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Seestadt Bremerhaven
     
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Die Lale-Andersen-Laterne

10.03.2011

Die Lale-Andersen-Laterne an der Linzer Straße, zwischen Stadttheater und Hanse Carré
Lale Andersen (1905-1972), Sängerin, Schauspielerin, Texterin und Autorin wurde mit ihrem Lied „Lili Marleen“ weltberühmt. Es wurde im II. Weltkrieg zum emotionalen Band zwischen Soldaten auf beiden Seiten der Fronten und deren Angehörigen in der Heimat. Hafen- und Matrosenlieder, Lieder über Fernweh und Heimat, Auftritte im Rollkragenpullover, das waren die Markenzeichen der gebürtigen Bremerhavenerin.

Lale Andersen wurde am 23. März 1905 unter dem Namen Liese-Lotte Helene Berta Bunnenberg in Lehe geboren. Ihre Eltern waren der Schiffssteward Georg Adolf Hinrich Bunnenberg und die Hausfrau Berta Adelheid Bunnenberg, geborene Czerwinski. Zwischen 1922 und 1931 war sie mit dem elf Jahre älteren Bremerhavener Kunstmaler Paul Ernst Wilke (1894-1971) verheiratet. Bereits 1929 ging sie nach Berlin, um sich eine Karriere als Künstlerin aufzubauen.

Schon als Dreizehnjährige theaterbegeistert und Goethe, Schiller und Shakespeare lesend, genoss die junge Frau das aufregende, kulturelle Leben im Berlin der 20er Jahre. Sie verkehrte in der links-avantgardistischen Kunstszene der Weimarer Republik und schaffte es 1931 auf die Bühne von Willi Schaeffers „Kabarett der Komiker“, der ihr Talent entdeckte. Sie trat im politischen Nachwuchskabarett „Ping-Pong“ auf und spielte sogar eine kleine Rolle in der Oper „Mahagonny“ von Bertold Brecht und Kurt Weill im Theater am Kurfürstendamm. Es folgten Engagements als Kabarettistin, Schauspielerin und Sängerin in ganz Deutschland und ab 1933 in Zürich, erstmals mit für sie eigens komponierten Chansons und Texten von Bertold Brecht, Kurt Weill, Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Friedrich Holländer u.a.

1941 gelang Lale Andersen, wie sie sich inzwischen nannte, mit dem „Lied eines jungen Wachtpostens“ (Text Hans Leip, Musik Norbert Schultze) der Durchbruch zur Weltkarriere. Das Liebeslied von Lili Marleen, die allabendlich bei der Laterne vor der Kaserne stand, um auf ihren Liebsten zu warten, berührte Millionen von Menschen. Solange es abends vor Sendeschluss des deutschen Soldatensenders in Belgrad erklang, war in der Regel Waffenruhe. Soldaten und deren Angehörige in der Heimat fühlten sich emotional eng mit einander verbunden, wenn sie zu gleicher Zeit das Lied im Radio hörten, das ihre Gefühle vom sehnsuchtsvollen Wiedersehen zum Ausdruck brachte. Reichspropagandaminister Joseph Goebbels lehnte das Lied als „wehrkraftzersetzend“ ab, war es doch kein Kriegslied, das von Tapferkeit und Todesmut im Kampf handelte.

Als sich Lale Andersen auf einer Fronttournee mit dem Vizepräsidenten der Reichskulturkammer Hinkel anlegte, hatte das gravierende Folgen: Am 16. Oktober 1942 wurde ein Presseberichts- und Auftrittsverbot über sie verhängt. Der Künstlerin, die schon lange wegen ihrer Kontakte zu Menschen mit jüdischem Glauben unter Beobachtung stand, drohte die Einweisung in ein Konzentrationslager. Die Stille um den Star blieb nicht unbemerkt. Im April 1943 stellte der britische Sender BBC öffentlich die Vermutung an, dass Lale Andersen in einem Konzentrationslager sei. Die Reaktion folgte prompt: Lale Andersen durfte wieder öffentlich auftreten, aber nicht mit „Lili Marleen“.

Die Stadt Bremerhaven erinnert seit 16. Januar 1981 an ihre berühmte Bürgerin mit einer Bronzetafel und einer Laterne an der Linzer Straße. Zunächst stand hier eine von der Bundesmarine restaurierte Laterne, die in Anlehnung an das Lied „Lili Marleen“ ursprünglich tatsächlich vor einer Kaserne gestanden hatte: der ehemaligen Polizeikaserne am Roten Sand. Inzwischen ist es die zweite gusseiserne Laterne am Standort. Die erste, aufgrund eines Verkehrsunfalls im Dezember 2005 zerstört, wurde von einer österreichischen Spezialfirma nachgebaut und neu aufgestellt.

Die Aufstellung der Laterne wurde von einigen kritisch gesehen. So wunderte sich die politische Gruppierung „Alternative Liste“ am 19. Januar 1981 in der Nordseezeitung über die Stadt, die sich schnell bereitfand, an zentraler Stelle an eine Künstlerin zu erinnern, die im nationalsozialistischen Deutschland Karriere machte, auf der anderen Seite aber zögerte, ein Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus aufzustellen.

Lale Andersen, zeitlebens mit „Lili Marleen“ in Verbindung gebracht, das in mindestens 50 Sprachen übersetzt wurde, blieb bis zum Ende ihrer Karriere 1966/67 eine international anerkannte Sängerin von Chansons und Seefahrtsliedern. Schlager wie „Blaue Nacht am Hafen“ (1952) und „Ein Schiff wird kommen“ (1959) sind auch noch heute vielen Menschen in Erinnerung. 1972 starb Lale Andersen in Wien, unterwegs auf Lesereise zu ihrer Autobiografie „Der Himmel hat viele Farben“.

Beate Borkowski

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