Industriegebiet für die Windbranche baut sie die Luneplate aus, die vom Land Bremen an die Stadt Bremerhaven übertragen worden ist.

„Auch dem Bedarf der Wirtschaft an wissenschaftlicher Begleitung, an Forschung und Mitarbeiterschulung wurde durch Neuansiedlungen Rechnung getragen“, sagt Schnorrenberger. „Inzwischen ist in Bremerhaven fast die gesamte Palette der Offshore-Unternehmen vertreten: von Planungsbüros und Finanzierern über Hersteller bis zur Wissenschaft.“

Hier ein Überblick über die Unternehmen von Nord nach Süd:

Im nördlichen Industriegebiet Weddewarden und an weiteren Standorten werden die Prototypen der Windkraftanlagen für den Offshore-Einsatz getestet.

Die Deutsche WindGuard Engineerung GmbH investierte am Überseering rund fünf Millonen Euro, um in einem Großwindkanal Segmente von Rotorbätter aerodynamisch zu optimieren oder auch Modelle von ganzen Windparks zu testen. „Die zentrale Anbindung und die räumliche Nähe zu den vielen Firmen unserer Branche“, lobt Windkanal-Chef Nicholas Balaresque, „ist auch für uns optimal.“

Als Basishafen für den Bau ihres Windparks Nordsee Ost nutzt die RWE Innogy den Container-Terminal I. Von hier aus werden Windturbinen der 6-Megawatt-Klasse mit Fundamenten auf zwei Spezialschiffe verladen und zum Standort 35 Kilometer nördlich von Helgoland transportiert. Für das groß angelegte Projekte stellte RWE Innogy 200 Millionen Euro bereit.

Im Süden der Stadt wie an einer Perlenkette aufgereiht

Im Stadtsüden sind die neu angesiedelten Unternehmen wie an einer Perlenkette aufgereiht. Den Anfang des Windkraft-Booms machte die Firma Multibrid, heute Areva Wind GmbH, die 2003/2004 in Bremerhaven am Lunedeich die erste 5-Megawatt-Offshore-Anlage entwickelte und Ende 2004 den ersten Prototypen der Baureihe Multibrid M 5000 errichtete. Gesamtinvestition: rund zehn Millionen Euro.

Die benachbarte WeserWind GmbH Offshore Construction Georgsmarienhütte stellt seit 2003 Offshore-Gründungsstrukturen in Serie her. Für die Vor- und Komponentenfertigung und den Bau kompletter Offshore-Trafostationen pachtete WeserWind langfristig die ehemalige Schichau-Seebeck-Werft an der Riedemannstraße. Alles in allem schlagen die Investitionen des Unternehmens mit etwa 100 Millionen Euro zu Buche.

Die REpower Systems SE, seit 2007 in Bremerhaven, baut am Labradorhafen 5- und 6-Megawatt-Anlagen für den Einsatz auf dem Meer in Serienfertigung und investierte dafür 30 Millionen Euro. Die PowerBlades GmbH kam 2008 an die Wesermündung. Für die Produktion von Rotorblättern in der neu errichteten Fertigungshalle im Industriegebiet Luneort machte sie gleichfalls 30 Millionen Euro locker.

Die Ansiedlung der Windenergie-Hersteller lockte weitere Betriebe und Institute aus der Branche an, die für zahlreiche hochqualifizierte Jobs sorgen. So betreibt das dänische Unternehmen Falck Nutec das Offshore-Sicherheitstrainingszentrum in der Maritimen Forschungs- und Entwicklungsmeile am Handelshafen – eine Investition von drei Millionen Euro. In dem modernen Schulungscenter werden Fachkräfte für Extremsituationen bei der gefährlichen Arbeit auf hoher See geschult und zertifiziert.

Die passenden Rahmenbedingungen für die Branche liefert die wissenschaftliche Forschungslandschaft der Seestadt, in der sowohl das Institut für Windenergie der Hochschule als auch das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) ein bundesweit einzigartiges Know-how bieten. Das IWES prüft in zwei riesigen Testständen am Weserdeich Rotorblätter bis zu 90 Meter Länge und kam damit auf eine Investition von knapp 30 Millionen Euro.   Wilfried Moritz

 Weitere Informationen:

externer Link:  www.offshore-windport.de

externer Link:  www.bis-bremerhaven.de

Interview mit dem BIS-Geschäftsführer Schorrenberger:

Trotz schwieriger Lage gute Aussichten für die Windbranche

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Originaladresse des Artikels: http://www.bremerhaven.de/meer-erleben/unternehmens-park/windkraft/erfolgsstory-windkraft-seestadt-ist-heimathafen-der-offshore-industrie.55378.html
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