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Seestadt Bremerhaven
     
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Vom St. Joseph Hospital in die Welt: Bremerhavener Chirurg ist international gefragt

06.09.2012

Dr. Thomas Brin und Dr. Andreas Ambrosch (von links) vor dem preisdotierten Posterplakat im Sankt-Joseph-Hospital.
Manchmal liegen Keimzellen für außergewöhnliche Entwicklungen an Orten, an denen man sie zunächst gar nicht vermuten würde. Einer dieser besonderen Orte ist das St. Joseph-Hospital (JoHo) in Bremerhaven-Mitte. Der Beweis dafür ist Dr. Thomas Brin, Oberarzt in der dortigen Chirurgie. Der 40-Jährige Deutsch-Amerikaner konnte in diesem Jahr gleich mehrfach die Aufmerksamkeit der nationalen und internationalen Fachwelt auf sich ziehen. Als frischgebackener Preisträger des renommierten Preises der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, hat er inzwischen wissenschaftliche Artikel in einem der wichtigsten US-Fachmagazine veröffentlicht. Marco Butzkus hat mit ihm über Auszeichnungen, Fachwissen und die Zukunft in Bremerhaven gesprochen.

Frage:
Du hast Ende April in Berlin den Posterpreis der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie erhalten, bei dem eine wissenschaftliche Arbeit in Posterform aufbereitet und bewertet wird - was für ein Renommee steckt dahinter?

Dr. Thomas Brin:
Ein sehr großes, denn der Preis wurde bisher erst 22 Mal vergeben und öffnet einem Preisträger innerhalb Deutschlands beruflich viele Türen. Von den vielen Arbeiten, die dort eingereicht werden, werden jedes Jahr nur 250 zugelassen und nur einer kann den Preis bekommen. Ich hatte nicht wirklich damit gerechnet, dass ich gewinne. Das zeigte sich schon daran, dass ich zur Preisverleihung schon wieder im JoHo im Operationssaal stand und einen komplizierten Armbruch operiert habe (lacht). Zum Glück war mein Chef Dr. Guido Kirchgesser noch vor Ort in Berlin und konnte den Preis für mich in Empfang nehmen.


Frage:
Worum ging es in Deiner Arbeit?

Dr. Thomas Brin:
Wir, zum Team gehörten auch noch Laborärztin Katrin Borucki aus Magdeburg und Dr. Andreas Ambrosch, der damalige Chefarzt der Laboratoriumsmedizin am JoHo, haben den wissenschaftlichen Beweis dafür erbracht, dass Alkohol Einfluss auf ein bestimmtes Neuroprotein, das S100B hat. Der Nachweis von S100B - es ist ein möglicher Indikator für Schädel-Hirn Verletzungen - ist bei stark alkoholisierten Personen nicht so aussagekräftig, wie bei nicht alkoholisierten. Das ist wichtig, weil sehr viele Personen mit Schädel-Hirn-Trauma-Verdacht alkoholisiert sind.


Frage:
Warum wurdest Du für den Preis ausgewählt?

Dr. Thomas Brin:
Wegen der präzisen Studienführung: Die Vergabekommission hat besonders hervorgehoben, dass wir so ein breites Spektrum medizinischer Fachdisziplinen behandelt haben. Unsere Forschung umfasste mehrere Studiengruppen und hatte drei Versuchsteile, die sich über 1,5 Jahre erstreckten.


Frage:
Wie war die Resonanz auf die Auszeichnung, hier in Bremerhaven?

Dr. Thomas Brin:
Überwältigend – meine Familie und Freunde sind sehr stolz auf mich. Es gibt viel Anerkennung von Kollegen und die Posterpräsentation hängt jetzt zusammen mit der Urkunde im Eingangsbereich des JoHo.


Frage:
Du konntest diese Arbeit auch in einem sehr wichtigen US-Fachmagazin, dem „Shock-Journal“ veröffentlichen und wurdest sogar zu einem Kongress in die USA nach Miami eingeladen, um dort einen Fachvortrag zu halten. Wie war es für Dich als Amerikaner, nach fast 30 Jahren mal wieder in den Staaten zu sein?

Dr. Thomas Brin:
Das war fantastisch und sehr emotional. Ich bin das letzte Mal mit ungefähr 12 Jahren dort gewesen, und als der Zollbeamte im Flughafen in New York in meinen Ausweis schaute, und „Welcome home, Sir“ (Willkommen zuhause) sagte, überfiel mich ein warmer Schauer. Das „Shock-Journal“ ist eines der wichtigsten weltweit erscheinenden Fachmagazine – es gibt insgesamt 187. Das „Shock“ ist die Nummer 18 in der Weltrangliste. Der Vortrag, den ich dort halten durfte, beschäftigte sich aber nicht mit dem Thema des DGHC-Preises, sondern mit etwas Neuem.


Frage:
Um was ging es dabei?

Dr. Thomas Brin:
Um eine wirklich spannende Sache: die Form und Beschaffenheit bestimmter Immunzellen in Zusammenhang mit einer Sepsis, also einer Blutvergiftung. Die ist immer noch die häufigste Todesursache auf Intensivstationen und weltweit eine der häufigsten überhaupt. Für eine erfolgreiche Behandlung ist es notwendig, bei einer drohenden Sepsis, so schnell wie möglich mit Antibiotika zu behandeln. Durch unsere wissenschaftliche Arbeit könnte die Behandlung wesentlich früher als bisher, nämlich bereits nach 15 Minuten eingeleitet werden. Das Verblüffende daran ist, dass der benötigte Wert standardgemäß bei einer Blutuntersuchung genommen wird. Er wurde nur nie zur Diagnose Sepsis ausgewertet. Es gibt zu dem Thema bisher weltweit nur vier wissenschaftliche Arbeiten und zwei davon stammen aus dem St. Joseph Hospital Bremerhaven. Die Idee für diese Arbeit stammt übrigens von meinem Kollegen Dr. Ambrosch. Unsere Ergebnisse haben auf dem Kongress der Shock-Society für Aufmerksamkeit gesorgt. Die Teilnehmer dort sind ein sehr ausgewählter Kreis von Experten: rund 1000 wissenschaftliche Spezialisten aus aller Welt. Besonders erstaunt war man darüber, dass ein so kleines Krankenhaus wie das JoHo so wissenschaftlich hochkarätige Arbeit leistet.


Frage:
Wie geht es jetzt weiter mit Dir? Bleibst Du Bremerhaven und dem JoHo erhalten, oder lockt das Ausland – vielleicht sogar Amerika?

Dr. Thomas Brin:
Ich bin beruflich genau da angekommen, wo ich sein will. Ich habe gerade die chirurgische Leitung des Medizinischen Versorgungszentrum Dreibergen in Wulsdorf übernommen. Außerdem verbleibe ich einen Tag in der Woche im JoHo, um dort zu operieren. Ich werde natürlich auf jeden Fall weiterhin wissenschaftlich arbeiten, wenn es die Zeit zulässt. Derzeit arbeiten wir an vier parallel laufenden Studien, die allesamt sehr interessant und vielversprechend sind. Sicherlich werde ich auch weiterhin zu Kongressen - auch gerne in alle Welt - fahren und dort Vorträge halten – wenn man mich lässt (lacht). Aber mein Lebensmittelpunkt ist hier in Bremerhaven und ich sehe auch keinen Grund dafür, dies zu ändern.

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marco.butzkus at bit.bremerhaven.de
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Originaladresse des Artikels: http://www.bremerhaven.de/meer-erleben/stadtleben/vom-st-joseph-hospital-in-die-welt-bremerhavener-chirurg-ist-international.52356.html
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