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Seestadt Bremerhaven
     
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Sehenswerte Ausstellung im DAH: Der gelbe Schein – Mädchenhandel 1860 bis 1930

23.08.2012

Das Plakat zu der Ausstellung "Der Gelbe Schein".
Zwischen 1860 und 1930 verlassen Millionen junge Frauen Europa. Sie flüchten vor Armut und Elend und suche ihr Glück in der Ferne. Zehntausende von ihnen landen in den Bordellen der neuen Welt. Die Lebensschicksale der allein ausgewanderten Mädchen werden ab Montag, 27. August, in einer Ausstellung im Deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven gezeigt. „Der gelbe Schein – Mädchenhandel 1860 bis 1930“ öffnet Einblicke in das Leben junger Frauen und Mädchen, von denen oft nicht viel mehr als ein Foto oder ein Auszug aus einem Gerichtsprotokoll geblieben ist. Die Ausstellung läuft bis zum 28. Februar 2013.

„Der gelbe Schein – Mädchenhandel 1860 bis 1930“ ist eine gemeinsame Ausstellung der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum und des Deutschen Auswandererhauses Berlin. Die zeitgleich in Berlin und Bremerhaven präsentierte Ausstellung nimmt sich eines weitestgehend unbekannten Kapitels der europäischen Massenauswanderung an – der Armutsprostitution. Bei der Besiedlung der neuen Welt wurden viele Mädchen zum Spielball zwischen skrupellosen Zuhältern und bitterer Armut. Die Suche nach Arbeit in Privathaushalten oder Gaststätten endete oft in einem Bordell.

Beide Ausstellungen - die in Berlin, wie auch die in Bremerhaven - betrachten das gleiche Thema – allerdings aus verschiedenen Blickwinkeln. Im Auswandererhaus wird der Ausstellungssaal von einem riesigen Kubus dominiert, in dessen Inneren eine Videoinstallation auf gegenwärtige Spurensuche in Buenos Aires und anderen Städten geht. Stellwände mit übergroßen Abbildungen von Frauen und Männern geben dem Besucher das eigentümliche Gefühl, selber betrachtet zu werden. Die Schicksale und Geschichten fesseln den Betrachter umgehend und lösen auch Betroffenheit aus.

Der gelbe Schein – so hieß der Prostituierten-Ausweis in Russland bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Um ihn zu erhalten, mussten die Frauen alle ihre existierenden bürgerlichen Papiere abgeben. Sie erhielten dafür die Erlaubnis, dem Lohnerwerb der Prostitution nachzugehen. Der gelbe Schein steht also symbolisch – wie nichts Vergleichbares - für die völlige Aufgabe der bürgerlichen Existenz zur blanken Überlebenssicherung. Für alleinstehende und arme jüdische Frauen war es in jener Zeit nur dann möglich sich in einer großen russischen Stadt dauerhaft niederzulassen, wenn sie einen gelben Identifikationsschein hatten. Nicht alle Frauen, die einen solchen Schein besaßen, gingen auch zwangsläufig der Prostitution nach. Sie akzeptierten die mit diesem Dokument verbundene Diskriminierung dennoch, um in der Stadt bleiben zu können.

Die gleichnamige Ausstellung ist eine berührende Schau aus Bildern, Texten, Landkarten, Briefen und Audiodokumenten. Ein Raum voller Momentaufnahmen und ergreifender Schicksale. Das Spiegelbild einer Gesellschaft, die viele Parallelen zur heutigen Gegenwart aufweist. Die Ausstellung ist sehr beeindruckend, wenn auch nicht spektakulär in ihrer Präsentation. Wer nach einem Besuch einen Western-Film mit den typischen Saloon-Szenen und Bardamen sieht, wird dieses Klischee mit komplett anderen Augen sehen. Marco Butzkus

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