Was kommt da bloß mit der Sail auf Bremerhaven zu? Der Pressedienst der BIS beantwortet diese Frage mit einer Reportage über den Star der Tordenskioldtage in Bremerhavens Partnerstadt Frederikshavn am Wochenende: Die „Götheborg" wird am 22. August in Amsterdam bei der dortigen Sail die Segel mit Kurs Bremerhaven setzen und dort mittags am Mittwoch 25. August mit brüllenden Kanonen erwartet. Wer einen echten Abenteuertörn erleben will, kann bei der BIS auch noch einen der letzten Plätze für aktive Mitsegler buchen.
Das Donnern der Kanonen lässt ganz Frederikshavn erzittern. Die Stützpforten stehen offen, die mächtigen schwarzen Stahlrohre drohen vom hölzernen Dreimaster in Richtung Hafen. Die „Götheborg" feuert eine volle Breitseite - und die Dänen freuen sich. Es ist zwölf Uhr mittags auf dem Tordenskioldfestival in Bremerhavens Partnerstadt und das maritime Historienspektakel hat schon wie am Freitag und Sonnabend tausende Menschen auf den Festplatz um das Hafenbecken gelockt. „Mit der Götheborg hat Bremerhaven genau das richtige Schiff zur SAIL 2010 eingeladen. Das werdet Ihr noch sehen." Der das sagt heißt Pauli Jörgensen. Frederikshavns Tourismuschef hat Schwedens schwimmenden Nationalstolz schon im vergangenen Jahr als den Publikumsmagneten auf seinem Festival erlebt.
Hier zahlt man anders als auf der SAIL umgerechnet vier Euro Eintritt, um auf den Festivalplatz zu kommen. Um beim Open Ship auf die „Götheborg" klettern zu dürfen, kostet die Familienkarte noch einmal 100 dänische Kronen. Auch das ist auf der SAIL 2010 anders: In Bremerhaven lassen sich alle Schiffe kostenlos besichtigen. „Aber ihr habt ja auch 220 Schiffe und nicht wie wir 15", lacht Jörgensen, der schon mehrere SAILS in Bremerhaven mit erlebt hat. Mit seinen Kollegen hat der hochgewachsene Däne vor einigen Jahren gerechnet: So etwas wie eine SAIL kann sich auch Frederikshavn nicht jedes Jahr leisten, aber mit Hilfe von 1000 Freiwilligen in historischen Gewändern Seeschlachten aus dem 18. Jahrhundert nachspielen, das lässt sich jedes Jahr organisieren.
Im Schiff führt Cecilia Bothorp die Gäste zu den Kanonen. Zwischen jedem Geschütz steht heute ein Tisch mit zwei Bänken. Beim Salutschießen wird es im Speisesaal der „Götheborg" eben etwas lauter, meint die Eventmanagerin der Ostindienkompanie augenzwinkernd. „Am Freitag hat hier die dänische Marine einen Empfang zu ihrem Jahrestag gegeben. Die beklagten sich alle über die niedrige Decke. Dabei haben wir sie extra zwanzig Zentimeter höher gebaut als beim Original", erzählt die Schweding. Cecilia Bothorp gehörte schon bei der Taufe des Schiffes am 6. Juni 2003 durch den schwedischen König Carl Gustav zum Stab der „Svenska Ostindiska Companiet". Doch erst jetzt auf dem kurzen Stück von Göteborg nach Frederikshavn hat sie den Dreimaster zum ersten Mal selber gesegelt. „Wir hatten nur zwei drei Windstärken und sind trotzdem sechs, sieben Knoten gesegelt. Richtig schnell!" Und das bei einem Segelplan, der eins zu eins auf das Jahr 1817 datiert werden kann. Mit Segeln aus Leinen, Tauwerk aus Hanf und Blöcken aus Eiche statt aus Kohlefaser.
Sie klappt eine kleine Anrichte hoch, zum Vorschein kommt ein riesiger Flachbildschirm.
Das, so sagt sie, sei das Konzept: Die „Götheborg" - das seien eigentlich zwei Schiffe in einem: Ein modernes Schiff, gebaut nach den neuesten Sicherheitsanforderungen mit Radar und Rettungsinseln und andererseits eine Schiffbauhommage an das 1745 in Göteborgs Hafen gesunkene Originalschiff. Cecilia Bothorp zeigt Teller und ein Essbesteck, dass Taucher aus dem Wrack der Original-„Götheborg" geborgen haben. In einem Decksbalken ist sogar ein Stück Holz vom historischen Vorbild verbaut worden: „Damit sind wir kein Nachbau, wir haben das alte Schiff nur restauriert und ein bisschen noch etwas drum herum gebaut." Wenig Sorgen macht sie sich, dass die „Götheborg" unter all den Großseglern nicht richtig auffallen könnte: „Das erledigen schon die Kinder. Da heißt es sofort: Pappa, können wir auf das Schiff gehen - das sieht wie ein Piratenschiff aus." Und tatsächlich wird die Crew auch in Bremerhaven in historischen Gewändern auftreten und manch langhaariger schwedischer Decksmann hat dann schon auffallend Ähnlichkeit mit den verwegenen Gestalten aus Stevensons „Schatzinsel".
Tatsächlich gibt es an Bord aber auch die hochherrschaftliche Abteilung: Achtern, dort wo die Offiziere wohnen.In den Salons der „Götheborg" im liebevoll ausgeschmückten Achterkastell des Ostindienfahrers gibt es jetzt auch eine Miniaturansicht mit der neuen Skyline Bremerhavens. Ansonsten dominieren hier Mitbringsel aus China und ganz Asien, wohin die „Götheborg" im April 2004 ihre erste große Reise unternommen hat. Im chinesischen Staatsfernsehen fand damals zur besten Sendezeit eine Art „China sucht den Supersegler"-Sendung statt. Nur Chinesen mit viel Wissen über die schwedisch-chinesische Handelsvergangenheit und gutem Englisch hatten überhaupt eine Chance auf einen Eintrag in die Mannschaftsrolle. Hundertausende kamen damals in die Häfen, um nur einen Blick auf das knapp 60 Meter messende Schiff zu werfen. Schwedens Königsfamilie nutzte die „Götheborg" als Kulisse für einen Staatsbesuch. Heute kommt es für den Kurztrip von Amsterdam nach Bremerhaven aber nicht mehr auf blaues Blut oder Kenntnisse von schwedischer Geschichte an. Über die Rufnummer 0471 / 41 41 41 oder im Internet unter www.bremerhaven.de lässt sich die maritime Zeitreise ganz einfach buchen. Wer mit will an Deck wird sofort Mannschaftsmitglied. Passagiere nimmt die „Götheborg" nicht mit, nur Mitsegler. Klingt ganz einfach, kann im Einzelfall aber auch schon einmal Blasen an den Händen. Im Gegenzug ist jedem Mitsegler dafür ein einmaliges maritimes Erlebnis garantiert.