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Seestadt Bremerhaven
     
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Das Universum an der Ecke: Graffiti sorgt für Augenmerk im Goethequartier

26.10.2012

Das Universum in der Potsdamerstraße, von Christian Aretz.
Wandgestaltung muss nicht immer bieder und langweilig sein. Die Sprühkunst Graffiti hat sich lange von dem hässlichen Kleid des Vandalismus befreit und ist zu einer akzeptierten Kunstform etabliert. An der Potsdamer Straße ist unlängst ein musterhaftes Beispiel dafür entstanden, wie aus der Kombination Aerosol und Kreativität ein bunter Blickfang entstehen kann. Verantwortlich dafür zeigt sich der Künstler Christian Aretz. In nur einer Woche hat er unter Zuhilfenahme von rund 200 Lackdosen ein 190 Quadratmeter großes Weltall in das Goethequartier gezaubert.

Das Gebäude an der Potsdamerstraße 10 stand sehr lange ganz oben auf der Liste der verwahrlosten Immobilien im Ortsteil Goethestraße. Nachdem der letzte gewerbliche Nutzer – ein Videothekenbetreiber - den Kampf gegen den Verfall aufgab und auszog, passierte an dem Gebäude lange Zeit gar nichts mehr. Ende 2011 konnte die Stadt die zerstörte Immobilie endlich erwerben und unlängst abreißen lassen. Durch das Herausnehmen des Eckgebäudes wurde der Blick auf zwei Nachbargiebel freigegeben. Das Stadtplanungsamt sah sich nun mit der Situation konfrontiert den Gebäudewänden den Abrisscharakter zu nehmen. Als plötzlich der in der Nachbarschaft lebende Designer Christian Aretz auf der Baustelle auftauchte, und den Vorschlag äußerte, die Wände zu gestalten, stieß er bei den Verantwortlichen auf weit geöffnete Ohren.

Aretz wohnt in unmittelbarer Nähe zur neu entstandenen Baulücke. „Mir kam sofort die Idee dort etwas machen zu wollen, schließlich schau ich ja selber ständig auf die Wände und so sah das schon ziemlich trostlos aus“, sagt der 28-Jährige, der am liebsten die ganze Welt bunt machen würde. Der gebürtige Brandenburger ist noch heute vom unkonventionellen Verhalten des städtischen Amtes begeistert. „Man hat sich gleich mit mir an einen Tisch gesetzt und in einem Kreis aus Entscheidungsträgern mögliche Ideen besprochen“. Als das Thema Weltall sich herauskristallisiert, beginnt Aretz mit der Recherchearbeit. „ich habe tagelang Weltraumdokumentationen geschaut, um mir ein Bild zu machen, wie das Ganze nachher ausschauen könnte“, sagt der Sprayer, der in Münster studiert hat. Schließlich legt er dem Amt einen Entwurf vor, der über beide Giebelwände geht. Er erhält grünes Licht für sein Bild und kann loslegen.

Getreu dem Motto: „Farbe über alles!“ rückt der Kreativling mit rund 200 Sprühdosen und diversen Hilfsmitteln, wie Schlagschnüren und Schablonen bewaffnet bis unter die Schiebermütze, auf der Baustelle an. Eine Woche lang arbeitet der Designer wie besessen. Er gestaltet plastische Planeten, kosmische Wolken und schwebende Fantasielandschaften aus der Gebäudewand heraus. Der besondere Schwierigkeitsgrat liegt dabei in der Fläche an sich. Die rund 17 x 11 Meter große Gebäudewand muss komplett eingerüstet werden. Dadurch bedingt sieht er beim Sprühen immer nur den unmittelbaren Teil seiner Arbeit, den er gerade vor sich hat. „Trotzdem muss hinterher alles von den Proportionen her stimmig sein, sonst sieht es Käse aus“, sagt der Neubremerhavener keck.

„Das Ergebnis spricht für sich, kann sich mehr als sehen lassen.“ sagt Thorsten Böhlken, der das Projekt beim zuständigen Amt leitet. Es ist der erste Teil der Arbeit. Im Frühjahr wird Aretz noch die Gebäudestirn an der Eupener Straße 11 gestalten, dem zweiten freigelegten Giebel an der Baustelle. Böhlken lobt besonders die professionelle und engagierte Vorgehensweise des Graffitikünstlers. „Er war jederzeit Feuer und Flamme für die Idee und zeigte immer vollsten Einsatz“. Für den Aerosolartisten selber ist die Häuserwand an der Potsdamer Straße die größte Arbeit, die er bisher abgeliefert hat. Derzeit ist er gerade in Gesprächen mit einer Bremerhavener Klinik, um dort eine Außenarbeit zu erstellen. Sein großer Wunsch wäre es, in Bremerhaven, so viele Wände wie möglich bunt machen zu können. „Ich bin da sehr interessiert, falls Hauseigentümer den Wunsch nach einer besonderen Wandgestaltung hegen, wird man sich da ganz sicher einig werden“, sagt Aretz sehr zuversichtlich. Für ihn als Künstler steht dabei vor allem der Gedanke im Vordergrund, der Stadt seinen „Stempel“ aufzudrücken. Er wäre da sehr gerne so eine Art von Vorreiter, wie er sagt.

Christian Aretz selbst ist vor 14 Jahren, wie die Jungfrau zum Kinde, auf die Sprühdose gekommen. In einem CD-Laden stolpert er über ein Zeitschriften-Cover, auf dem ein Mann stolz vor einem umlackierten Zug steht. „Ich fand die Idee total irre, dass man mit so etwas offenbar sein Geld verdienen kann“, sagt er heute. „Da ich gerade auf der Suche nach einem Hobby war und Sport nicht mein Ding ist, bin ich aufs Malen gekommen“. Er übt anhand der Sprühbilder, die im Szenemagazin „Backspin“ abgelichtet sind und füllt unzählige Skizzenbücher. Irgendwann wird klar, dass er so etwas auch beruflich machen möchte. Also macht Aretz eine Ausbildung zum gestaltungstechnischen Assistenten. Anschließend Designstudium in Münster und freie Mitarbeit in der "nartur" Kunstgruppe. Seit März dieses Jahres arbeitet und lebt er in Bremerhaven. Die Stadt und der Hafen inspirieren ihn sehr, wie er sagt. „Mein Traum wäre es mal einen kompletten Ozeanriesen zu besprühen“, sagt er mit einem sichtbaren Leuchten in den Augen. Wir dürfen also gespannt bleiben, was da noch kommt.   Marco Butzkus

Weitere Informationen zu Christian Aretz unter externer Link:  www.malzeit-design.de

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