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Seestadt Bremerhaven
     
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Forum Lokaljournalismus tagt in der Stadt: Spannende Themen und tolles Rahmenprogramm

03.04.2012

Phillip Ostrop von den Ruhr-Nachrichten, in einer lebhaften Diskussion.
Wenn sich rund 180 Chefredakteure aus ganz Deutschland in Bremerhaven treffen, um über die Zukunft des Lokaljournalismus zu diskutieren, ist das schon sehr bemerkenswert. Umso mehr, da die Stadt nach 2005 bereits zum 2. Mal die Kulisse für dieses mediale Großereignis ist. Ein Fazit des Forum Lokaljournalismus könnte sein, dass die Zukunft des Journalismus im Lokalen liegt. So brachte es Berthold Flöper vom Veranstalter, der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), in seinem Schlusswort auf den Punkt. Bremerhaven darf sich auf jeden Fall über 180 neue „Fans“ freuen, die mit einem Koffer voller guter Eindrücke wieder nach Hause gefahren sind – und weil sie Journalisten sind, werden sie diese sicherlich nicht für sich behalten.

Lokale Berichterstattung ist eine andere Umschreibung für das, was man in seiner Heimatzeitung sucht. Sinkende Verkaufszahlen für das gedruckte Papier sehen sich wachsender Nachfrage bei Onlinemedien gegenüber. Wie Verlage diese neue Situation – auch wirtschaftlich - bewältigen können, ist jedoch eine spannende Frage, der im Conference Center Bremerhaven eifrig nachgegangen wurde. Chefredakteure, Medienjournalisten und Experten haben sich drei Tage lang intensiv damit auseinander gesetzt, wie man sich dieser Herausforderung stellen kann.

Im Rahmenprogramm der Tagung stand ein Tourismusblock für zukünftige Werbeträger. Dazu gehörte eine Besichtigung bei der Windkraftbranche und eine Schiffstour entlang der Stromkaje - bei Windstärke 6 bis 7. Natürlich standen auch Besuche im Klimahaus und im Deutschen Auswandererhaus an. Im Letzteren sogar inklusive einer exklusive Baustellenführung durch den neuen, noch im Bau befindlichen Teil, der erst Ende April eröffnet wird.

Die Zukunftsfähigkeit von Printmedien war generell ein Schwerpunkt der Fachtagung. Der Stress der in Pressehäusern diesbezüglich herrscht ist enorm. Torry Pedersen, Herausgeber der Norwegischen Verdens Gang (VG) – zu vergleichen mit der BILDZEITUNG, stellte in einer rückblickenden 10-Jahres-Analyse seiner Zeitung erschreckende Zahlen dar:

Der Absatz bei Lesern der gedruckten Zeitung ist dort um 46% gefallen. Gleichzeitig jedoch hat die Anzahl der Onlineleser so stark zugenommen, dass es insgesamt eine Steigerung von 36% in der Leserschaft des Blattes gegeben habe. Die Analyse habe außerdem ergeben, dass Personen zwischen 16 und 39 Jahren weniger Print-, als Onlinemedien lesen. Bei den Lesern ab 40 sei dies umgekehrt, so Pedersen. Das Problem wachse jedoch mit. Die 39-Jährigen von heute sind die 40-Jährigen von morgen. Sie werden deswegen jedoch nicht plötzlich mit dem Lesen von gedruckten Zeitungen beginnen, nur weil sie 40 sind, zog der Verleger ein Fazit.

Daraus resultierten einige wichtige Fragen: Durchlebt die Journalismusbranche den gleichen Wandel wie die Musikindustrie? Kommen Pressehäuser und Redaktion in die Gefahr vom Markt überholt zu werden? Droht dem Zeitungsgeschäft ein neuer Fall "Napster"? - wenn man einigen Stimmen auf dem 20. Forum Lokaljournalismus trauen darf, könnte genau dies bevorstehen. Zwischen 5 und 15 Jahren lauten die Prognosen dafür, wie lange eine Zeitung noch davon existieren könne, nur auf „Print“ zu setzen. Und die Rechnung dafür klingt ziemlich logisch:

Das Produkt einer Zeitung sind Informationen. Um diese Informationen zu sammeln und für ihre Kunden aufarbeiten zu können, benötigt sie allerdings Einnahmen. Ein Teil davon erzielt die Zeitung durch den direkten Verkauf des Blattes. Ein Großteil dieser Einnahmen jedoch wird durch den Verkauf von Werbeanzeigen generiert. Werbekunden wiederum erwarten von einer Zeitung potenzielle Kunden, also Leser - für die dort beworbenen Produkte. Wer- als Zeitung - also viele Leser hat, ist für Werbung attraktiv – kann folglich mehr Einnahmen generieren und diese wiederum in Informationen stecken. Leider funktioniert das Ganze auch umgekehrt.

Was also wenn dieses Verhältnis ins Wanken gerät? Der Leser als Kunde entscheidet darüber, wie und von wem er seine Informationen beziehen möchte. Er entscheidet nicht nur darüber, welche Zeitungen er lesen möchte, sondern auch in welcher Form. Die gedruckte Tageszeitung vom Kiosk an der Ecke oder doch lieber die Onlineversion für den Tablett-PC? Wie kann die Tageszeitung weiterhin die von ihr gewohnte und erwartete Qualität bieten, wenn immer weniger Leser sie kaufen? Wenn sie immer weniger Attraktivität für Werbekunden besteht und das Geld langsam ausgeht? – ein  echter Teufelskreislauf, den es zu durchbrechen gilt.

Doch welcher Weg ist hier der Richtige? Soll der Zugang zu einer Zeitung oder zu einem Artikel etwas kosten, weil guter Journalismus das wert ist? Oder soll es einen kostenlosen Zugang zu den Informationen geben, um möglichst viele Leser anzulocken und somit Attraktivität für Werbekunden zu bieten? Vielleicht liegt der Weg auch dazwischen. Vielleicht müssen Zeitungsmacher auch zu medienübergreifenden Geschichtenerzählern werden. Einen sehr ausführlichen Zeitungsartikel gegen Geld anbieten, diesen dann in reduzierter Form für Internet, Handy und Tablett-PC aufbereiten, um ihn schließlich über Facebook und Twitter als Appetithäppchen hochzuhalten. Der Weg zu einer funktionierenden Lösung muss aus Experimenten bestehen. Mit diesem Experimentieren müsse man allerdings jetzt anfangen, so zum Abschluss der Tagung die einhellige Meinung.

Die meisten der in Bremerhaven besprochenen Themen werden die Branche noch viele Jahre lang beschäftigen. Die Stadt selbst hat bei den Teilnehmern jedoch keine Fragen offen gelassen und die besten Eindrücke hinterlassen. Viele davon waren bereits 2005 hier und zeigten sich von den Veränderungen in der Stadt sichtlich beeindruckt. Bremerhaven wird sich also in den nächsten Wochen über viel gute Presse in ganz Deutschland freuen  - völlig egal ob gedruckt oder online.    Marco Butzkus       

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