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Windjammerparade Sail 2010 – ja oder nein -

29.05.2009

Vor- und Nachteile einer Windjammerparade

Eine Windjammerparade ist prächtig anzusehen, wenn bei Hochwasser, bei leichter südwestlicher/südöstlicher Brise und schönstem Sommerwetter große und kleine Segelschiffe auf der Weser Segel setzen und die Deichpromenade zur Tribüne wird. Kaum eine Stadt am Wasser bietet diese Kulisse besser als Bremerhaven - wenn das Wetter, die Tide und der Wind stimmen. Die Bilder einer Parade - im Fernsehen oder in Bildern - sind ein idealer Werbeträger von hohem emotionalem Wert - wenn die Voraussetzungen stimmen! Für viele Besucher ist eine Parade natürlich ein Highlight.
Aber zu viele Komponenten (Tide, Wetter, Windrichtung) müssen stimmen, um die Voraussetzungen einer gelungenen Parade zu schaffen. Dies ist bisher nur zweimal gelungen. Es ist seit einigen Jahren aber auch festzustellen, dass Paraden - nicht nur in Bremerhaven - unter Abnutzungserscheinungen leiden, weil sie zum Standard-Repertoire jeder Windjammerveranstaltung gehören.

Die „Sail Bremerhaven" ist auch ganz wesentlich eine kommerzielle Veranstaltung. Seit jeher haben die Finanzierungsseite und die Komponente Refinanzierung (Vercharterungen, Standvermietungen, Sponsoring usw.) eine wichtige Rolle bei der Planung jeder „Sail" gespielt.
In der Praxis bedeutet dies, dass Windjammer-Tage im Hafen auch eine finanzielle Perspektive haben, die nicht gering geschätzt werden kann.

Weshalb 2010 keine Parade?
Windjammer-Paraden haben - vor allem in von Schleusen geschützten Häfen - den Nachteil, dass ein kompletter Hafentag verloren geht, dass es nach der Parade kaum eine Chance gibt, ein „Anschlussprogramm" im Hafen erfolgreich darzustellen, und dass Paraden wegen der zusätzlichen Bereitstellung von Schleppern, Lotsen, Festmachern usw. zusätzlich Geld kosten und eine Menge und unkalkulierbarer Probleme liefern, wie z. B. das immer wieder zu regelnde Problem, dass gecharterte Schiffe mit Gästen an Bord nach der Parade Priorität zum Schleusen benötigen, damit Gäste ihre Busse/Flugzeuge usw. erreichen.

Zusätzlich zu diesen Problemen sind beim Bau der neuen Kaiserschleuse außergewöhnliche und nicht vorhersehbare Ereignisse eingetreten. Nach einem gravierenden Arbeitsunfall, bei dem ein großer Kran umstürzte und ein Arbeiter schwer verletzt wurde, waren die Unternehmen der Arbeitsgemeinschaft Kaiserschleuse kurzfristig gezwungen, den Bauzeitenplan umzustellen und zu strecken. Dadurch verzögert sich die Fertigstellung der Anlage voraussichtlich um mehrere Monate. Zwar unternehmen die Baufirmen derzeit alles, um die eingetretene Verzögerung wieder aufzuholen. Die Hafenbauer können aber keinesfalls garantieren, dass die Schleuse doch
noch zur „Sail 2010" fertig wird. Alle Planungen für eine Parade müssen hingegen die Schleuse Neuer Hafen (bis 50 Meter), Kaiserschleuse und Nordschleuse in die Planung einbeziehen. Die Nordschleuse muss auch 2010 mit der Berufsschifffahrt geteilt werden. Die Beschränkung auf zwei Schleusen macht eine Parade nicht möglich, weil ein zu langer Ausschleusungsvorlauf für die Schiffe nicht zumutbar ist und die Veranstaltung negativ
belastet.

