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Teurer Umbau eines alten Gemäuers: Wohnen im Leher Wasserturm

19.09.2012

Ein Wahrzeichen Lehes: der 1885 erbaute Wasserturm der Stadt Bremerhaven an der Langener Landstraße. Fotos: Wilfried Moritz
Der 500-Kubikmeter-Tank an der Spitze des alten Wasserturms, so sinniert dessen Besitzer Udo Zeiler (46), sieht „aus wie Dagobert Ducks Geldspeicher“. Doch im Gegensatz zum legendären Tresor des stinkreichen Geizhalses aus Entenhausen ist der riesige Turmbehälter leer. Deshalb musste Zeiler auf seine Ersparnisse zurückgreifen, um im langen Lulatsch von Lehe an der Langener Landstraße 45 wohnen zu können. „Für dieses kostspielige Hobby“, weiß er, „würde mir keine Bank einen Kredit geben.“

Dass der Umbau des früheren Bremerhavener Wasserturms zum ungewöhnlichsten Wohngebäude der Stadt ein teures Vergnügen sein würde, war Zeiler schon beim Kauf 2005 klar. Damals hatte sich der Energieversorger swb Bremerhaven als Nachfolger der Stadtwerke entschlossen, die kegelförmige, 38 Meter hohe Immobilie aus dem Jahre 1885 loszuwerden. Die Unterhaltungskosten von 20 000 Euro im Jahr waren dem Unternehmen zu hoch. Für die swb wäre die Alternative zum Verkauf der Abriss gewesen.

„Der Turm wurde wie Sauerbier angeboten“, erinnert sich Zeiler. Der deutsch-amerikanische Geschäftsmann lebt seit fast 15 Jahren vorwiegend in Salt Lake City (US-Bundesstaat Utah) und hat sich nach eigenem Bekunden dort ein ansehnliches Vermögen erarbeitet. Daher schlug er sofort zu, als er im Internet das historische Gemäuer in Lehe entdeckte und seinem Charme verfiel. Zeiler: „Interesse an alten Häusern hatte ich schon immer.“ Seit dem Kauf pendelt er immer wieder zwischen seinem Wohnsitz in den USA und seinem neuen Domizil in Bremerhaven, zu dem im Erdgeschoss sowie dem ersten und zweiten Stock jeweils rund 75 Quadratmeter Wohnfläche gehören. Im Nachbarhaus lebt seine Mutter.

Um den Backsteinbau mit den halbrunden Zimmern wohnlich herzurichten, musste Zeiler zum Kaufpreis von rund 100 000 Euro noch einmal das Dreifache drauflegen. „Ein Fass ohne Boden“, stöhnt er denn auch. „Der Aufwand war doppelt so hoch wie ursprünglich kalkuliert.“ Die früheren Stadtwerke sanierten zwar 1992 noch einmal den Leher Lulatsch und erneuerten das Kupferdach. Dennoch präsentierte sich der Turm laut Zeiler beim Besitzerwechsel 2005 in einem jämmerlichen Zustand: „Alle Fenster zugemauert, der Boden marode, der Schornstein versifft.“

Mit einheimischen Baufirmen und der Hilfe tatkräftiger Freunde machte sich der frischgebackene Turmeigentümer daran, seine imposante Immobilie auf Vordermann zu bringen. Ein Jahr lang war der Rundbau eingerüstet. Zeiler: „Die Handwerker gaben sich in dieser Zeit die Klinke in die Hand.“ Böden wurden ausgebessert, Wände neu verputzt, Elektrik, Heizung und Sanitäreinrichtungen erneuert. Alles in Absprache mit dem Bauordnungsamt und den Denkmalschützern, die den Wasserturm in diesem Jahr unter Schutz stellten.

Da die schmalen Fensteröffnungen zugemauert waren, musste Turm-Herr Zeiler allein im Erd- und 1. Obergeschoss 18 Fenster einsetzen. Im dritten Stock baute er eine Zwischendecke ein. Darüber führt eine schmale Wendeltreppe zum einstigen Wasserspeicher. Inzwischen sind Zeilers Wohnräume weitgehend mit altem Mobiliar ausstaffiert, vor allem aus seinem Elternhaus, zum Teil aber auch vom Flohmarkt. An die alte Technik aus dem 19. Jahrhundert erinnern nur noch zwei überdimensionale Wasserrohre, die sich durch alle Räume ziehen und jetzt für Belüftung und Dachentwässerung sorgen.

Obwohl sich der Geschäftsmann seinen Wohntraum („Ein teures Hobby, kein Anlageobjekt“) erfüllt hat, bietet er den denkmalgeschützten Turm schon wieder im Internet zum Verkauf an. Der Grund, so Zeiler: „Auf Dauer werde ich wieder mehr in den USA leben. Deshalb muss ich mich leider von der schönen Immobilie trennen.“ Einige Interessenten haben sie sich bereits angesehen. Angebissen hat allerdings noch keiner.   Wilfried Moritz

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