Für 1,6 Millionen Euro, davon 800 000 Euro Fördergelder der Europäischen Union, ließ das afz als Träger die Villa auf Vordermann bringen. Die war 1929 vom Wulsdorfer Fischgroßhändlers Heinrich Friedrich Dohrmann als Familiensitz errichtet und schon vor Jahrzehnten an die Stadt Bremerhaven verkauft worden. Nachdem sie von 1981 bis 2008 von einem Förderverein für ökologische Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekte genutzt wurde, stand das einstige Prachtdomizil in Wulsdorf leer.
„Nach einem verheerenden Wasser- und Frostschaden Anfang 2009“, erinnert sich Tatjana Bruns, „bot die Villa ein Bild des Jammerns. Viel hätte nicht gefehlt, und sie wäre abgerissen worden.“ Stattdessen fand das Arbeitsförderungs-Zentrum eine neue Aufgabe für den Bau und das parkähnliche, 10 000 Quadratmeter große Grundstück, das trotz der Nähe zur Autobahn ein idyllisches Biotop mit Riesenteich, Steinbackofen, Grillplatz und alten Bäumen ist.
Auf dem riesigen Anwesen können Kinder die Natur erkunden und Erwachsene sich über Umweltprobleme und eine nachhaltige Lebensweise informieren. Neuer Name: „Die Villa – Ein Ort für Begegnung mit der Natur“. Nach Plänen des Stadtbau-Chefs Wolfgang Ehlers wurde das Gebäude entkernt und umgebaut, um das lichtdurchflutete Atrium vergrößert und nach neuesten Erkenntnissen der Wärmedämmung isoliert. Ein Großprojekt, das auch der Arbeitsförderung diente: Bei der Sanierung des Altbaus packten Mitarbeiter der Bremerhavener Beschäftigungsgesellschaft Unterweser (BBU) mit an, bei der Neugestaltung der Außenanlagen war der Beschäftigungs- und Qualifizierungsverein faden e. V. mit von der Partie.
Nach der offiziellen Einweihung im Juli erfüllt Tatjana Bruns die Villa bereits mit Leben. Dass das Konzept für ein Umweltzentrum ankommt, bewies sie bei Ferienpass-Aktionen in den Sommerferien: Kinder aus ganz Bremerhaven eroberten den neuen, modernen Gruppenraum im Anbau und das weitläufige Außengelände, um auf spielerische Weise Flora und Fauna kennenzulernen. „Diese Angebote“, kündigt die Projektleiterin an, „werden wir im Zyklus der Jahreszeiten weiter ausbauen, zumal es auch in der Nähe im Landschaftsschutzgebiet Ahnthammsmoor ganz viel zu entdecken gibt.“ Um für das Naturerlebnis zu werben, nahm sie bereits Kontakt zu Kindergärten und Schulen auf.
Für Erwachsene soll die Villa nicht nur als Bildungszentrum mit den Schwerpunkten Umwelt und Nachhaltigkeit offenstehen, sondern auch als Begegnungsstätte für den Süden der Seestadt. Tatjana Bruns: „Das Haus liegt günstig im Schnittpunkt von Wulsdorf, Surheide und Grünhöfe. Deshalb ist es ein idealer Ort für Veranstaltungen, Seminare, Feiern und Stadtteilkonferenzen. Oder auch für Bio- und Handwerksmärkte.“
Viel Arbeit für die Diplom-Biologin, der nur ein kleines Team mit einem Hausmeister und zwei Bürgerarbeitern zur Seite steht. Über kurz oder lang soll zwar noch eine Stelle im Bereich der Umweltpädagogik besetzt werden. Doch um das ehrgeizige Villa-Programm kaum umzusetzen, werden auch Freiwillige benötigt. Tatjana Bruns: „Engagierte Bürgerinnen und Bürger sind daher jederzeit willkommen.“ Wilfried Moritz
Originaladresse des Artikels: http://www.bremerhaven.de/meer-erleben/stadtleben/zentrum-fuer-natur-und-umwelt-neues-leben-in-der-alten-villa-dohrmann.52349.html
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