Kleine kecke Taschenkrebse mit Nikolausmütze, der Schokoladenhering aus der Dose und die original Helgoländer Eiergrogpralinen - das sind typische Bremerhavener Spezialitäten seit es die
Bremerhavener Schokoladenmanufaktur gibt. 2006 auf der Hochseeinsel Helgoland gegründet , wurde die süße Firma durch die Sendung „Inas Norden“ deutschlandweit bekannt. Dann zwangen Zollgesetze den Schokoladenfan und Firmeninhaber Thomas Wüppermann zum Umzug. Im Bremerhavener Fischereihafen hat er ein neues Zuhause und ein passendes Umfeld für seine süßen maritimen Leckereien gefunden.
„Derzeit haben wir 26 verschiedene Geschmacksrichtungen – in jeweils 3 verschiedenen Schokoladen-Sorten“, sagt Thomas Wüppermann lächelnd. „Zusammen mit den Pralinenspezialitäten und Schokoladen-Figuren umfasst unsere Auswahl fast 100 Produkte. So vielfältig ist keine andere Schokoladen Manufaktur in Deutschland.“ In der Tat gibt es in der alten Backsteinhalle im Bremerhavener Fischereihafen jede Geschmacksrichtung – von „Rosa Pfeffer“ bis hin zu „Meersalz“ als Vollmilch-, Weiße- und als Zartbitterschokolade. Ein echtes Alleinstellungsmerkmal: „Made in Fischtown“.
Der gelernte Küchenmeister und Groß- und Einzelhandelskaufmann Wüppermann hatte schon immer einen besonderen Hang zu Schokolade. Er denkt quasi in Schokolade, wie er unterstreicht. Als sich 2006 auf Helgoland die Gelegenheit bot, ein Geschäft zu übernehmen, bewiesen seine Frau und er den „Mut zu Lücke“, wie er heute sagt. Eine eigene Schokoladenproduktion war schon immer ein Traum für das Ehepaar. Dass die gebürtige Köhlenerin Ina Müller den urigen Betrieb dann, in ihrer Sendung „Inas Norden“ vorgestellt hat, betrachtet Wüppermann noch heute als einen echten Glücksfall. „Dadurch wurde die Produktion so richtig angekurbelt“, sagt er zufrieden.“ Und die Sendung wird noch heute oft wiederholt.“
Die maritimen Figuren sind ein echter Renner im Sortiment der pfiffigen Süßigkeiten. Es gibt Leuchttürme, Muscheln, Taschenkrebse, Fische und Pinguine. Letztere waren in diesem Jahr besonders begehrt. Die Jahresproduktion ist von 2006 mit 1000 Kilo auf mittlerweile rund 8000 Kilo jährlich angestiegen. Ein Umstand, der vor zwei Jahren dazu führte, dass das Unternehmen die Hochsee-Insel Helgoland verlassen und sich in Bremerhaven in der Halle X niedergelassen hat.
Denn Helgoland gilt zolltechnisch als ein „Drittland“ – also als EU-Ausland. „Ich hätte auf jede Tafel Schokolade, die ich aufs Festland ausführen wollte, 30 Cent Steuern zahlen müssen“, erklärt Thomas Wüppermann.“ Damit wäre ich nicht wettbewerbsfähig geblieben.“ Als es um einen alternativen Produktionsstandort ging gab es für ihn nur eine Option: seine Heimatstadt Bremerhaven. „Hier bin ich aufgewachsen und habe die positive Entwicklung der letzten Jahre mit großer Freude beobachtet. Jetzt produzieren wir eben hier, exportieren die Schokolade nach Helgoland und der Zoll bekommt nichts“, schmunzelt der Unternehmer.
Die Bremerhavener Schoko-Leckereien werden größtenteils durch Einzelhandels-Geschäfte vertrieben. Helgoland und alle ostfriesischen Inseln sind rege Abnehmer - aber auch Bremen und Cuxhaven. In Bremerhaven selbst gibt es einige ausgewählte Vertriebspartner, beispielsweise im deichnahen Einkaufszentrum Mediterraneo. Einen Werksverkauf gibt es direkt an der Manufaktur in der Knurrhahnstraße. Es gibt aber auch einen exklusiven Markt. Das örtliche Bettenhaus Aissen beispielsweise hat sich eine Praline mit dem Firmen-Logo kreieren lassen. Im 4-Sterne Hotel „Sail City“ in den Bremerhavener Havenwelten bekommen die Gäste Schokofische als „Betthupferl“ auf die Kissen gelegt.
Seine immer neuen Ideen haben Wüppermann bereits 2009 den mit 50.000 Euro dotierten Bremerhavener Gründerpreis eingebracht. “ Letztes Jahr haben wir Schokoladenheringe in einer Büchsenfabrik in Fischdosen verpacken lassen. Mit einem tollen Bremerhavener Motiv darauf. Die Touristen reißen uns die Dinger jetzt förmlich aus der Hand und eine zweite Produktion musste geordert werden“, sagt der 43-Jährige. Zurzeit arbeitet er mit dem Bremerhavener Logistikunternehmen Transgourmet an einem neuen Vertriebsweg. Neue Kreationen von Schokolade mit verschiedenen Gewürzölen sind in Planung. Und insgeheim träumt Wüppermann von neuen Räumlichkeiten im Schaufenster Fischereihafen, vielleicht mit einer gläsernen Manufaktur.
Jetzt ist allerdings erstmal das Weihnachtsgeschäft angesagt. Die kleinen Taschenkrebse mit den Nikolausmützen und die „Helgoländer Eiergrogpralinen“ stehen hoch im Kurs. Bei Letzteren muss man allerdings etwas achtsam sein: „Nach der vierten Praline sollte man das Auto lieber stehen lassen“, sagt Schokolatier mit einem Augenzwinkern.
Marco Butzkus