Herzlich willkommen in einem - hoffentlich - gesunden, glücklichen und erfolgreichen Jahr 2012. Viele von Ihnen haben das alte Jahr sicherlich angemessen verabschiedet. Dabei wird sehr gerne auf eine Menge von beliebten Traditionen, Bräuchen und Ritualen zurückgegriffen. Es wird geknallt, geschenkt und gedeutet, was das Zeug hält. Doch warum tut man das eigentlich? Wir verraten Ihnen, zum neuen Jahr einfach mal, was sich hinter Glückschweinen, Böllern und Wunschritualen so verbirgt.
Silvester ist nach dem römisch-katholischen Heiligenkalender der letzte Tag des Jahres. Schon die alten Germanen und die Römer hatten ihre Feste für den Jahreswechsel. Viele der heute noch verwendeten Rituale stammen noch aus jener vorchristlichen Zeit.
Einige der Rituale beziehen sich auf die sogenannten Raunächte, so werden die Tage zwischen den Jahren, also vom 24. Dezember bis zum 5. Januar bezeichnet. Sie werden auch die fehlenden Nächte genannt. Mit fehlend ist in diesem Fall die Differenz zwischen Mond- und Sonnenjahr gemeint. Das Mondjahr umfasst nur 354 Tage (12 Vollmondnächte), während das Sonnenjahr 365 ¼ Tage hat. Rein rechnerisch fehlen also, bedingt durch die Schaltjahre, 11 Tage oder 12 Nächte. Um im Sonnenjahr bleiben zu können, hängt man diese 12 Nächte einfach an das Mondjahr an, obwohl es sie eigentlich gar nicht gibt.
Die Raunächte liegen also zwischen den Jahren außerhalb der Zeit. Daher rührt der Glaube, dass in dieser Zeit, die normalen Grenzen der Natur nicht gelten. Die Tore zum Reich der Toten sind geöffnet, die Geister - vor allem die Bösen, können sich in dieser Zeit frei in der Welt der Lebenden bewegen. Die 12 Raunächte gelten auch als Zeit der Voraussagen - also als eine Art Blick in die Zukunft. Viele der heutigen Rituale, auch derer zu Silvester, beziehen sich auf diese Nächte, die es eigentlich gar nicht gibt.
Feuerwerk und Böller:
Ursprünglich diente das „Lärmen“ zur Jahreswende dem Vertreiben der bösen Geister, welche sich in den Raunächten auf der Welt umherbewegten. Traditionell wurden früher lautstarke Umzüge mit Verkleidungen, Glocken und Kettengerassel abgehalten. In einigen Gegenden Bayerns und Österreich gibt es diese Perchtenläufe noch immer. Heute ist das Feuerwerk als Freuden- und Begrüßungsritual zum neuen Jahr zu verstehen.
Essen und Feiern im Familienkreis:
Der Kreis der Familie soll hier das Undurchdringliche symbolisieren. Dämonen und Geister können nicht in diesen Kreis eindringen.
Bleigießen:
Auch hier sind die Raunächte Ursprung des Brauchtums - für einen Blick in die Zukunft. Mit dem Deuten, der zufällig entstandene Gebilde aus erkaltetem Blei, erhofft man sich Erkenntnisse über das zukünftige Jahr zu erhalten.
Der gute Rutsch:Der Wunsch zum Ende des Jahres kommt aus dem Hebräischen - das Wort „Rosch“ bedeutet so viel wie Anfang. Ein guter Rusch ist der Wunsch nach einem guten Anfang.
Pros(i)t Neujahr:Prosit ist lateinisch und bedeutet: „Es möge gelingen“ - Also hofft man mit einem Pros(i)t Neujahr auf ein gut gelingendes neues Jahr.
Das Glücksschwein:
Das Schwein gilt jeher als Symbol für Glück, Wohlstand und Fruchtbarkeit - mit dem kleinen Marzipanborstentier werden eben diese Wünsche weitergegeben.
Der Marienkäfer:
Ist nach der Gottesmutter Maria benannt. Er gilt auch als Glückskäfer oder Herrgottskäfer und soll Kinder schützen und Kranke heilen. Der kleine gepunktete Krabbler steht als Symbol für Schutz und Gesundheit.
