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Ein Sabbatjahr mit Wind und Meer: Weltenbummlerpärchen zurück in Bremerhaven

07.08.2012

Robert Kirchner und Anna Maria Sprute an Deck ihres Bootes "Timpetee", mit dem die Beiden zweimal über den Atlantik gefahren sind.
Robert Kirchner hatte schon immer Lust auf „Meer“. Sein größter Traum war es, den Ozean einmal in seiner reinsten Form zu erleben. Zusammen mit seiner Freundin Anna Maria Sprute hat der begeisterte Segler ihn nun verwirklicht. In 370 Tagen zweimal über den Atlantik – einmal Karibik und zurück. Jetzt haben beide Weltenbummler wieder sicher in Bremerhaven festgemacht. Marco Butzkus hat sich mit ihnen getroffen, um ein wenig mehr über die große Reise zu erfahren.

Als die Reise am 27. Juli 2011 am Steg des Weser-Yacht-Club in Bremerhaven losgeht, liegt ein Jahr der intensiven Planung hinter den beiden Abenteurern. „Alles in allem haben wir da aber schon ein paar Jahre länger dran gestrickt“, sagt Robert Kirchner. „Man muss sich ja über alle möglichen Eventualitäten Gedanken machen:  Was ist, wenn einer von uns schwer verletzt oder krank wird? Welche Gefahren gibt es und wie kann man ihnen – allein auf hoher See - begegnen?“ Ohne Überraschungen kam die Reise dennoch nicht aus, aber so muss das bei echten Abenteuern wohl auch sein.

Als Lehrer hatte Robert Kirchner die Möglichkeit ein Sabbatjahr einzulegen. Dabei arbeitet man einige Jahre bei verringerten Bezügen vor und darf dann ein Jahr bezahlten Urlaub machen. „Man spart sich das sozusagen vor“, berichtet der braun gebrannte Hobbysegler lachend. Seine Freundin Anna musste ihr Arbeitsverhältnis für die doppelte Atlantikquerung aufgegeben und rechtzeitig vorher schon Mal anfangen zu sparen. Ungefähr 20000 Euro hat der Trip wohl komplett gekostet, schätzen die Beiden im Nachhinein. „Dazu kommt noch das, was man in das Boot investiert hat – aber das hätte man ja sonst auch gemacht“, ergänzt Kirchner. Gelohnt hat es sich, aus der Sicht der Beiden, auf alle Fälle. Die Erfahrungen, die sie gemacht haben, sind unbezahlbar.

Der erste Teil der Reise führt über Frankreich, Spanien, Portugal und Marokko bis auf die Kapverdischen Inseln. Dann kommt der erste spannende Teil: Rund 2000 Seemeilen über den offenen Ozean, bis nach Barbados. „15 Tage nur Wasser, so etwas ist eine echte Probe für jeden Menschen – auch für Segler“, sagt die 31-Jährige Anna mit ernster Miene. „Man macht sich vorher viele Gedanken dazu, aber wie sich diese Isolation mitten im Nirgendwo anfühlt, kann sich keiner wirklich vorstellen“, ergänzt Robert ebenso ernst. Die beiden lesen sehr viel, dennoch bringen die langen Hochseetörns sie schon sehr an ihre Grenzen. „Das Schlimmste ist der letzte Tag vor der Ankunft am Ziel“, sagt Anna. „Man kann das Land tatsächlich riechen, bevor man es sieht, und hält es kaum aus. Man malt sich dann aus, was man leckeres Essen kann, wenn man endlich an Land ist. An Bord ist die Ernährung leider etwas eintönig - wir hatten keinen Kühlschrank“, ergänzt sie lachend.

Von Barbados aus geht es dann nordwärts durch die Karibik. Die Grenadinen und Kleinen Antillen bis nach Bermuda hoch. Die Tobago-Keys, das karibische Wetter und die netten Menschen, die sie kennenlernen, haben es ihnen angetan. „Man konnte den ganzen Tag in Badekleidung umherlaufen und jederzeit ins Meer springen, um sich abzukühlen, dazu einsame Buchten mit paradiesischen Stränden“, schwärmen beide. „Haie und Piraten haben wir keine gesehen, dafür aber jede Menge Delfine. Die sind permanent um das Boot herum geschwommen und haben mit den Wellen gespielt“, schwärmt der Lehrer, der im September wieder an der Carl von Ossietzky Oberschule in Geestemünde unterrichten wird.

Die Rückfahrt in Richtung Europa beginnt dann mit dem zweiten Marathonabschnitt der Reise: Bermuda – Azoren. Dieses Mal zwar „nur“ 1600 Seemeilen, allerdings windbedingt 18 Tage zweisam auf dem Meer. Laut Kirchner der schwerste Teil der Reise, weil es für Segler nichts Schlimmeres gibt als fehlenden Wind. Die Beiden haben schon bei ihrer Abfahrt auf Bermuda ein ungutes Gefühl, weil es dort in den Tagen zuvor zwei sehr schwere Unfälle mit Walen gegeben hat. Segelboote waren nachts mit den riesigen Meeressäugern kollidiert und untergegangen. „Da macht man sich schon Gedanken“, so der Biologielehrer. „Nachts saß zwar immer einer von uns beiden Wache, aber das Meer ist pechschwarz – da sieht man nichts. Zum Glück hatten wir aber keine Kollision“, fügt er hinzu.

Weniger Glück hat Anna dann auf der Etappe von den Azoren nach Spanien. Ganz plötzlich bekommt sie Gesichtslähmung – mitten auf dem Ozean, zwei Tage von jedem Arzt oder Krankenhaus entfernt. Mit einem Satellitentelefon ruft sie das spanische Festland an und klärte den Ernst der Lage ab. Die Ärzte können einen Schlaganfall per Ferndiagnose ausschließen, also musste Anna nicht mit einem Helikopter abgeholt werden. „Dennoch macht man sich natürlich permanent Gedanken darüber, was da passiert ist“, sagt die 31-Jährige. Zwei Tage brauchen sie mit dem Boot, bis zum nächsten Krankenhaus. Die Zeit zieht sich endlos hin. Am Ende stellt sich raus das sich um ein stressbedingtes Symptom handelt, das wieder abklingt. „Der Schock war trotzdem immens“, erinnert Anna sich. „Auf den Teil der Reise hätten wir gut und gerne verzichten können“, unterstreicht Robert.

Jetzt, nachdem die Weltenbummler wieder in der Heimat sind, haben sie vom Segeln in der Ferne erst mal genug. Das Boot wird überholt und dann geht es im nächsten Jahr wieder in die Nord- und Ostsee. Nach der nächsten großen Tour gefragt lachen beide: „In zehn Jahren vielleicht wieder, dann einmal rund ums Mittelmeer: Atlantik hatten wir jetzt genug“.    Marco Butzkus

Weitere Informationen:

Segeljacht Timpetee sicher zurück in Bremerhaven

externer Link:  http://www.timpetee-und-wir-auf-grosser-fahrt.de

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Originaladresse des Artikels: http://www.bremerhaven.de/meer-erleben/stadtleben/ein-sabbatjahr-mit-wind-und-meer-weltenbummlerpaerchen-zurueck-in.51699.html
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