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Neue Facebook-Gruppe „boomt“: Du kommst aus Bremerhaven, wenn…

17.07.2012

Ein Blick auf die alte Innenstadt mit Stadtbad und Theaterplatz.
Das Phänomen Facebook greift um sich. Jeden Tag gründen sich neue Gruppen und Grüppchen. Menschen teilen in virtuellen Clubzimmern gemeinsame Interessen, Vorlieben oder auch Erinnerungen – so wie in der neuen  Facebook-Gruppe „Du kommst aus Bremerhaven, wenn…!, die innerhalb von nicht mal drei Wochen zu einem echten Mitglieder-Magneten geworden ist. Mehr als 15000 Menschen teilen hier inzwischen ihr ganz spezielles Lokalkolorit miteinander – eben typisch „Bremerhavenerisch“. Horst–Dieter Brinkmann, vielen bestens als Gitarrist der bekannten Bremerhavener Oldie-Band Black Beats bekannt, hat sich für uns in der neuen Facebook-Gruppe umgesehen.

Wenn man sich heute auf eine Zeitreise begeben will, benötigt man dazu keine Zeitmaschine des H.G. Wells, sondern einen Internetanschluss, eine gute Suchmaschine und Facebook. Hinter dem Namen der Gruppe: „Du kommst aus Bremerhaven, wenn… “ verbirgt sich eine Internetseite, die sich mit Bremerhavener Eigenheiten, mit kleinen persönlichen Geschichten der Nutzer und einer Menge Erinnerungen an die Stadt beschäftigt. Hier äußern sich Bremerhavener, die ihrer Stadt schon lange den Rücken gekehrt haben, genauso wie diejenigen, die hier einfach nicht weg wollen - Der guten Luft, der Menschen, vor allem ihrer Heimatstadt wegen.

Ich wollte Dinge aufspüren, die in meiner Erinnerung schon lange verblasst, wenn nicht sogar gelöscht waren. Orte meiner Kindheit, Bilder von Plätzen, die so voller Erinnerung waren, dass ein Gedanke daran ein seliges Lächeln auf die Mundwinkel zaubert. Die Gruppe „Du kommst aus Bremerhaven, wenn…“ ist genau das! Ein Archiv für meinen Vorsatz. Offenbar gab es viele wie mich: Tausende von Menschen füllen hier eine ganze Collage von Bildern, Gedanken und Erlebnissen zu meiner Heimatstadt. Das erste tolle Erlebnis in dieser Gruppe war, dass die Bremerhavener ihre Stadt in einem deutlich positiveren Licht sehen, als sonst allgemein von ihnen behauptet wird. „Du kommst aus Bremerhaven, wenn… …Du oft von früher sprichst.“ Dieser Ausspruch klingt mir immer noch in den Ohren, weil ich ihn des Öfteren von ehemaligen Kollegen gehört habe. Keine dieser Floskeln findet man auf dieser Seite und so habe ich mich in meine Zeitmaschine gesetzt und bin zurück in die Vergangenheit gereist.

Mein erster Stopp ist ein Bild, auf dem ein weißhaariger Motorradfahrer abgebildet ist: „Wolf von der Mosel“. Von vielen zu seinen Lebzeiten als schrullig, und als Eigenbrödler verschrien, brachte mich dieses Bild sofort zu einer fast vergessenen Begegnung mit dem Maler, Bildhauer, Schriftsteller und Fahrer einer Moto Guzzi. Vor allem als Letzteres war er mir in meiner aktiven Zeit als „weiße Maus“, bei der Verkehrspolizei, aufgefallen. Als nämlich die Helmpflicht für Motorradfahrer eingeführt wurde, weigerte er sich beharrlich einen solchen zu tragen. “Meine Haare liegen dann nicht mehr“ hat er mir mal gesagt und nach einem eingehenden, intellektuellen Gespräch hatte er mich dann überzeugt, dass er zu den Wenigen gehört, die wegen ihres künstlerischen Erscheinungsbildes keinen Helm tragen müssen. Ein Kunstwerk eben.

Viele Bremerhavener glauben auch heute noch, dass damals der Weihnachtsmann persönlich auf der Moto Guzzi durch Bremerhaven geknattert ist. „Wolf von der Mosel“ hatte eben genau wie seine Bremerhavener Mitbürger eine eigene Sicht auf die Dinge von Bedeutung.

Von den Bremerhavenern selbst wird ja auch behauptet, dass sie eine ganz eigene Sprache benutzen. Eine Art „Slang“, der den meisten Einheimischen und auch mir gar nicht mehr so richtig bewusst ist. An einer weiteren „Haltestelle“ meiner Zeitmaschine wurde mir deutlich, dass auch ich diesen Slang tagtäglich verwende. „Ich geh‘ umme egge“, oder sage: „gib mich mal ein Glas Meech“. Mit einem Lächeln im Gesicht und ein bisschen Stolz in der Brust wird man sich bewusst, dass man dazugehört – Bremerhavener ist. So viele Kleinigkeiten wie der Ami-Markt, der Bäcker Manshusen in Wulsdorf, der so leckere Rumkugeln hatte, Erinnerungen an „Seebeck am Markt“, an die „Freddie Boys“ oder an die pikanten Erlebnisse in Bremerhavener Kneipen und den schmerzhaften Folgen am nächsten Tag. Wann immer ich anhielt, um an einem Bild oder einem Ausspruch zu verweilen, erwachte eine weitere Erinnerung.

Von vielem wusste ich gar nicht, dass es sie je gegeben hat. „Wie sah Bremerhaven vor- und nach dem 2. Weltkrieg aus?“ Ganz persönliche Erinnerungen an den Kult-Imbiss „Stehr“ am Hauptbahnhof, in dem so legendäre Aussprüche getätigt wurden wie: „Eine Tüdde, Bidde“ oder „einmal Pommes ohne und ein warm‘ Bauch“. Die Granatfrau unter den Sparkassenarkaden oder den Eismann, der mit dem Fahrrad durch Grünhöfer Straßen gefahren ist.

Ich rase also mit meiner Zeitmaschine durch die Erinnerungen der Nachkriegsjahre und stelle fest, dass ich mehr als 15000 Mitfahrer habe. Mitfahrer, die ebenfalls nicht von dieser Seite loskommen -„Du bist aus Bremerhavener, wenn...“. Und auch nicht von den vielen Plätzen, Gebäuden und Orten, die es in Bremerhaven längst nicht mehr gibt. Wohl aber in den Herzen und den Erinnerungen der Bremerhavener.    Horst-Dieter Brinkmann

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