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Seestadt Bremerhaven
     
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Zehn Mann und fast 50.000 Schiffe: Schleuse Neuer Hafen ein Riesen-Erfolg

20.08.2012

Zwei der Schleusenwärter der Schleuse am Neuen Hafen: Hans Crueger und Peter Burhorn (v.L.)
In diesem Jahr feiert die Schleuse Neuer Hafen ihren siebten Geburtstag. Das 25 Millionen Euro teure Bauwerk hat in dieser Zeit eine wirklich beeindruckende Bilanz hingelegt: fast 50.000 Schiffe in mehr als 34.000 Schleusungen und über 27.000 Dienststunden. Dass die Schleuse so erfolgreich ist, hat mehrere Gründe. Einer davon ist die 10-köpfige Schleusenwärter-Crew. Die ehemaligen Kapitäne sorgen mit ihrem Fachwissen und gutem Service für eine außergewöhnliche Atmosphäre, die über die Grenzen des Weserreviers hinaus von sich reden macht.

Als die Schleuse Neuer Hafen – oft auch Sportbootschleuse genannt - am 7. Juli 2005 ihren Betrieb aufnimmt, sind die Havenwelten noch in der Bauphase. Das Deutsche Auswandererhaus und das Sail-City-Hotel sind Baustellen. Das Klimahaus ist noch nicht mal im Rohbau. Auch von der Lloyd-Marina, samt Boardinghouse fehlt noch jede Spur. Der Plan für die Neugestaltung des Areals Alter und Neuer Hafen sieht vor, dass Sportbootfahrer – gezeitenunabhängig – bis direkt in die Innenstadt fahren können. Mit der neuen Schleuse ist dafür die passende Infrastruktur geschaffen.

Die Vorgaben für die kleine Schleuse selber sind schnell definiert: so wenig Wasseraustausch wie möglich, so schnell wie möglich und so individuell wie möglich. Das Ganze natürlich auch noch kostengünstig – vor allem in Betrieb und Wartung. Ein wesentlicher Teil des Konzeptes sind die Schleusenwärter. Sie sollen flexibel und kostengünstig sein, müssen zugleich über alle notwendigen Befähigungen verfügen. Hennig Goes rät der Bremerhavener Entwicklungsgesellschaft Alter / Neuer Hafen (BEAN) hat die Idee, dort pensionierte Nautiker auf 400 Euro Basis einzusetzen. Der Plan ist so genial wie einfach und geht vollends auf. In kürzester Zeit finden sich zehn ehemalige Kapitäne aus Fischerei und Handelsschifffahrt für den Job.

Die Schleusenwärter organisieren sich und ihre Schichten selbstständig. Jeder kommt auf sechs bis sieben Schichten im Monat, die natürlich mit der BEAN abgestimmt werden. Der Dienstplan wird vom Sprecher der Gruppe immer schon zum Oktober des Vorjahres geschrieben, damit ausreichend auf Urlaube und ähnliches eingegangen werden kann. Peter Burhorn, der die Rolle des Sprechers derzeit inne hat, fasst den besonderen Reiz der Aufgabe zusammen: „Für uns ist das ein echter Traumjob. Wir sind alle zur See gefahren, weil wir das Meer lieben. Wenn man dann in den Ruhestand geht, bleibt die Liebe unerfüllt, weil man sich trennen muss“, sagt er. „An der Schleuse ist man der Seefahrt immer noch sehr nah. Dann tut die Trennung nicht ganz so weh“, ergänzt er.

„In dem Job hat man auch reichlich Abwechslung und viele nette Kontakte“, sagt Hans Crueger. Er ist einer von vier Schleusenwärtern, die seit Eröffnung der Schleuse in der Glaskanzel im Schleusenturm sitzen. „Wir sind alle zwischen 68 und 76 Jahre alt und machen den Job so lange, wie es uns möglich ist“, so der 76-Jährige. „Wir müssen ja immer drei Treppen hoch und die Toilette ist ganz unten“, ergänzt er lachend. Crueger hat an der Schleuse Neuer Hafen, genau wie Burhorn, eine neue Aufgabe gefunden, die ihn erfüllt. „Und die Skipper sind wohl auch ganz zufrieden mit uns. Die bringen manchmal sogar Schokolade oder andere kleine Präsente für uns mit. Ein Dankesplakat gab es auch schon Mal“, sagt Crueger lachend.

