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Sensationeller Auftakt der Europatournee: Devil Doll begeistert im vollen Pferdestall

05.03.2010

Devil Doll
Bremerhaven muss schon etwas Besonderes zu bieten haben, wenn US-Künstler bereitwillig mal eben den Beginn ihrer Tournee verschieben, nur um hier spielen zu dürfen. Der Grund für dieses ungewöhnliche Verhalten, hat einen Namen: „Pferdestall". Dieses Kleinod der Bremerhavener Kulturszene genießt international einen exzellenten Ruf. Rund 120 Besucher wurden durch diesen glücklichen Umstand mit der vorgezogenen Premiere der Europatournee der US-Formation Devil Doll belohnt.

Die Atmosphäre im Pferdestall ist durchaus als rustikal zu beschreiben. Die frühere Verwendung dieses Raumes ist nicht zu leugnen, aber genau dieses Ambiente verleiht der Lokation die ganz besondere Note. Das Publikum an diesem Abend füllt die Bandbreite zwischen Anfang 30 und Mitte 60. Musiker, Künstler, Kreative, Liberale und Alternative alles bunt durchmischt. Man trinkt Rotwein und lauscht den Beats der Hintergrundmusik, plaudert mit Anderen und wartet gespannt auf die „Teufelspuppe" aus den fernen Los Angeles.

Kurz vor Neun entert die Band die Bühne, der Bass wummert los, Schlagzeug, Gitarre und Saxofon starten zu einem groovigen Intro. Sofort drängt das Publikum nach vorne, beginnt zu tanzen. Im Pferdestall gibt es keine anonyme Distanz zwischen Künstler und Zuschauer, intimer wäre es wohl nur noch in der Garderobe der Akteure. Die ersten Töne von „You are the best thing and the worst thing" klingen aus der Lautsprecheranlage. Dann tritt Devil Doll auf die Bühne, verheißungsvoll lächelt sie ins Publikum, liftet eine Augenbraue und lässt der Teufel seine Puppe von der Rolle. Da toben knappe 160 cm geballtes Sexappeal in schwarzroten Lack gehüllt. Ein Mischung aus Betty Boo und Dita von Teese, irgendwo in den Annalen zwischen Twin Peaks und einem Quentin Tarantino Film.

Die erdige Musik spannt einen Bogen zwischen dem Jazz der 40er Jahre, Rockabilly, Latin und Punk, exzellente Musiker geben ihr Gehalt. Devil Doll, die eigentlich Colleen Duffy heißt, gibt an mit Elvis Presley und Schwarz-Weiß-Filmen aufgewachsen zu sein. Sollte das wirklich wahr sein, haben wir es hier mit einer der besterhaltensten Ladies mittleren Jahrgangs zu tun, die je in ein Lackmieder gegossen wurden. Anderenfalls wenden wir uns einfach dem selbstauferlegten Credo der Femme Fatale zu. Sie ist aufgebrochen, um dem Rock'n Roll den Sex wieder zurück zugeben. Bei Gott, das ist ihr wahrlich gelungen, nahezu jede Pore, jeder Blick, jede Geste trifft mitten die Hypophyse der Anwesenden. Ihr wimmern, raunen und röhren gibt den Songs mehr Erotik als Papas komplette Playboysammlung und Pamela Andersons Homevideos vereint.

Devil Doll rockt den Pferdestall gnadenlos, dieser Entladung kann sich niemand der Anwesenden entziehen. Die Mixtur aus eigenen Songs und autark dargestellten Klassikern der Rockmusik reißt einfach jeden in seinen Bann. Schön, unglaublich schön und doch irgendwie gefährlich bewegt sie sich über die Bühne. Des Teufels Puppe zeigt jedem was sie hat und das sie es verdammt gut versteht damit umzugehen. Sie warnt aber auch deutlich, dass man sich an ihr die Finger und einiges mehr verbrennen kann.

Nach der letzten Zugabe verlassen dann restlos gebannte Besucher den Pferdestall, der wieder einmal den Beweis angetreten hat, dass er das Schatzkästchen der Kulturszene Bremerhavens ist und dieses Prädikat auch vollends verdient hat.

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