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High-Tech -Tonnenleger für Bremerhaven: „Nordergründe“ ab November im Einsatz

23.08.2012

Der neue Tonnenleger "Nordergründe" Foto:WSA
Das Wasser- und Schifffahrtsamt Bremerhaven (WSA) bekommt für rund 15 Millionen Euro ein neues Arbeitsschiff. Der 43 Meter lange hochmoderne Tonnenleger „Nordergründe“ ersetzt gleich drei ausgemusterte Schiffe des WSA. Taufpatin der neuesten Errungenschaft in der WSA-Flotte ist Heike Grantz, die Frau des Bremerhavener Oberbürgermeisters. Getauft wird die „Nordergründe“ am kommenden Mittwoch, 29. August, auf der Fassmer-Werft in Berne.

Fast 500 schwimmende Seezeichen gibt es zwischen dem Bremer Europahafen und der Nordsee entlang der Unter- und Außenweser – viel Arbeit für die „Nordergründe“ und ihre Mannschaft. „Jede einzelne Tonne muss standardgemäß einmal pro Jahr überprüft werden“, sagt Werner Kinkartz, Leiter des Bremerhavener Wasser- und Schifffahrtsamtes. Dafür wird das bis zu 6000 kg  Seezeichen mit einem Kran, der sich an Bord des Schiffes befindet, aus dem Wasser gehoben, überprüft und mit einem 300-Bar-Hochdruckstrahler gereinigt.  „Das ist besonders wegen der Seepocken und der Muscheln nötig, die sich auf der Tonne ansiedeln“, sagt Kinkartz. „Wenn zu viel Bewuchs auf den Tonnen ist und sie zu schwer werden, besteht die Gefahr, dass sie sinken.“

Bei ihren zukünftigen Einsätzen auf der Weser hat die „Nordergründe“ es täglich mit beachtlichen Maßen wie bis zu 120 Meter langen Befestigungsketten oder rund 5000 Kilogramm schweren Ankersteinen zu tun. Etwa alle sechs Jahre geht es für jede Tonne an Land . Sie wird dann auf dem Tonnenhof an der Geeste abgestrahlt, mit neuem Korrosionsschutz versehen und neu bemalt. Die Wartungsintervalle jeder einzelnen Tonne im Revier des WSA-Bremerhaven werden von einem speziellen Computerprogramm berechnet.

Für den neuen Tonnenleger „Nordergründe“  kommt zur eigentlichen Hauptaufgabe - dem Setzen, Bergen und Warten von schwimmenden Seezeichen - auch eine neue Aufgabe dazu. Er wird ebenfalls für die Schiffsbrandbekämpfung auf der Außenweser von Bremerhaven bis zur Deutschen Bucht zuständig sein. Zu Notsituationen kommt es manchmal auch mit den Tonnen auf der Weser. „Im Schnitt haben wir jährlich drei bis vier Kollisionen von Schiffen mit schwimmenden Seezeichen“, sagt Werner Kinkartz. Trotz aller Sorgfalt komme es auch vor, das Tonnen sich losrissen  oder „wanderten“. Die passiere meistens durch Schiffe, die sich sich mit ihren Ruderanlagen in den Ketten der Tonnen verhaken, oder im Winter auch mal durch Eisgang. „Bei größeren Schiffen sind es in der Regel die Tonnen, die den größeren Schaden davon tragen. Wenn ein kleines Sportboot hingegen mit einer Stahltonnen zusammenstößt, kann das auch Mal böse für das Boot ausgehen.“

Werner Kinkartz erinnert sich an ein Holzboot, das vor einigen Jahren auf der Außenweser nach einem solchen Unfall untergegangen ist. Die Besatzung konnte damals gerettet werden, aber das Boot leider nicht. Wenn Tonnen nicht durch Zusammenstöße mit Schiffen zerstört werden, halten sie rund 50 Jahre, bevor sie komplett außer Dienst gestellt werden müssen. Eine einzige Tonne kostet inklusive Kette, Ankerstein und Solaranlage bis zu 30.000 Euro.

Die Technik in den Seezeichen hat sich der Zeit angepasst. Früher wurde die Beleuchtung der Tonnen durch Propangas sichergestellt. „In den Tonnen waren Tanks für bis zu 300 Kilogramm Gas. Damit konnte die Beleuchtung bis zu einem Jahr lang brennen. Der Umgang mit den Tonnen bei der Neubefüllung auf See war wegen der Explosions- und Feuergefahr aber sehr anspruchsvoll“, erzählt Werner Kinkartz. Seit 2006 verfügen alle Tonnen des WSA-Bremerhaven über einen sogenannten Solarkompaktaufsatz. Er besteht aus Solarpaneelen und LED-Lampen. Die Lichtausbeute ist auf See tagsüber so hoch, dass die sparsamen Lampen durchweg ihr Lichtsignal halten können. Die nächste Generation der Tonnen wird auch nicht mehr aus Stahl sein, sondern aus Kunststoff – auf dem Tonnenhof stehen bereits die ersten Testkandidaten. Bei den Kunststofftonnen fallen sehr viele Wartungsarbeiten weg und beschädigte Teile können einfach ausgetauscht werden.

Nach weiteren Probefahrten und einigen Restarbeiten an Bord wird der neue Tonnenleger „Nordergründe“ ab November die „Bruno Illing" ersetzen, die 44 Jahre lang auf der Weser im Dienst war. Für Werner Kinkartz ein Grund zu Freude: „ Die Nordergründe hat eine Maschinenleistung von 2x 800 PS und ist damit deutlich stärker motorisiert als der Vorgänger. Gleichzeitig hat das Schiff wesentlich weniger Tiefgang und ist wendiger und vielseitiger einsetzbar.“

Der Name „Nordergründe“ wurde übrigens in einem internen Mitarbeiterwettbewerb des WSA-Bremerhaven gefunden. Daran hatten sich laut Kinkartz 25 Mitarbeiter beteiligt. Die Auswahl erfolgte dann über eine Jury bestehend aus Mitarbeitervertretung und Geschäftsführung. Die Nordergründe sind ein Seegebiet im Zufahrtsbereich der Weser. Es liegt zwischen dem Leuchtturm „Alte Weser“ und der Elbmündung und markiert gleichzeitig das nördlichste Einsatzgebiet des neuen Arbeitsschiffes.

Das Wasser- und Schifffahrtsamt Bremerhaven existiert bereits seit 1876 an der Geeste. Es wurde seiner Zeit als Tonnen- und Barkenamt durch die Freie Hansestadt Bremen, das Großherzogtum Oldenburg und das Königreich Preußen - vertreten durch die Provinz Hannover - gegründet. Am Giebel des alten Tonnenschuppens, der 1909 gebaut wurde, finden sich noch heute die Wappen der drei Gründungsträger. Heute ist das WSA eine Bau-, Ordnungs- und Verkehrsbehörde. Anders als das Tonnen- und Barkenamt seinerzeit, kümmert es sich nicht nur um die Seezeichen. Es leistet Verkehrsüberwachung, bietet Beratungen, erteilt Genehmigungen und bestückt Richtfeuerlinien mit allem, was notwendig ist, um sichere See-Verkehre im Revier zu gewährleisten.   Marco Butzkus

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Originaladresse des Artikels: http://www.bremerhaven.de/meer-erleben/stadtleben/high-tech-tonnenleger-fuer-bremerhaven-nordergruende-ab-november-im-einsatz.52127.html
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