Gearbeitet wird im Zwei-Schichtsystem von April bis Oktober. Außerhalb dieser Zeit kann die Schleuse über den Standort Nordschleuse ferngesteuert werden. Rund 30 Prozent der Schiffe, die über die Schleuse Neuer Hafen geschleust werden, sind Arbeitsschiffe: Schlepper, Tanker und andere, der Rest sind Sportboote. Die kleine Schleuse ist einfach wirtschaftlich und schnell. Sie hat nur ein Zehntel des Volumens der Kaiserschleuse. 4000 Kubikmeter Hafenwasser gehen hier bei jedem Schleusengang maximal raus. Bei der Kaiserschleuse sind es 40000. Dieses Wasser muss jedes Mal wieder in den Hafen rein gepumpt werden, um den Wasserstand dort zu halten. Es wird also entsprechend seltener geschleust. Bis zu zwei Stunden warten die Schiffe, um über die Kaiserschleuse oder Nordschleuse in den Hafen zu kommen. Wenn sie dann in den Kaiserhafen wollen, muss auch noch die alte Drehbrücke gedreht werden. An der Schleuse Neuer Hafen wartet man höchsten 30 Minuten. Die Tore der einzigen in Deutschland befindlichen Schleuse mit drehbaren Sektor-Toren, öffnen und schließen sich in knapp drei Minuten und das Schleusen – abhängig vom Wasserstand im Hafen und der Weser – geht in 10 Minuten über die Bühne. Die verwendete Technik ist besonders wartungsarm und energiesparend.

"Und die Lloyd-Marina dahinter kommt bei den Sportbootfahrern prima an", sagt Peter Burhorn. Die Skipper legen an und gehen in der Stadt einkaufen oder schön essen. Attraktionen wie Klimahaus oder DAH stehen auch sehr hoch im Kurs und - wen wundert‘s – natürlich das Deutsche Schiffahrtsmuseum. Das kleinste „Schiff“ das am Neuen Hafen je geschleust wurde war ein „Kajak“, ein Paddelboot. Das größte Schiff war die Dreimastbark „Alexander von Humboldt I“. „Das war passgenau“, sagt Burhorn, der einer der Kapitäne des grünen Segelschiffes war. „Zentimeterarbeit und der Bugsteven ragte über das Schleusentor hinaus. So was macht man auch nur in absoluten Ausnahmefällen“, deutet er mit einer ausladenden Geste. „Bei 62,5 Metern Länge und 14 Metern Breite ist für unsere Schleuse Feierabend“.

Gearbeitet wird am Neuen Hafen bedarfsgerecht. Es gibt also keine festen Schleusungszeiten wie an den großen Schleusen. Wenn jemand rein oder raus möchte, meldet er sich über UKW-Kanal 69 oder über Telefon an. Das soll immer ungefähr 20 Minuten vorher geschehen. Dadurch kann das Schleusen effektiver, umweltfreundlicher und kostengünstiger gestaltet werden. Bezahlen muss man dafür übrigens im ganzen Bundesland Bremen nicht. „Die Bedarfsschleusung war und ist uns sehr wichtig“, sagt Peter Burhorn. „Wir sind dabei aber auf die Zusammenarbeit der Skipper angewiesen“, so Burhorn weiter. „Wenn wir über den Funkkanal eine Schleusung ankündigen, sollte jeder Skipper, der innerhalb der nächsten halben Stunde raus will, kurz Bescheid geben. Dann können wir warten und vermeiden halb leere Schleusungen und damit unnötige Kosten. Sollte das nicht gelingen, drohen irgendwann doch feste Schleusungszeiten“, unterstreicht der Schleusenwärter.

Die Schleusenwärter haben sogar einen Stammtisch im Bistro der Lloyd-Marina eingerichtet, der sich jeden 2. Dienstag im Monat dort trifft. Dabei stehen sie für Fragen und Anregungen der Skipper bereit. „Der Austausch zwischen uns und den Skippern ist sehr wichtig“, führt Crueger an. „Hier können wir rechtzeitig darauf hinweisen, dass solche Vorteile wie die Bedarfsschleusung in Gefahr geraten“.

Von größeren Unfällen ist die Schleuse bisher verschont geblieben. In diesem Jahr ist ein Schlepper mit dem Schleusentor kollidiert. Danach war die Schleuse vier Wochen lang nur eingeschränkt in Funktion. Sportboote konnten rein und raus, Arbeitsschiffe nicht. „Das war für die Kapitäne der Arbeitsschiffe richtig zeitaufwendig“, erinnert sich Burhorn. „Die mussten alle durch Nord- und Kaiserschleuse. Das hat locker vier Mal so lange gedauert wie bei uns und hat uns wirklich leidgetan“.

Stressig wird es in dem Job beim Windjammer-Festival „Sail“. Dann bekommen die Schleusenwärter die Besuchermassen nur sehr schlecht von den Schleusentoren herunter, bevor die Tore geöffnet werden. Generell ist es an der Schleuse aber eher heiter bis lustig. So gibt es auch an Bord von Sportbooten eine klare Rollenverteilung, sagt Hans Crueger. 99 % der Skipper sind Männer, die Frauen sind „Matrosen“ und für das Verstauen der Fender - der Gummipuffer – zuständig. „Da gibt es dann auch schon mal einen lauten Ehekrach in der Schleusenkammer, wenn der Fender nicht so liegt, wie der Käpt’n will. Wenn es dann aus der Schleusenkammer wieder rausgeht, ist aber meistens wieder alles friedlich. Die Kapitäne erinnern sich rechtzeitig daran, dass ihre „Matrosen“ auch für die Verpflegung an Bord zuständig sind. Der Smutje (Koch) ist der wichtigste „Mann“ an Bord - noch wichtiger als der Käpt’n“, sagt er mit einem Augenzwinkern.     Marco Butzkus

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