Wie eine riesige graue Wand türmt sich die zukünftige Fahrbahn zur Pierseite hinauf. Emsiges Treiben im direkten Arbeitsbereich, überall wird geflext, geschweißt, gesägt. Menschen in leuchtend bunten Sicherheitsanzügen reden auf Deutsch, Polnisch und Englisch miteinander. Die letzten Feinarbeiten, bevor der Ponton abgesenkt werden kann. 14 Knallorange Wasserballons mit einer Gesamtlast von 160 Tonnen hängen in Reihe an der Fläche. An der Solenseite befinden sich weitere mit Luft befüllte Ballons. Beim eigentlichen, kritischen Vorgang werden peu à peu Wasser und Luft daraus abgelassen und das Tor dreht sich langsam in die Aufrechte. Wenn bei diesem Manöver etwas schief geht, kann das Tor schwer beschädigt werden. Eine Vorstellung die so gar nicht in den engen Zeitplan des Schleusenbaus passen würde. 57 Meter lang, 22 Meter hoch und am Haupt rund 11 Meter breit ist der Koloss, der einst die Zufahrt in den Hafen regeln wird. Alle drei Tore zusammen werden rund 40 Mio. Euro kosten, zwei für die Schleusenzufahrten und eins als Ersatz, für den Fall der Fälle.
Gegen 14.00Uhr wird der Schwimmponton ein Stück von der Kaje weggezogen, dann langsam abgesenkt - sehr langsam, zehn Zentimeter pro halbe Stunde. Fünf Stunden wird es dauern, bevor der „Enak" das Tor ins Freie zieht. Es beginnt die lange Zeit des bangen Wartens, bremenports Geschäftsführer, Dr. Stefan Woltering und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, Rüdiger Staats, sind ebenfalls gekommen um dem Schauspiel beizuwohnen. Gegen 20.00Uhr ist es dann soweit, das Tor richtet sich binnen einer Stunde auf und kann an der Kaje geparkt werden. Im November gibt es dann den 2. Akt des Schauspiels - hoffentlich wieder bei so idealen Voraussetzungen, wie dieses Mal, ohne Wind und Regen.
Marco Butzkus
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