Fast 1200 Teilnehmer beim Behindertensportfest: Ein Fest der Begeisterung und der Lebensfreude
01.09.2010
„Der konstruktive Umgang mit Menschen mit Behinderung ist eine der großen gesellschaftlichen Aufgaben, die es auch heute noch zu bewältigen gibt", sagt Helmut Proband, Leiter des Amtes für Menschen mit Behinderung. Das Behinderten-Sportfest der Stadt, das im Nordseestadion über die Bühne ging, trägt seit über 20 Jahren seinen Teil dazu bei.
„Wir sind jedoch noch lange nicht dort angekommen, wo Menschen mit Behinderung hingehören - nämlich in die Mitte der Gesellschaft, und zwar jeden Tag", mahnt Proband. Und Volker Schmidt, der seit 1996 jedes Jahr vom Behinderten Sportfest in der Fernsehsendung „Sport regional" bei Radio Weser TV berichtet, sagt: „Das Wichtigste ist, dass man sie so nimmt, wie sie sind. Sie wollen kein Mitleid von uns, sondern Anerkennung für ihre Leistung." Bei dem Fest komme der Urgedanke des Sports zum Tragen: Es gehe darum, dass jeder das Bestmögliche gebe. Nicht Gewinn oder Niederlage stünden im Vordergrund, sondern das Erreichen von Zielen jedes Einzelnen, das ein kleiner Sieg für jeden Sportler sei. Die seit Beginn ständig steigende Zahl der Teilnehmer von anfangs rund 100 auf inzwischen fast 1200 ist ein Beweis dafür, dass es einen deutlichen Bedarf für Veranstaltungen dieser Art gibt.
Das größte Problem für Menschen mit Behinderung ist die Zeit. Wenn sie einer beruflichen Tätigkeit nachgehen können, dann kehrt mit dem Feierabend die Tristesse ein. In betreuten Wohnanlagen sind sie oft unter sich, betreuendes Personal kümmert sich um die physikalischen Bedürfnisse, für das Soziale bleibt keine Zeit. Letztlich folgen häufig Vereinsamung und Isolation. Diesen Kreis zu durchbrechen, Vereine in Sport wie in Freizeit für Menschen mit Behinderungen zu öffnen - das ist einer der Wünsche, die Helmut Proband seit nunmehr 22 Jahren dazu antreiben, das Behinderten-Sportfest mit viel persönlichem Einsatz zu organisieren.
Menschen im Alter von 25 bis 35 haben scheinbar die größten Berührungsängste mit behinderten Menschen. Auch beim Sportfest sieht man zumeist Jüngere oder Menschen höherer Altersgruppen. Gina Kuhr (16) nimmt seit vier Jahren regelmäßig am Behinderten-Sportfest und ähnlichen Veranstaltungen ehrenamtlich als Helferin teil. „Es ist wichtig, sich am Leben von Menschen mit Behinderung zu beteiligen", sagt die junge Frau aus Loxstedt. „Diese Menschen bringen einem so viel Begeisterung und Freude entgegen, dass es einen fast sprachlos macht." Nann setzt sie sich wieder auf den Fallsitz des „Dunkballs" und nimmt zur Belustigung aller Anwesenden regelmäßig bei jedem dritten Wurf ein Vollbad im Wasserbottich.
Ralf Matheja ist in diesem Jahr das erste Mal als einer der insgesamt fast 200 freiwilligen Helfer dabei. „Ich finde es sehr beeindruckend, zu welchen Leistungen die Sportler hier fähig sind. Trotzdem stehen immer der Spaß und die Teilnahme im Vordergrund. Ich werde im nächsten Jahr garantiert wieder mitmachen", so der 56 Jährige. Martin Kirchhoff, der seit 1996 Jahr für Jahr eine Radio-Liveübertragung vom Behinderten-Sportfest, organisiert geht noch einen Schritt weiter: „Es müsste vielmehr Veranstaltungen geben, bei denen Paten und Behinderte etwas zusammen unternehmen", so der pensionierte Standesbeamte.
Thorsten Stein ist einer der Teilnehmer des Sportfestes und kommt seit vielen Jahren her: „Ich freue mich immer sehr darauf und habe auch schon meine Medaille bekommen", zeigt der 45-Jährige stolz auf das Ehrenzeichen um seinen Hals. „Hier wird sehr viel für die Integration von Menschen mit Behinderung gemacht", fasst Volker Schmidt zusammen. „Es wäre wunderbar, wenn mehr Menschen aus der Nachbarschaft ins Nordsee-Stadion kämen, um an diesem Fest der Lebensfreude teilzuhaben", weist der Sportmoderator in die Zukunft.
Bei der abschließenden Samba-Parade durch das Rund des Nordsee-Stadions lassen es die Teilnehmer noch einmal so richtig krachen. Da wird getanzt und gelacht was das Zeug hält. Kaum jemand ist in der Lage, sich dem zu entziehen. Schon jetzt spürt man die Sehnsucht und die Freude auf das 22. Behindertensportfest im August 2011. Es ist einfach nur schön, dabei zu sein.
Marco Butzkus
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