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Ein Abend für Leib und Seele: Dean Collins gibt Konzert im „Lebenslust“

07.09.2012

Dean Collins und Klaus Luka im "Lebenslust" (von links)
In die „Theo“  ist neues Leben eingekehrt – genauer: Lebenslust. Das Restaurant-Projekt, das sich hinter diesem  Namen verbirgt, bietet „Nahrung für Leib und Seele“. Wichtige Bausteine sind dabei neben Essen und Trinken auch Kunst, Kultur und Unterhaltung. Am kommenden Dienstag wird es zum 11. Jahrestag der Terroranschläge von New York ein Konzert unter dem Titel „Lieder der Menschlichkeit“ geben. Marco Butzkus hat sich mit dem Lebenslust-Geschäftsführer Klaus Luka und dem Musiker Dean Collins getroffen, um mehr über die „Lebenslust“ und das Konzert-Konzept zu erfahren.


Frage:
Klaus, was ist das „Lebenslust“ und warum hast Du es ausgerechnet hier in Lehe, in der Theo angesiedelt?

Klaus Luka:
Das Lebenslust ist ein Projekt. Ein Ort an dem Menschen zusammenkommen, um sich über „Mittel zum Leben“ auszutauschen. Ich reduziere das keinesfalls nur auf Essen und Trinken. Für mich ist Kunst, Kultur, Bildung und Geist ebenso eine wichtige Nahrung, wie Produkte, die wir zum Leben benötigen. Der Ort kam zu mir – hier war etwas frei, das sich wunderbar für unsere Idee eignet. Für mich ist weniger wichtig, wo ein Ort ist, als das es ihn gibt.


Frage:
Was konkret können wir uns darunter vorstellen?

Klaus Luka:
Es geht bei uns darum, den Menschen zu helfen, ein Bewusstsein für Werthaltigkeit und Nachhaltigkeit zu entwickeln. Nichts in der Welt ist umsonst, irgendjemand zahlt immer dafür. Bei uns gibt es nur ökologisch verträglich angebaute Nahrungsmittel. Kein Fleisch aus Massentierhaltung und Ähnlichem. Unsere Weine beispielsweise sind ein rundum natürliches Produkt, ausnahmslos mit Eigenhefe vergoren. Es ist uns ein echtes Anliegen, den Leuten zu zeigen, was es bedeutet, nachhaltig zu leben. In unserer Gesellschaft fordert jeder von dem Anderen, dass er sich vorbildlich und verantwortungsvoll verhält. Hier hat jeder für sich die Möglichkeit, das auch selbst zu praktizieren.


Frage:
Vor Dir haben sich in diesen Räumlichkeiten bereits zwei andere Gastronomen versucht – und sind gescheitert. Warum glaubst Du, das wird mit dem Lebenslust nicht passieren?

Klaus Luka:
Weil wir kein Restaurant sind – wir sind ein Projekt. Wir laden die Menschen ein, verschiedene Aspekte und Vorzüge der „Lebenslust“ für sich zu entwickeln. Vom bewussten Umgang mit Nahrungsmitteln und Ressourcen, über geistige und kreative Entspannung bis hin zu bewusstem geistigen und körperlichen Genuss. Aber es ist ein Projekt – es muss sich zumindest in den Kosten tragen. Tut es das das nicht, und die Menschen nehmen unsere Möglichkeiten nicht an, ist es gescheitert. Wir werden das Lebenslust nicht endlos am Leben erhalten, wenn die Menschen es nicht wollen – das wäre nicht im Sinne unserer Philosophie, es wäre unökonomisch.


Frage:
Wird es ein speziell auf den Ortsteil Goethestraße abgestimmtes Angebot geben?

Klaus Luka:
Das hängt von den Menschen hier ab. Wenn die Bewohner in unserem Umfeld diesen Ort für sich entdecken, dann ja – sonst nicht. Wir sind nicht die „Vorturner“, sondern mehr die Ideen- und Raumgeber.


