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Seestadt Bremerhaven
     
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„Hörbare“ Menschlichkeit: Dean Collins begeistert mit Konzert im „Lebenslust“

12.09.2012

Dean Collins im Lebenslust
Der Bremerhavener Musiker Dean Collins ist immer für eine Überraschung gut. Nicht umsonst lautet sein Motto: „Ihr könnt mich ruhig in eine Schublade stecken – wenn sie nur groß genug ist“. Dass sich dahinter mehr als nur eine leere Phrase verbirgt, bewies Collins am Dienstagabend einmal mehr. Mitsamt seiner Band und 13-köpfigem Chor verwandelte er die voll besetzte „Lebenslust“ in der Theo in einen Ort, der dem Namen mehr als gerecht wurde. In seinem Konzert „9 /11 – Lieder der Menschlichkeit“, gelang es ihm, die grundlegendsten menschlichen Emotionen mit einem Abend voller hörbarer Gedanken zu verbinden.

Dezentes Licht in warmen Farbtönen fließt stimmungsvoll in den gut gefüllten Raum. Was mag sich hinter einem Konzert verbergen, das eine der größten menschgemachten Tragödien des neuen Jahrtausends als Grundlage für Menschlichkeit heranzieht? Diese Frage schwebte förmlich greifbar über den Köpfen der mehr als 100 Besucher, die sich an diesem Abend nach Lehe in die Bremerhavener Altstadt aufgemacht hatten. Bei leichtem Essen, frischen Weinen und in stilvoller Atmosphäre, erwarteten die Gäste eine Antwort auf genau diese Frage. Die kam - und war alles andere als enttäuschend.

Um kurz nach 20 Uhr tritt Collins in Anzugweste und mit renaissanceträchtigem Oberlippenbart vor das Publikum. In seiner ganz eigenen Art erörtert er kurz, dass nicht nur das Datum, die Musik und die Location an diesem Abend etwas Besonderes seien. Auch die Idee zur Erhebung eines Eintritts auf freiwilliger Basis habe einen besonderen Charakter. Jeder Gast kann somit für sich selbst entscheiden, wie viel ihm das Konzert am Ende des Abends wert ist. Collins lässt dabei jedoch keinen Moment lang einen Zweifel daran aufkommen, dass Musiker von ihrem Beruf leben. Es läge nun in der Hand der Zuschauer, wie verantwortlich sie mit ihrer „Macht“ umgingen. „Sie sind jetzt die Kulturschaffenden. Sie entscheiden, ob meine Kollegen und ich morgen etwas zu essen haben. Wenn wir verhungern, kommen wir nicht wieder“, so Collins mit einem Lächeln. Als Veranschaulichung stellte er eine Beispielrechnung auf: „Wenn Ihr einen Euro in die Box legt, gucken wir traurig. Bei zehn Euro lächeln wir und ab 20 Euro erfüllen wir Musikwünsche“. Ein lachendes Publikum signalisierte die offensichtliche die Akzeptanz des Modells.

Für die folgende musikalische Eröffnung des Abends holt Collins dann den Gospelchor „Glad(e)makers“ auf die Bühne. Deren Namen, wie er selber zugibt, er immer falsch ausspricht „Ohne das „e“, also Gladmakers ist richtig“ unterstreicht er noch einmal deutlich. Der weitere Abend zeigt allerdings, dass der 38-jährige Musiker dies konsequenterweise weiterhin falsch macht. Der Chor um Vivian Glade hingegen sorgt mit seinen spirituellen Songs zur Eröffnung für genau die richtige Portion „Erdung“, zur Themeneinstimmung. Spontanes Mitklatschen zeugt von aufsteigender Begeisterung in der Lebenslust.

Nach einer ganz kurzen Umbaupause legt die Dean-Collins-Band in klassischer 4-er Besetzung (Gitarre, Bass, Schlagzeug und Keybords) los. Mit „Everything happens for a reason“ stellt der Frontmann druckvoll seinen Umgang mit sich ändernden Lebenssituationen dar. Das darauf folgende „Something“ ist musikalisch eine Art Hommage an den lebensbejahenden Geist des 80er Jahre Mainsteam-Rock. Songs über Leben, Liebe, Ängste, Zusammenhalt und Hoffnung bilden einen sich langsam aufschaukelnden Wellengang, der sich am Ende des ersten Sets mit der Hymne „Take me Home“ entlädt. Collins sorgt dabei, erneut stimmkräftig durch die „Glademakers“ unterstützt, für pures Gänsehautfeeling im Publikum.

Nach einer knapp 20-minütigen Pause eröffnet Dean dann den eigentlichen Höhepunkt des Abends. Eine Auswahl von Bruce Springsteen Titeln, die sich mit der Aufarbeitung des 11. September 2001 beschäftigen. Der „Boss“ hatte die Songs 2002 in dem Album „The rising“ zusammengefasst. Collins stellt eingehend noch einmal klar, dass es an diesem Abend aus seiner Sicht nicht um die Zuweisung von Schuld oder die Verurteilung irgendwelcher Religionen geht. „Der 11. September 2001 hat unzählige Opfer gefordert. Und zwar vor, während und nach den Anschlägen auf die Türme des World Trade Centers. Einem alleine dafür die Schuld zuzuweisen wäre zu einfach“. Bereits im Opener „the rising“ finden einige Passagen beherzten Zuspruch, der durch deutliches Mitsingen zu erkennen ist. Wenn in „worlds apart“ von dem Glauben, der sich in einem Kuss verbirgt oder dem Trost im Herzen gesungen wird, blicken Pärchen eng umschlungen zur Bühne. Jeder Besucher im Raum fühlt die Gegensätzlichkeit von Hoffnung und Wirklichkeit, die sich im Leben verbirgt. Die Dean-Collins-Band schafft es, immer wieder unterstützt durch die „Glademakers“, eigene Interpretationen der großartigen Rocksongs stimmungsvoll vorzutragen. Der Song „into the fire“ macht allen Zuhörern bewusst, was wirkliche Menschlichkeit in ihrer vollen Konsequenz bedeutet. Er handelt von den Feuerwehrleuten, die am 11.9. in vollem Bewusstsein ihres drohenden Todes in die Zwillingstürme des einstürzenden World-Trade-Centers liefen, um andere Menschen zu retten.

Nach gut zwei Stunden Programm nutzten einige Zuschauer das eingehend gemachte Eröffnungsangebot und kauften sich 20-Euro-Weise Zugaben. Musiker wie auch Veranstalter zeigten sich nach dem Konzert sehr positiv gestimmt. „Der Bedarf bei den Menschen ist offensichtlich da. Ich denke, dass wir auf einem richtigen Weg sind“, so Luka, nach dem die letzten Töne verklungen sind. Und auch Collins sieht in der neuen Location noch reichlich Luft nach oben. Luka beabsichtigt zunächst in 14-tägigem Abstand immer am Dienstagabend, Bands in der Lebenslust auftreten zu lassen. Zum nächsten Termin am 25. September gibt es Blues mit den „Delta Crabs“.   Marco Butzkus

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