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Seestadt Bremerhaven
     
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Ein Blick in den Himmel über der Stadt: Das Planetarium in Bremerhaven

25.09.2012

Der Sternenhimmel im Planetarium Bremerhaven.
„Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter“. Spätestens seit Captain Buzz Lightyear aus dem preisgekrönten Animationsfilm „Toy Story“ wird dieser Ausruf den meisten Menschen bekannt sein. Das, was sich dahinter verbirgt - der Blick zu den Sternen - ist seit zwei Jahren auch wieder in Bremerhaven möglich, in einem kleinen Planetarium am Geestevorhafen. Einmal im Monat kann man dort in einen projizierten, sternenklaren Himmel schauen und dabei den fachkundigen Ausführungen von Rolf Schäfer zuhören.

Am 12.04.1961, als der russische Kosmonaut Juri Gagarin gerade als erster Mensch im Weltall einmal um die Erde flog, wurde das Planetarium Bremerhaven eröffnet. Der mittlerweile 51 Jahre alte Kuppelraum wurde damals für die nautische Ausbildung an der Seefahrtsschule Bremerhaven in der Bussestraße 24 errichtet. Er hat einen Durchmesser von 5 Metern und eine Deckenhöhe von 6,20 Metern. Das Planetarium diente dazu, angehenden Kapitänen beizubringen, wie sie anhand der Sterne genauestens ihre Position auf dem Meer bestimmen können. Moderne Navigationshilfen wie beispielsweise GPS gab es zu jener Zeit noch nicht.

Ab 1985 fand in Bremerhaven keine nautische Ausbildung mehr statt. Das Gebäude diente dann zehn Jahre der Hochschule, bevor das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, kurz AWI, hier einzog. Seit zwei Jahren betreibt der Verein der Bremerhavener Sternfreunde e. V. das Planetarium zusammen mit dem Schulamt in Bremerhaven und dem AWI. Seit dem ist es möglich, das Planetarium auch einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Sobald man auf den gepolsterten Bänken Platz genommen hat, entwickelt sich eine Ungeduld, die an Kinobesuche aus Kindertagen erinnert. Es wird langsam dunkel, bis nur noch ein leichtes rotes Licht den Raum erfüllt, dann ist es stockfinster. Für einen Moment nur, dann eröffnet sich ein Blick auf 5000 funkelnde Sterne im Himmel über mir: die nördliche Hemisphäre. Das Herzstück ist das erste Zeiss-Kleinstplanetarium, das ZKP 1 – es handelt sich tatsächlich um den Prototypen. Im Inneren der Maschine befindet sich eine Kupferfolie, in die in präziser Handarbeit, 5000 Löcher von unterschiedlichem Durchmesser gestochen wurden. Die 39 Linsen projizieren darüber, mit nur 50 Watt, nicht weniger als 88 Sternbilder auf das Kuppeldach – vom Orion, über den großen Bären bis hin zum Schwan. Die Sterne haben 6 verschiedene Durchmesser, anhand dessen sich ihre sichtbare Größe darstellt. Die Kategorisierung von 1 bis 6, wie ich von Rolf Schäfer erfahre.

Der 58-jährige Schäfer erklärt mir in einer kleinen Einführung die Grundlagen der Astronomie, die Mondphasen, die Finsternisse, Sternschnuppen, Jahreszeiten, Sternbilder und Planetenläufe. Dann stellt er den aktuellen Sternhimmel dar. Der Himmel über mir dreht sich – fast wird mir schwindelig – dann tauchen einen Knopfdruck später plötzlich die Planeten unseres Sonnensystems auf. Es gibt eine Planetenumlaufbahn, also eine Art Linie, auf der alle Planeten um unsere Sonne kreisen. Und es gibt den Äquator der Erde, also die Linie an der Nord-und Südpol der Erde am weitesten voneinander entfernt sind. Diese beiden Linien schneiden sich, bedingt durch die Neigung der Erdachse zwei Mal im Jahr: exakt zu Frühlings- und Herbstanfang. Jede aufkommende Frage wird von Schäfer schnell und präzise erklärt. Der Mann liebt sein Hobby ganz offenbar und kennt sich bestens aus.

Schäfer sprüht vor Enthusiasmus, wenn er von den Sternen über unseren Köpfen berichtet. „Das ist das wahre Weltkulturerbe“, sagt er. Leider ist der Himmel so – in Bremerhaven - nur noch im Planetarium zu erleben. Durch das ganze Licht, das die Stadt nachts abgibt, sieht man hier nur noch die größten Sterne. Eindrucksvoll hebt er das Licht im Inneren des Planetariums soweit an, dass man nur noch die Sterne der Kategorie 1 und 2 sehen kann. Die Projektion im Kuppeldach reduziert sich auf wenige Punkte, wirkt plötzlich trostlos und kahl. „Das ist der Himmel so, wie wir ihn draußen über der Stadt noch sehen können. Wir nennen diesen Effekt Lichtverschmutzung. Vor 30 Jahren konnte man sogar die Milchstraße noch mit bloßem Auge erkennen. Daran ist in Städten schon seit Langem nicht mehr zu denken“, berichtet der gelernte Fernmeldetechniker traurig.

Die Sternenfreunde Bremerhaven, zu denen der Wulsdorfer gehört, haben sich deswegen gerade einen Sternenbeobachtungsplatz beim Otterbiotop in Lunestedt eingerichtet Dort können sie weiterhin ungestört den Himmel beobachten. Dennoch bleibt das Planetarium das Herzstück des Vereins sagt Schäfer. Allein im letzten Jahr haben 1500 Gäste das Planetarium besucht. Durch die Kooperation mit dem Schulamt ist der Besuch für Bremerhavener Schulklassen - nach Anmeldung kostenfrei. An jedem ersten Donnerstag im Monat findet außerdem eine öffentliche Vorführung immer um 19 Uhr statt. Die Anzahl ist, der Größe geschuldet, auf 30 Teilnehmer begrenzt. Der Eintritt beträgt 2,50 Euro pro Person.

Wer an einer Reise zu den Sternen interessiert ist, sollte sich unbedingt vorher bei Rolf Schäfer anmelden. Über die normale Nutzung hinaus kann das Planetarium auch gerne durch Gruppen, Vereine, Firmen oder Institute für einen ganz speziell auf sie abgestimmten Vortrag gebucht werden – gerne auch zu anderen Zeiten und am Wochenende. Der Verein der Bremerhavener Sternfreunde e. V. freut sich auf Ihren Besuch.   Marco Butzkus

Anschrift

Planetarium Bremerhaven

AWI Gebäude
Bussestraße 24

27570 Bremerhaven


Anmeldung bei Rolf Schäfer unter der Telefonnummer:

0471 77755 oder

planetarium-bremerhaven at t-online.de

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marco.butzkus at bit.bremerhaven.de
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