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Seestadt Bremerhaven
     
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Klein, aber fein: "piccolo teatro" beliebte Attraktion auf der Alten Bürger

05.10.2012

Neuanfang mit 59 Jahren als Theatergründer: Regisseur und Schauspieler Roberto Widmer in seinem piccolo teatro. Fotos (2): Wilfried Moritz
Mit Ende 50 ist er beruflich noch einmal volles Risiko gegangen: Schauspieler Roberto Widmer kratzte seine Ersparnisse zusammen, um seinen Traum von einem eigenen Theater wahrzumachen. Im Mai 2011 startete er in der Alten Bürger 200 sein kleines, aber feines "piccolo teatro". Eineinhalb Jahre später, zu Beginn der Spielzeit 2012/2013, zieht der 60-Jährige ein wenig ernüchtert Bilanz: "Ich wollte ein breites Angebot auf die Bühne bringen, musste aber einsehen, dass vor allem komödiantische Kost gefragt ist." Deshalb stand er sogar kurz vor der Pleite. Doch es ist noch einmal gut gegangen.

Mit dem Auftakterfolg "Achterbahn”, einer vielgelobten Zwei-Personen-Komödie mit ihm selbst in der männlichen Hauptrolle, hat der Intendant, Regisseur und Schauspieler Mitte September seine zweite volle Saison eingeläutet. Nach den Erfahrungen der ersten 17 Monate ist er sicher, dass sich das "piccolo teatro", eines der kleinsten Zimmertheater Deutschlands mit gerade einmal 45 Plätzen, trotz aller Widrigkeiten einen festen Platz in der Bremerhavener Kulturszene erobert hat. Widmer: "Der tolle Start mit 'Achterbahn' gibt mir viel Mut zum Weitermachen."

Wie eine Achterbahn musste ihm auch die erste Spielzeit vorkommen, in der er mit zehn Aufführungen die Gratwanderung zwischen Anspruch und Unterhaltung wagte. Die klappte zwar zumeist, etwa in dem Erfolgsstück "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" mit Michael Schories in der Titelrolle, das allein rund 1000 Besucherinnen und Besucher anlockte. Auch die Monologabende mit Heike Eulitz sorgten für ausverkaufte Zuschauerreihen.

Doch der "teatro"-Chef macht keinen Hehl daraus, dass es auch Flops gab, die ihn beinahe ruiniert hätten. Als Mini-Privattheater ohne den finanziellen Hintergrund eines hochsubventionierten Stadttheaters konnte er es sich nicht leisten, dass bei einem Problemstück wie "Ich, Feuerbach" von Tankred Dorst viele Plätze leer blieben. Und nach einem "hervorragenden Verlauf bis Ende 2011" kam für Widmer Anfang 2012 ein unerwarteter Einbruch. "Ich musste seit langem vereinbarte Tourneeverpflichtungen in anderen Städten eingehen und daher Produktionen meines eigenen Theaters abgeben", begründet er die Krise. "Da konnte ich mich nicht ausreichend um mein Haus kümmern." Die auswärtigen Gastspiele braucht er zum Geldverdienen, um überhaupt mit seinem "piccolo teatro" überleben zu können.

Während seiner Abwesenheit kamen dort an manchen Tagen nur eine Handvoll Zuschauer. Doch die Aufführungen gingen dennoch programmgemäß über die Bühne, sogar mal vor nur drei Besuchern. Kein Wunder, dass Widmer nach eigenem Bekunden "kurz vor dem Exitus" stand, vor dem ihn dann nicht zuletzt sein Schauspieler-Kollege und Freund Guido Fuchs mit "Allein in der Sauna" bewahrte: Das Stück lief knapp 50 Mal vor ausverkauftem Haus. Der Neu-Intendant und seine paar Mitstreiter, die ihn bei Technik, Bühnenbild und Kartenverkauf unterstützen , kamen mit einem blauen Auge davon.

Über das finanzielle Risiko war sich der Schauspieler bewusst, als er 2008 beim Stadttheater nach sechs Jahren als Ensemblemitglied aus Unzufriedenheit über seine künstlerische Situation ausstieg und einen Neuanfang wagte. Widmer: "Zunächst wollte ich eine Produktionsgesellschaft gründen, doch das erwies sich als zu schwierig." Da kam ihm die Idee, ein eigenes Theater zu eröffnen. Mehr oder weniger als Ein-Mann-Betrieb, denn in seinem "picccolo teatro" kümmert sich der Intendant notfalls auch um die Sauberkeit des Bürgersteigs vor dem Eingang.

Gemeinsam mit der Städtischen Wohnungsgesellschaft (Stäwog) als Vermieterin fand er den idealen Standort für sein Theater: "Bürger" 200. Mitten auf der Alten Bürger in einem leerstehenden Geschäft, in dem einst das Kult-Lokal "Frosch" die Kneipengänger anzog. Beim Umbau zu einem Zimmertheater halfen Widmer Freunde und Kollegen, und als schließlich der kleine Zuschauerraum ausstaffiert werden musste, machte er sich im Internet auf die Suche nach preiswerten Stühlen. Die stöberte er über eBay in einer Kirchengemeinde in Essen auf, die ihm 45 Sitzgelegenheiten für nur 90 Euro überließ. Die Damen des Deutschen Hausfrauenbundes Bremerhaven imponierte der Einfallsreichtum des Theatergründers so sehr, dass sie ihm die roten Kissen für die Stühle spendierten.

An Zustimmung für das Projekt mangelt es ohnehin nicht, für das zahlreiche Stammgäste bereitwillig Reklame machen. Da sich Widmer große Sprünge für Eigenwerbung nicht leisten kann, ist er auf Mund-zu-Mund-Propaganda angewiesen. Auch die Geschäftsleute und Kneipenbesitzer der Alten Bürger sind von der neuen Kulturattraktion in ihrer Straße angetan und hoffen, dass sie sich auf Dauer etabliert. "Das piccolo teatro", freut sich Jens Rillke, Quartiermeister der Szenemeile, "passt hervorragend hierher. Es ist nicht nur eine Bereicherung für die Alte Bürger, sondern für das Kulturleben der ganzen Stadt."   Wilfried Moritz

Weitere Informationen: externer Link:  www.haventheater.de

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