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Seestadt Bremerhaven
     
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Neues Leben in der „Alten Bürger“: An Bremerhavens kulturellem Puls tut sich was

20.09.2012

Die Alte Bürger im Wandel der Erneuerung.
Die „Alte Bürger“ ist für Generationen von Bremerhavener Jugendlichen ein Ort der besonderen Erinnerungen. In den 1970er und 1980er Jahren war der Straßenzug mit seinen vielen Kneipen und den schier unerschöpflichen Partypotenzial so etwas wie das Eldorado der Vergnügungssüchtigen. In den 90ern ging es dann an der „Meile“ leider abwärts. Wirtschaftsbedingtes Kneipensterben und negative Berichterstattungen über gewalttätige Auswüchse, ruinierten ihren guten Ruf massiv und nachhaltig. Der Begriff „Kneipenmeile“ ist seit dem mit einem negativen Image behaftet. Derzeit erfindet sich die „Bürger“ wieder neu, hin zu etwas Anderem - einem Kulturquartier mit Wohncharakter und Weserblick. Die Menschen dort machen sie zu einem lebens- und liebenswerten, wenn auch immer noch sehr speziellem Ort. Der afz-Quartiersmeister Jens Rillke hat bremerhaven.de gegenüber verraten, was sich dort bis jetzt so getan hat und auf was die Bremerhavener sich zukünftig noch alles freuen dürfen.

Als Jens Rillke den Job des Quartiersmeisters 2010 antrat, sah es böse um die einst so angesagte Szenemeile aus. Viele Leerstände, zum Teil chaotische Eigentumsverhältnisse und reichlich frustrierte Anwohner ließen nichts Gutes erahnen. Die Stelle als Koordinator zwischen den Bedürfnissen von Anwohnern, Gewerbetreibenden, der Stadt und potenziellen Investoren wurde mit EU-EFRE-Mitteln (Europäischer Fond für regionale Entwicklung) finanziert. Heute betrachtet der gebürtige Bremerhavener das „Tal der Tränen“ als durchschritten. Er macht aber keinen Hehl daraus, dass noch jede Menge Arbeit vor ihm liegt.

„Die ersten sichtbaren Erfolge sind auch schon erkennbar“, sagt der Quartiersmeister, der einst selber hier gewohnt hat. Der Wind auf der Alten Bürger hat sich kräftig gedreht. „Seit Ende Juli werden 7 Häuser saniert und ein weiteres kommt demnächst noch dazu. Es gibt derzeit einen deutlich erhöhten Bedarf an Baugerüsten in der Alten Bürger“, flachst Rilke. „Die Eigentümer haben endlich den Mut wiedergefunden, etwas in ihre Immobilien zu investieren“. Die Gesamtentwicklung ist aus Sicht des 49-Jährigen mehr als erfreulich. Es gibt mittlerweile mehr Anfragen für attraktiven Wohnraum in der Straße, als vorhanden ist. Gewerblich und kulturell tut sich auch so einiges auf der „Meile“. Mit dem Jungen Theater im Pferdestall (JUP) öffnet sich das Stadttheater in Richtung des Quartiers und bereichert es sehr. Das „Piccolo Theatro“ muss auch als klarer Erfolg betrachtet werden. Die Aufführungen dort sind fast immer ausverkauft.

Hier gibt es eine kleine Übersicht der aktuellen und neuen Entwicklungen in und um die Alte Bürger:


An der Schleusenstraße 33 hat die Städtische Wohnungsbaugenossenschaft (Stäwog) ein Gründerzeithaus kernsaniert. Im Erdgeschoss des mehr als 100 Jahre alten Gebäudes befindet sich jetzt ein schickes Cafè. Darüber sind elf sonnendurchflutete Wohnungen entstanden – allesamt modern saniert und mit einem Fahrstuhl zu erreichen. Die Sanierung des Hauses, in dem früher einmal die Gaststätte „Schampus“ zu finden war, hat gute 2 Millionen Euro gekostet. Die schwierige Baumaßnahme muss heute als eine Art Leuchtturm-Projekt für das Quartier Alte Bürger gesehen werden.

Gleich um die Ecke im Pferdestall, in der Gartenstraße 8, hat sich das Stadttheater Bremerhaven mit dem Jugendtheater eingerichtet. Das JUP bietet hier 30 bis 40 Aufführungen im Jahr an. In der letzten Spielzeit lockte das professionelle Kinder- und Jugendtheater rund 2000 Gäste an. In der aktuellen Laufzeit wird hier das Jugendstück „Tschick“ aufgeführt, dessen Romanvorlage seit langem auf den Bestsellerlisten steht. Auf großes Interesse dürfte auch das Stück „Honigherz“ stoßen. Es handelt sich dabei um eine Produktion für 2-Jährige Kinder, in der Sprache nur einen kleinen Teil der Kommunikation darstellt. Für das Stadttheater ist der Pferdestall und die Alte Bürger sehr wichtig, um die gewünschte Zielgruppe auch erreichen zu können. Jugendlich brauchen eine „coole Location“, um sich angesprochen zu fühlen. Ein herkömmlicher Theatersaal ist da wohl eher abschreckend.