In der Praxis bedeutet dies abhängig von der Anzahl der Großsegler, dass die attraktiven Großsegler bereits am Samstagnachmittag ihre Liegeplätze verlassen und der für die Gesamtveranstaltung hochattraktive Samstagabend verloren ist.
Auch in der Vergangenheit hat das frühe Ausschleusen und Einnehmen von Wartepositionen bei den Kapitänen/ Kommandanten von Großseglern wenig Zustimmung ausgelöst und wurde als „Zumutung" empfunden. Dies gilt auch für die mitfahrenden zahlenden Gäste. In Abwägung der genannten Nachteile und unter besonderer Berücksichtigung der Tatsache, dass die Fertigstellung der Kaiserschleuse nicht garantiert werden kann, ergibt sich die Empfehlung, auf eine Parade 2010 zu verzichten.

Alternativen

Gäste wollen Windjammer unter Segeln sehen. Die Erfüllung dieses Wunsches ist eine Aufgabe, die man im Programm zumindest im guten Ansatz lösen kann.

Sail-in
Vor dem Bremerhavener Datum ist Amsterdam platziert. Erfahrungsgemäß kommen etliche Großsegler und auch kleinere Schiffe von Amsterdam nach Bremerhaven. Deshalb wird es beim „Captains Briefing" in Amsterdam auch wieder ein Bremerhavener Briefing (Einlaufprozedur, Einchecken der touristischen Gäste, Überreichung des Captains Handbook) geben. Gleichzeitig eröffnet sich hier die Chance, am Mittwoch, 25. August 2010, morgens eine kleine Einlauf-Parade vom Blexer Bogen zur Nordschleuse bzw. zum Liegeplatz am Strom unter Führung der Bark „Gorch Fock" zu organisieren. Dies käme einer kleinen Windjammer-Parade mit besonderem Begrüßungs Zeremoniell vor der Strandhalle gleich.

Sail-out
Auch die Abreise der Windjammer lässt sich durchaus so planen, dass man die Zeitfenster am Sonntag so koordiniert, dass ein guter Gesamteindruck von Schiffen entsteht, die Bremerhaven nach der „Sail" verlassen. Auch hier wurden am Sonntag und Montag der „Lütten Sail" sehr gute Erfahrungen gemacht. Beide Varianten setzen ein relativ hohes Maß an Koordinierung voraus und die Bereitschaft der betroffenen Schiffsführungen, sich diesem
Konzept anzupassen. „Sail in" und „Sail out" machen aus der Not keine Tugend und sollen keinen Parade-Ersatz 2. Klasse darstellen. Im Gegenteil: Bremerhaven liefert mit diesen möglichen Varianten kreative Akzente im Programm und macht deutlich, dass immer Bewegung auf der Weser und im Hafen ist. Denn zum Konzept gehört auch (wie zur „Lütten Sail"), dass die BIS Bremerhaven Touristik etliche kleinere Windjammer einchartert für Kurztörns auf der Weser. Dies liefert die Gewissheit, dass die notwendige maritime Lebendigkeit auf dem Wasser gewährleistet bleibt und die „Sail 2010" ein Event zum Anfassen und direkten Erleben wird.

Liegeplätze
Die Anzahl großer Windjammer ist noch ungewiss. Die Lloyd Marina Neuer Hafen engt hingegen den Belegungsspielraum für den Neuen Hafen ein, so dass sich folgende Liegeplätze anbieten:

Weser: Seebäderkaje mit Ponton (1 Großsegler, Kurzlieger, Charter außen, Motorschiff innen) Schlepper-Pier (2 Großsegler)
Alter Hafen: Traditionssegler, Überlauf Schiffergilde
Neuer Hafen: Großsegler, Schoner, Charterschiffe
Kaiserhafen I: Großsegler und Korvette
Fischereihafen I: Der Fischereihafen I mit dem Schaufenster soll in das Gesamtprogramm integriert werden und - wie bisher - einen Teil der Charterflotte aufnehmen.

Organisationskomitee
Sail Bremerhaven 2010
Beschluss des Organisationskomitees „Sail Bremerhaven 2010" vom 28. Mai 2009.

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