Frage:
Klaus, Du hast in der Stadt eine Vergangenheit. Du hast viele Projekte und Veranstaltungen organisiert, hattest zuletzt den Club „Delta“ in der Alten Bürger. Dann bist Du für 20 Jahre in die Karibik verschwunden. Warum bist aus dem Paradies wieder nach Bremerhaven zurückgekehrt?

Klaus Luka:
Weil es nicht das Paradies ist (lacht). Ich war in der Dominikanischen Republik und wenn man dort nicht Urlaub macht, sondern arbeitet, ist es ein Ort wie jeder andere auf der Welt. Dort gibt es nicht nur Palmen und Zuckersand, sondern auch Armut und Hurrikanes. Ich habe dort eine Tauchschule gegründet, später eine ganze Kette daraus gemacht. Dann habe ich ein Hotel, anschließend Appartements gebaut. Die Wahrheit ist, ich hatte dort einfach alles gemacht, was ich machen wollte. Ich habe mir die Frage gestellt, was ich mit meinem letzten Lebensdrittel noch so anstellen möchte. Dabei bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich meine Talente so einsetzen möchte, dass Menschen davon profitieren können. Der Ort ist dabei nicht entscheidend. Ich war lange in Hamburg. Dass ich nun in wieder in Bremerhaven gelandet bin, ist vielleicht einfach Schicksal.


Frage:
Am 11. September veranstaltest Du hier in der Lebenslust ein besonderes Konzert mit dem Bremerhavener Rockmusiker Dean Collins. Das Ganze trägt den Untertitel „Lieder der Menschlichkeit“. Wie kam es dazu?

Klaus Luka:
Dean kam auf mich zu, weil er hier bei uns gerne ein Konzert veranstalten wollte. Ich hatte in den 80er im Delta immer Dienstagskonzerte veranstaltet und mit dem Gedanken gespielt, so etwas in der Lebenslust auch einmal zu versuchen. Dann kam Deans Anruf und wir redeten über die Idee. Wir stellten überrascht fest, dass der nächste Termin Dienstag, der 11. September, der 11. Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center (WTC) in New York wäre. Wir waren uns darüber einig, dass dies kein Zufall sein konnte – daran glauben wir beide nicht. Die Idee für einen musikalischen Abend zum Nachdenken war geboren. Ein ungewöhnlicher Appell an die Menschlichkeit – genau das, wofür Lebenslust stehen sollte.

Dean Collins:
Erstaunlicherweise weiß jeder Mensch, der damals schon bewusst gelebt hat, was er am 11. September 2001 - als die Türme fielen - gemacht hat. Deshalb halten Klaus und ich dieses Datum für sehr treffend, um einen thematischen Abend der Menschlichkeit zu veranstalten. Ich bin ein abgöttischer Bruce-Springsteen-Fan und mitten im Gespräch mit Klaus wurde mir plötzlich bewusst, dass der Boss in seinem Grammy prämierten Album „The Rising“ dieses große amerikanische Trauma aufgearbeitet hat. Springsteen reflektiert hier seine Eindrücke hinsichtlich der Terroranschläge. Der Song „Into the fire“ beispielsweise ist eine Hommage an die Menschen, die ihr Leben riskierten – und verloren, als sie anderen helfen wollten. Was liegt also näher, als einige dieser Songs in meiner ganz eigenen Art zu interpretieren? Ich werde sie mit meinen eigenen Songs mischen und mit den Zuschauern teilen. Es geht an diesem Abend aber keinesfalls nur um die Anschläge von New York und das wird auch keine Trauerveranstaltung. Wir möchten das Bewusstsein in den Gästen dafür wecken, was im Leben wirklich zählt – Menschlichkeit, Erinnerung, Achtsamkeit und Respekt – und zwar ohne Wenn und Aber.


Frage:
Was habt ihr beide denn am 11. September 2001 gemacht?

