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Seestadt Bremerhaven
     
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DAH: Auf der Spurensuche nach „Jack the Ripper“ in Bremerhaven

02.11.2016

Spannung im Deutschen Auswandererhaus: War "Jack the Ripper" ein deutscher Seemann, der beim NDL führ?
Der Name „Jack the Ripper“ steht als Pseudonym des bekanntesten Serienmörders der Weltgeschichte. Der „Ripper“ wird mit fünf äußerst brutalen Morden an Prostituierten in Verbindung gebracht, die sich Ende des 19. Jahrhunderts im sogenannten „Herbst des Schreckens“ im Londoner Eastend zutrugen. Die Grausamkeit der Morde und der Umstand, dass sie bis heute nicht aufgeklärt werden konnten, schufen viel Platz für Mythen und Verschwörungstheorien. Eine davon führt geradewegs ins Deutsche Auswandererhaus (DAH) nach Bremerhaven. Sie besagt, dass „Jack“ der deutsche Seemann Carl Ferdinand Feigenbaum ist, der auf Schiffen des Norddeutschen Lloyd (NDL) über die Weltmeere fuhr – und somit auch regelmäßiger Gast in Bremerhaven war.

Der Fall Jack the Ripper gilt bis heute als Mysterium. Der „Ripper“ wird sicher mit fünf Morden in Verbindung gebracht, die zwischen dem 31. August und dem 9. November 1888 in Londoner Elendsviertel „Whitechapel“ begangen wurden und die wegen ihrer klaren Parallelen und Folge auch als die „Kanonischen Fünf“ bezeichnet werden. Zwar wurden im Londoner Eastend in einem etwas erweiterten Zeitraum und Radius insgesamt elf Frauen ermordet - speziell die „Kanonischen Fünf“ aber gelten als sichere „Ripper-Morde“.

Die Polizei befragte über 2000 Personen, rund 300 davon wurden mit den Morden in Verbindung gebracht, 80 wurden verhaftet. Die kriminalistischen Ermittlungstechniken und Erkenntnisse jener Zeit waren jedoch überschaubar. Fotos waren schlecht, Fingerabdrücke unbekannt und die DNA-Analyse wurde erst hundert Jahre später entdeckt. Es gelang ihnen nicht, einen Täter zu überführen. Dieser Umstand schaffte viel Raum, sowohl was die Theorien zur Täterschaft, wie auch die Tatmotive des Rippers anbelangte. Die Verschwörungstheoretiker machten dabei nicht mal vor dem englischen Königshaus halt. Sogar der damalige Thronfolger in spe - Albert Victor - galt als Tatverdächtiger. Eine weitere Tatverdächtigenspur führt geradewegs zum Norddeutschen Lloyd (NDL) und damit in die Seestadt Bremerhaven, die damals gerade erst 61 Jahre alt war.

Die Trevor Marriott Theorie
Der deutsche Seemann Carl Ferdinand Feigenbaum wird am 27. April 1896 im berüchtigten New Yorker Gefängnis „Sing Sing“ auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet, nachdem er des Mordes an der 56-jährigen Juliana Hoffmann überführt wurde. Der Mord weist Parallelen zu den Ripper-Morden aus Whitechapel auf. Sinnigerweise kommt der Verdachtshinweis auf Feigenbaum von dessen eigenem Anwalt William Sanford Lawton. Dieser erklärte nach Feigenbaums Hinrichtung, dass er glaube, dass sein Klient leicht mit den Ripper–Morden in Whitechapel in Verbindung gebracht werden kann. Feigenbaum habe seinem Anwalt gegenüber gestanden, dass er nachts häufig von der dunklen Gier getrieben werde, Frauen zu töten und zu verstümmeln und dass er nichts dagegen tun könne. Des Weiteren habe er Lawton gegenüber zugegeben, zum Zeitpunkt der Whitechapel-Morde in London gewesen zu sein. Diese Umstände bringen mehr als hundert Jahre später den britischen Mordermittler Trevor Marriott auf die Spur.

Laut Trevor Marriotts Theorie handelt es sich bei dem Ripper also um einen Seemann. Dies erkläre auch das problemlose Verschwinden des Mörders. Nach den Taten kehrte er einfach wieder auf sein Schiff zurück und machte sich davon. Marriott sieht in der Nähe der Docks zu Whitechapel und Spitalfields, wo die Morde begangen wurden, den idealen Tatort für den Mörder. Ein Matrose wäre in den Straßen dort nicht weiter aufgefallen und er konnte immer schnell zurück zum Schiff, um sich zu waschen.

Marriott überprüfte alle Schiffe, die während der Morddaten in den London Docks angelegt hatten. Er fand dabei heraus, dass Schiffe des Norddeutschen Lloyd bei allen Morden im Hafen waren. Bei seinen Recherchen kam der ehemalige Mordermittler auch nach Bremerhaven und Bremen. Hier suchte er im Deutschen Auswandererhaus und im Bremer Staatsarchiv nach Nachweisen über die Anwesenheit Feigenbaums auf den entsprechenden Schiffen des NDL. Leider sind die Aufzeichnungen der betreffenden Schiffe – genau aus dem benötigten Zeitraum – nicht mehr vorhanden. Marriott hält dennoch an seiner Theorie fest und ist absolut davon überzeugt, dass es sich bei Carl Ferdinand Feigenbaum um „Jack the Ripper“ handelt.

Aus der reinen Faktenlage heraus betrachtet muss dies jedoch sehr kritisch hinterfragt werden. Sicherlich ist die Idee, dass Jack the Ripper ein Seemann war, nicht von der Hand zu weisen. Sie wurde auch bereits zur Zeit der Ripper-Morde aufgegriffen und verfolgt. Das Geständnis von Feigenbaum hat niemand außer William Lawton gehört. Feigenbaums Beichtvater hüllte sich in Schweigen. Der zwingende Beweis von Feigenbaums Anwesenheit zum Zeitpunkt der Morde in Whitechapel blieb ebenso aus. Einige der von Marriott ins Spiel gebrachten weltweiten Mordfälle, die er Feigenbaum "anhängte", wurden geklärt und Feigenbaums Beteiligung entbehrt hier jeder Grundlage.

Es hat den Anschein, dass Marriott zuerst einen Fall um einen Seemann entwickelte und dann in Feigenbaum den idealen Täter für seine Theorie fand. Ganz sicher kann man sich dabei allerdings nicht sein. Vielleicht war Carl Ferdinand Feigenbaum tatsächlich „Jack the Ripper“. Oder ein anderer Seemann, der in jener Zeit zwischen London, New York und Bremerhaven fuhr.   Marco Butzkus

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