Das „Piccolo Theatro“ gibt es seit mittlerweile gut einem Jahr auf der „Meile“. Roberto Widmer bietet in der Alten Bürger 200 dreimal die Woche Unterhaltung in Deutschlands kleinstem Theater. Mit nur 40 Sitzplätzen und einem außergewöhnlichen Programm ist die kleine Bühne wirklich etwas Besonderes in der hiesigen Kulturlandschaft. Die erste Spielzeit ist sehr erfolgreich gelaufen. Das „Piccolo“ wird sehr gut angenommen und ist ein weiteres Stück auf dem Weg weg von der „Kneipenmeile“ hin zur „Kulturmeile“ Alte Bürger.

In der Bürger 133 und 135 dreht sich alles um das studentische Wohnen. Hier war bis vor kurzem noch die Spaßguerillatruppe „One-Three-Three“ zu hause. Die kreativen Studenten haben eine ganze Menge frischen Wind in die Jugendszene der Stadt gepustet. Begriffe wie „Urban Gardening“, „Tarp-Surfen“ und „Pop-Up-Shop“ sind durch die Truppe geprägt worden. Inzwischen sind die Studenten nach Beendigung ihres Studiums weitergezogen. Wohnraum für Studenten-WGs ist weiterhin ein großes Thema in der Alten Bürger, mit ihren großzügigen Wohnungen ist sie geradezu dafür prädestiniert und ihr Freizeitwert ist dabei ganz sicher auch nicht zu unterschätzen.

In der Bürger 143 direkt neben der Gaststätte „Rüssel“ eröffnet demnächst „Kate ‘n‘ Cakes“ ein Café in dem es „Cupcakes“ - kleine, bunte Kuchen - und frischen Kaffee geben wird. Ein paar Meter weiter, in den Räumen des ehemaligen „Delta“ direkt neben dem „Piccolo Theatro“, entsteht ebenfalls ein Café, in dem eine kleine Bühne für zusätzliches kulturelles Angebot sorgen soll. Beide Läden sind hauptsächlich auf das Tagesgeschäft ausgerichtet, genaue Eröffnungstermine stehen noch nicht fest.

Besonders „heiß“ erwartet wird hingegen schon das „Chalet“. Der rotgelbe Schriftzug über der Eingangstür der Alten Bürger 169 hängt dort schon seit einigen Wochen. Verschiedene technische Arbeiten in dem grundsanierten Restaurant weisen derzeit auf einen Eröffnungstermin Ende Oktober hin. Kathrin Wendelken hat sich auf einer Amerikareise in das Konzept eines Fondue-Restaurants verliebt. Die 24-Jährige gelernte Fachfrau für Systemgastronomie wagt mit der Eröffnung ihres Restaurants den Schritt in die Selbstständigkeit. Unterstützt wird sie dabei durch ihren Freund und ihre Familie. Im Chalet wird es alle Variationen von Fondue, sowie Gerichte vom heißen Stein geben. Auch frische Weine und Cocktails werden zum Angebot gehören.

Schräg gegenüber saniert die Stäwog derzeit das alte Cario-Haus, die „Bürger 216“. Hier entstehen für rund 2,3 Millionen Euro sechzehn neue Wohnungen. Das Gebäude wird dabei um zwei weitere Etagen aufgestockt und erhält zusätzlich einen abschließbaren Garagenhof. Laut Stäwog-Chef Christian Bruns gibt es bereits jetzt eine Warteliste für die 40 bis 90 Quadratmeter großen Wohnungen. Das es ab der 3. Etage einen unverbaubaren Blick auf die Weser gibt, schadet der Vermarktung der Immobilie sicherlich nicht. Auch das alteingesessene Fotogeschäft Cario wird nach der Fertigstellung wieder in das Erdgeschoss des Gebäudes einziehen. Derzeit befindet es sich übergangsweise ein paar Häuser weiter südlich.

Im Haus mit der Nummer 194 haben sich die Modedesignerin Alexandra Reischuck-Lilienthal und die Keramikkünstlerin Angela Färber zu einem Gemeinschaftsprojekt zusammengetan. In der „Werkstatt-Gemeinschaft 194“ gehen die kreativen Frauen, in einem kombinierten Werkstatt- und Ausstellungsraum, ihren Tätigkeiten nach. Beide hatten unabhängig voneinander Atelier-Räumlichkeiten in der Alten Bürger gesucht – gerne auch als Mitmieterin. Quartiersmeister Rilke brachte sie kurzerhand zusammen und somit zog neues Leben in das Ladenlokal ein, in dem früher ein Sportbekleidungsgeschäft untergebracht war.

In diesem Jahr stehen laut Rillke noch einige spannende Veranstaltungen auf der Agenda des Quartiers. Am 4. Oktober ziehen Studenten beim „Bürgermove“ mit einem „Musiktruck“ von der Großen Kirche in Richtung Alte Bürger. Am 27. Oktober gibt es wieder eine „Lange Band Nacht“ mit abwechslungsreichem musikalischen Programm. Außerdem ist mit einsetzen der dunklen Jahreszeit erneut eine Lichtinstallation auf der Bürger geplant. Jens Rillke hat also guten Grund, sich über den Wandel auf der „Meile“ zu freuen.   Marco Butzkus

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