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Seestadt Bremerhaven
     
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Im neuen Tidepolder auf der Luneplate regieren jetzt Ebbe und Flut

31.10.2012

Große Schwärme von Nonnengänsen finden hier einen Rastplatz; Foto: bremenports
Hafensenator Günthner: Ausgleichsmaßnahmen auf der Luneplate setzen ökologische Maßstäbe – Hafengesellschaft bremenports schafft hochwertige Lebens- und Rückzugsräume für Flora und Fauna

Früher stand die Luneplate am südlichen Rand von Bremerhaven ganz im Zeichen intensiv betriebener Landwirtschaft. Seit einigen Jahren wandelt sich das Bild: „Hier ist ein großes zusammenhängendes Kompensationsgebiet für den Hafenbau entstanden, das ökologische Maßstäbe setzt“, sagte Bremens Hafensenator Martin Günthner am Freitag (5. Oktober 2012). Auf der Luneplate ließ er sich von bremenports-Geschäftsführer Robert Howe unter anderem über den neu entstandenen Tidepolder informieren. Vor wenigen Tagen hatte die Hafengesellschaft die künstlichen Wasserläufe im Polder zum ersten Mal dem Rhythmus von Ebbe und Flut ausgesetzt.

Die Umweltschutzgesetzgebung verpflichtet die Bauherren von Hafenprojekten nach deutschem und europäischem Recht zu einem angemessenen Ausgleich der Eingriffe in den Naturhaushalt. Schon in den 90-er Jahren wurden auf der Luneplate erste Kompensationsmaßnahmen für den Hafenbau umgesetzt. Im Außendeichsgelände entstand auf der Tegeler Plate eine weitläufige Ausgleichsfläche. Dort wurden die Eingriffe in den Naturhaushalt kompensiert, die mit dem Bau von Container-Terminal (CT) 3 verbunden waren.

In den vergangenen Jahren wurden die Baumaßnahmen auf der Luneplate dann erheblich ausgeweitet. Hier findet der ökologische Ausgleich für diverse Bremerhavener Investitionsprojekte statt, zum Beispiel für mehrere Ausbaustufen des Container-Terminals einschließlich der jüngsten Norderweiterung CT 4.

„Allein beim Bau von Container-Terminal 4 wurden mehr als 100 Hektar ökologisch wertvolle Fläche am Weserufer überbaut“, sagte Günthner. „Die Umweltplaner von bremenports haben die Luneplate neu gestalten lassen – ohne diese Maßnahmen hätte es keine Baugenehmigung (Planfeststellungsbeschluss) für die Erweiterung des Containerhafens gegeben.“

Polder als Herzstück einer neuen Ökolandschaft

Herzstück der neuen Ökolandschaft ist der Tidepolder im Süden der Luneplate. Er ist etwa 220 Hektar groß. „Die Bagger haben hier ein verästeltes System großer und kleiner Priele in das Erdreich gegraben“, erläuterte bremenports-Geschäftsführer Howe.

Seit einigen Tagen fließt das Brackwasser der Weser jetzt zweimal am Tag durch die Tore eines neuen Sturmflutsperrwerks in die Priele hinein bzw. wieder hinaus. Howe: „Mit jeder Tide verteilen sich mehr als eine Million Kubikmeter Wasser im Polder.“

Am Rande der neu entstandenen Tidegewässer im Polder werden sich ausgedehnte Wattflächen und salzbeeinflusste Röhrichtgebiete entwickeln. Senator Günthner: „Damit schaffen wir neue Lebens- und Rückzugsräume für diverse, oft seltene Arten, zum Beispiel für die Rohrweihe und den Säbelschnäbler.“

Sperrwerk schützt Hinterland vor Hochwasser

Das Sturmflutsperrwerk schafft einen Durchlass im Weserdeich, der aus zwei jeweils 13 Meter breiten Kammern besteht. Die Sicherheit vor Hochwasser und Sturmfluten war für die Planer entscheidend. „Wenn der Wasserspiegel zu stark steigt, werden die Tore des Sturmflutsperrwerks geschlossen“, sagte Howe. Der maximal zugelassene Wasserstand im Polder beträgt 2,50 Meter über Normalnull. Für zusätzliche Sicherheit sorgt ein Wall, der den gesamten Tidepolder umschließt.

Im Hinterland wurde außerdem ein Tideschöpfwerk gebaut. Es regelt die Be- und Entwässerung eines etwa 30 Quadratkilometer großen Gebiets im Rückraum des Tidepolders.

Aus Acker- und Weideflächen wurde neues Feuchtgrünland

Hohe ökologische Standards werden auch bei den Ausgleichsmaßnahmen auf der zweiten großen Teilfläche der Ökolandschaft Luneplate angelegt. Nördlich des Tidepolders dehnt sich ein 290 Hektar großes Gebiet aus, das früher als Acker- und Weideland genutzt wurde. Hier wurde weitläufiges Feuchtgrünland entwickelt. Die Arbeiter erweiterten die Gräben; neue Wasserflächen entstanden.

Heute regeln Windschöpf- und Stauanlagen den Wasserstand in diesem Grünland-Graben-Gebiet. Die Flächen bieten einen Lebensraum für zahllose Brut-, Rast- und Zugvögel, zum Beispiel für Kiebitze, Rotschenkel und große Schwärme von Nonnengänsen. Bei einer Zählung wurden an einem Tag etwa 17.000 Nonnengänse registriert.

Der Bau von Tidepolder, Sturmflutsperrwerk, Tideschöpfwerk und Grünland-Graben-Gebiet ist mit Kosten von knapp 30 Millionen Euro verbunden. „Die ökologischen Projekte auf der Luneplate sind notwendig und sinnvoll, sagte Senator Günthner. „Sie schaffen die Voraussetzung für die Hafenbauprojekte und geben der Natur zurück, was wir ihr beim Terminal-Bau nehmen mussten.“

Auf der Luneplate werden außerdem einige kleinere Umwelt- und Kompensationsmaßnahmen umgesetzt. Dazu gehört das Wasserbüffel-Projekt von bremenports. Die Hafengesellschaft besitzt derzeit 16 Wasserbüffel, unter ihnen den 800 Kilogramm schweren Bullen Valentino und drei Kälber. Die Tiere können das ganze Jahr draußen leben. Sie halten den Bewuchs auf einer 40 Hektar großen Weide kurz. Davon profitieren diverse Vogelarten. Dem gleichen Zweck dienen die etwa 30 Galloway-Rinder, die ein Landwirt im Auftrag von bremenports im Außendeichsgelände der Luneplate grasen lässt.

Binnendeichs haben die Planer an der Alten Weser außerdem eine 120 Hektar große Auenlandschaft mit Gehölzen, Röhrichten und Grünlandflächen entwickelt. Hier sollen die Lebensbedingungen für Eisvogel, Rohrweihe und andere Arten verbessert werden.

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