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Mit Aerosol gegen die Seuche: Gutenbergschüler „malen“ Graffiti für die Kindernothilfe

19.10.2012

Die Klasse Gy9b der Johann-Gutenberg-Schule vor ihrem Werk in der "Bürger".
Ein Hauch von Aerosol liegt in der Luft. An dem Pavillon vor der Großen Kirche wird gesprüht was das Zeug hält. Der schlaksige junge Mann mit Kapuzenshirt und Hornbrille setzt hier und da seine „Can“(Dose) an und zieht geschickte „lines“ (Linien). Aus dem Handgelenk zaubert er Funkeln und Glanz in das Sprühbild, das soeben unter seiner Anleitung entstanden ist. Der Mann heißt Aleks von Sputto, ist 30 Jahre alt und verdient mit dem künstlerischen Umgang mit Sprühdosen sein Geld. Das er in Bremerhaven ist, verdankt er den Schülerinnen und Schülern der Klasse Gy9b der Johann-Gutenberg-Schule. Diese hatte nämlich einen Workshop mit dem angesagten Sprühkünstler gewonnen. Der Preis wurde ihnen seinerzeit von keinem geringeren als dem Bundespräsidenten Joachim Gauck überreicht.

Wie setzt man einen Sonderpreis in Form eines Graffiti-Workshops möglichst sinnvoll ein? Vor dieser Frage stand die Klasse in den vergangenen Wochen. Die Antwort: Möglichst publikumswirksam und verbunden mit einem Thema, das alle angeht. Die Wahl fiel auf die Immunschwächeerkrankung HIV, die im ausgebrochenen Stadium als AIDS bekannt ist. Noch immer infizieren sich jährlich rund 2,5 Millionen Menschen mit HIV, fast noch mal so viele sterben jedes Jahr an AIDS. Für die engagierten Jugendlichen der Bremerhavener Schule ist das als Grund völlig ausreichend, um ihren Preis dafür zu verwenden, den Finger in die Wunde zu legen und AIDS wieder in das Bewusstsein der Menschen zu rufen.

Unter der Anleitung des angesagten Graffitikünstlers externer Link:  Aleks van Sputto kreierten die Schüler ein 2 x 5 Meter großes Sprühbild zum Thema HIV/AIDS – mitten im Stadtzentrum. „Graffiti ist ein Riesenthema für Jugendliche“, sagt van Sputto, der seit seinem 14. Lebensjahr mit der Sprühdose unterwegs ist. „Außerdem erregt es unheimlich die Aufmerksamkeit der umherlaufenden Menschen in der Fußgängerzone“. Die Meisten bleiben in der Tat stehen und wollen sehen, was da entsteht. Diese Aufmerksamkeit wird von den Pennälern geschickt genutzt, um ihnen eine Unterschrift für einen gemeinsamen Antrag der Kindernothilfe und dem Aktionsbündnis zu sammeln.

Sibylle Groß, die ihre Schützlinge von Beginn des Projektes an nach Kräften unterstützt und motiviert, freut sich sehr über das tolle Engagement der Teenager zu dem Thema. „Die Gefahr von HIV und AIDS ist leider nicht mehr so präsent in den Köpfen von Jugendlichen wie sie es in den 1980er und 90er Jahren war, damals war AIDS-Aufklärung allgegenwärtig“. Es sei aus Sicht der Lehrerin sehr wichtig, dass junge Menschen sich jederzeit darüber bewusst sind, dass diese Krankheit noch immer eine reale Gefahr ist, für die es keine Heilung gibt. Vor allem aber, dass man sich vor der Ansteckung gut schützen kann. Auch dafür steht das fertige Sprühbild, das zukünftig einen Platz in der Johann-Gutenberg-Schule finden wird.

Nach knapp drei Stunden ist das Werk vollendet. Rund 20 Sprühdosen haben ihren leuchtend bunten Inhalt auf der Leinwand hinterlassen. Julia Krohn und Davia Folkens - beide 14 - sind mit dem Werk sehr zufrieden. „Zusammen gegen Aids“ steht auf der einen Leinwand, mittendrin unverkennbar ein blauer Erdball, auf dem der afrikanische Kontinent sehr gut zu erkennen ist. Auch Lennart Wallrich, der die Kindernothilfe vor Ort vertritt, zeigt sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis: „Rund 200 Unterschriften für die gemeinsame Aktion mit dem Aktionsbündnis gegen Aids sind in nur drei Stunden zusammengekommen“, sagt er stolz. Für Aleks von Sputto ist dies bereits die 20. Arbeit, die er zusammen mit der Kindernothilfe gemacht hat. Vor zwei Jahren bekam er dafür sogar eine Ehrung vom damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. „Als Jugendlicher musste ich mal meine halbe Schule in Düsseldorf renovieren, weil ich dort beim illegalen Sprühen erwischt wurde. Damals hätte ich mir kaum vorstellen können, dass mir später einmal der Bundespräsident für mein Graffiti die Hand schüttelt“, sagt er mit einem Lachen.   Marco Butzkus


Zur Information:


Noch immer sterben jährlich rund 2 Millionen Menschen an AIDS – ein Heilmittel dagegen gibt es bis heute nicht. Besonders schlimm wütet die Krankheit auf dem afrikanischen Kontinent, hier liegt die Rate der HIV-Infizierten Menschen bei bis zu 20 Prozent! Die meisten HIV-Übertragungen finden dort im Mutterleib statt. Ein Umstand jedoch, der so nicht sein müsste. Durch den Einsatz eines Medikamentes kann die Infektion bei schwangeren Frauen auf das ungeborene Kind fast ausgeschlossen werden.

Für die Kindernothilfe ist das eine reale Chance diese Krankheit aus der Welt zu bekommen. Dafür wird allerdings viel Geld benötigt. Der Schutz vor HIV basiert nämlich nicht nur auf Medikamenten bei Infizierten. Auch Bildung und vor allem Schutzmittel wie Kondome sind dafür dringend notwendig. Die Bundesregierung hat sich mit 200 Millionen Euro jährlich an dem Globalen Nothilfe Fond zur Eindämmung von Seuchenerkrankungen beteiligt. Laut Frank Mischo von der externer Link:  Kindernothilfe müsste dieser Betrag allerdings verdoppelt werden, um die erklärten und vereinbarten Ziele zu erreichen. Zusammen mit dem externer Link:  Aktionsbündnis gegen AIDS kämpft seine Organisation derzeit dafür, dass die Bundesregierung dementsprechend handelt.

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