Der Glückspfennig:Symbolisiert etwas Kleines aus dem aber etwas Großen hervorgehen kann. Die Weisheit „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert“ ist Ausdruck dafür. Früher waren Pfennige noch aus Kupfer, was besonders gut gegen bösen Zauber helfen soll. Es ist also immer angebracht, einen Glückspfennig dabei zu haben. Wer den Pfennig verschenkt, wünsch aber vor allem Reichtum.
Der vierblättrige Glücksklee:Das Glück ist genauso wenig allgegenwärtig wie der 4-blättrige Klee - eher ungewöhnlich und selten. Mit dem Verschenken eines Glücksklees wünschen wir jemanden etwas ganz Besonderes.
Das Hufeisen:Der Legende nach hat einmal ein geschickter Hufschmied dem Teufel höchst selbst die Hufe beschlagen. Er schlug dabei so fest zu, dass es dem Teufel zu viel wurde und er um Gnade bettelte. Der Schmied lies aber erst von ihm ab, als der Teufel ihm versprach die Seelen all derer zu verschonen, die Hufeisen trugen. Generell gilt das Hufeisen als ein Symbol der Stärke und Kraft, es schützte von jeher ein wertvolles und edles Geschöpf - das Pferd. Wer ein Hufeisen verschenkt, gibt Schutz und Kraft weiter.
Der Fliegenpilz:
Die Bedeutung als Glücksbringer fällt wohl auf einen alten Volksglauben zurück. Durch das extravagante Aussehen und die berauschende Wirkung des Giftes, spielte der kleine Freund mit der lustigen Mütze, schon immer eine Rolle in der Zauberei und der Mythologie. Heute verschenkt man den Fliegenpilz als Symbol für Glück und guten Zauber.
Der Schonsteinfeger:
Wenn früher der Schornstein verstopft war, kam dies einer Katastrophe gleich. Es konnte nicht gekocht und geheizt werden. Wenn der Schonsteinfeger kam und den Kamin gereinigt hatte, war das ein großes Glück für das Haus. Mit dem kleinen schwarzen Gesellen verschenkt man also Glück an den Hausstand.
Neujahrs kloppen:
Ist eine Tradition, bei der man zu seinem Nachbarn geht und an seine Tür „kloppt“, um ihm persönlich ein frohes neues Jahr zu wünschen. Dieser bedankt sich mit einem - in der Regel - alkoholischen Getränk dafür, welches gemeinsam eingenommen wird (meistens heißer Rum-Grog oder Glühwein, der Kälte wegen). Im Anschluss gehen die Beiden dann zusammen zum nächsten Nachbarn um das Ritual - Kloppen (Klopfen) - Wünschen - Grog trinken, zu wiederholen. Die Gruppe wächst also von Nachbar zu Nachbar stetig an, bis die ersten - Grog bedingt, ausscheiden.
Wäscheleinenverbot:
In der Zeit der Raunächte soll man keine weiße Wäsche und auch keine Wäscheleinen nach draußen hängen. Die bösen Geister, die in den Tagen außerhalb der Jahre, auf der Erde umherirren, könnten sich darin verfangen und dem Haushalt Unglück bescheren.
Ein paar der Silvesterbräuche konnten auch wir nicht durchleuchten. Ob der Verzehr von Berlinern zu Neujahr nun etwas mit dem Rüsten zur christlichen Fastenzeit zu tun hat, oder einfach daher rührt, dass die Dinger lecker sind - wer weiß. Auch der Genuss von Sekt hat wohl mehr mit dem Geschmack und dem berauschenden Gefühl zu tun als mit dem Herbeirufen böser Kopfschmerz-Geister am nächsten Morgen. So denn - wir wünschen Ihnen allen ein frohes neues Jahr, alles Gute und viel Glück, Erfolg und Gesundheit. Und natürlich viel Spaß beim „Neujahrs kloppen“.
Quellen:
http://www.evangelisch.de/themen/religion/silvester-war-im-mittelalter-noch-am-248959
http://www.wikipedia.org