Klaus Luka:
Ich war gerade in Hamburg und war bestürzt und schockiert zugleich. Ich habe Freunde in New York und konnte natürlich niemanden erreichen, weil sämtliche Telefonnetze zusammengebrochen waren. Erstaunlicherweise war mein erster klarer Gedanke den ich fassen konnte, dass so etwas wohl passiert, wenn Menschen nicht respektvoll miteinander umgehen.

Dean Collins:
Ich war seltsamerweise auch gerade in Hamburg, allerdings in Harburg. Das ist der Stadtteil, in dem einige der Attentäter vom 11. September gelebt und sich auf den Terroranschlag vorbereitet haben. Zu dem Zeitpunkt war das natürlich noch nicht bekannt, aber im Nachhinein kommt mir heute noch eine Gänsehaut hoch, wenn ich daran denke. Der Tag war schlimm – nicht nur weil so viele Menschen gestorben sind, sondern auch weil Menschen dies anderen Menschen ganz bewusst angetan haben.


Frage:
Hat sich in Eurem Leben seit dem 11. September 2001 etwas verändert?

Klaus Luka:
Das Bewusstsein dafür, dass Menschen miteinander leben müssen, ist für mich zu einer Art Kompass geworden. Überall auf der Welt waren Menschen betroffen und ganz plötzlich waren wildfremde Menschen einander nah. Da muss die Frage erlaubt sein, ob so etwas Schlimmes passieren muss, damit Menschen einander achtsam behandeln und natürlich auch, was wir daraus lernen.

Dean Collins:
Die Folgen sind unübersehbar. Überall ist es zu Einschränkungen der Freiheit der Menschen gekommen. Auf jedem Flugplatz der Welt - nicht nur in den USA. Ich sehe das ähnlich wie Klaus. Der Anschlag und die damit verbundenen Kriege und Opfer sind ein Sinnbild für den Verlust der Menschlichkeit. Es darf keine Legimitation für Terror, Krieg oder so etwas wie Guantanamo geben. Jeder Einzelne von uns ist angehalten, diesen Prozess umzukehren.


Frage:
Dean, siehst Du im Lebenslust eine besondere Chance, vielleicht sogar eine überlebensnotwendige Chance für die Bremerhavener Musikszene?

Dean Collins:
Auf jeden Fall. Es ist ein Ort für ein künstlerisches „Come together“. Eine Plattform mit jemandem, der richtig viel Erfahrungen mit Veranstaltungen hat und der sich entscheidend daran beteiligt. Die technischen Voraussetzungen mit Bühne, Licht und Sound sind fantastisch. So einen Ort braucht Bremerhaven ganz dringend. Zumindest dann, wenn die lokale Musikszene ihre Kreativität zukünftig nicht nur noch daran messen möchte, wer wie gut welche Band nachspielen kann. Im Moment scheint jeder zu glauben, dass Musik kostenlos zu sein hat. Das ist grundlegend falsch. Auch Kunst kostet Geld und ist nicht umsonst zu haben. Irgendjemand zahlt dafür immer – im Zweifel der Künstler selber, in dem er sich ausbeutet. Wir werden am Dienstag keinen offiziellen Eintritt nehmen. Wir stellen eine Trommel auf und jeder darf so viel hineintun, wie ihm der Abend wert ist.


Frage:
Was macht ihr beide am 11. September 2013?

Beide:
Vielleicht eine Wiederholung des Konzertes vom kommenden Dienstag. (Beide lachen)



Marco Butzkus



Dean Collins 9/11 - Lieder der Menschlichkeit
Beginn: 20.00Uhr

Ort:
Lebenslust
Lutherstraße 7

27576 Bremerhaven

Tel: 0471 483 623 16

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Marco Butzkus Dann senden Sie einfach eine E-Mail an Marco Butzkus
marco.butzkus at bit.bremerhaven.de
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