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Seestadt Bremerhaven
     
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Brücke zwischen Tradition und Zukunft: Errichterschiff Victoria Mathias getauft

22.05.2012

Animationsgrafik der Victoria Mathias.
100 Millionen Euro hat sie gekostet. Sie ist über einhundert Meter lang, rund 40 Meter breit und ihr Hauptkran kann ein Gewicht von bis zu 1000 Tonnen heben: Das Offshore-Installationsschiff „Victoria Mathias“. Gestern wurde das so genannte Errichterschiff in einem großen und festlichen Akt auf der Bremerhavener Lloydwerft getauft. Ihren Namen erhält das Schiff von einer traditionsreichen Steinkohlezeche aus Essen. Taufpatin war die Gattin des RWE-Vorstandsvorsitzenden, Jürgen Großmann - Dagmar Sikorski-Großmann. Sie wünschte dem Schiff jede Menge Wasser unter dem Kiel.

Die Schiffstaufe auf dem Gelände der Lloydwerft war ein echtes Großereignis. Eine Party mit allem was dazu gehört. Da waren honorige Redner mit vielen Danksagungen. Eine Taufpatin mitsamt Taufspruch und Champagner. Dem Stande entsprechend je ein Bergmanns- und ein Shantychor für das musikalische Programm. Ein elegantes Zelt und natürlich Schiffsführungen, leckeres Essen und bestes Wetter unter strahlend blauem Himmel. Bremerhaven zeigte sich von seiner besten Seite und rückte damit seinen Anspruch als deutsches Zentrum für Offshore Windenergie ins rechte Licht. Oberbürgermeister Melf Grantz lobte in seiner Grußrede besonders die gute und enge Zusammenarbeit aller Beteiligten untereinander. Er unterstrich dabei noch einmal die großartige Chance und das Potenzial der Stadt.

Die Victoria Mathias ist eines von zwei Offshore-Installationsschiffen – sogenannten Errichterschiffen - des Energieversorgungskonzerns RWE AG. Sie und ihr Schwesterschiff, die Friedrich Ernestine (ebenfalls nach einer Zeche benannt), wurden auf der koreanischen DSME-Werft gebaut und liegen derzeit zur Endausrüstung an der Kaje der Bremerhavener Lloydwerft. Das Schiff mit Heimathafen Bremerhaven soll von hieraus ab Sommer den Offshore-Windpark Nordsee-Ost errichten. Dieser liegt etwa 30 Kilometer nördlich von Helgoland und wird nach der Fertigstellung 295 Megawatt Leistung jährlich erbringen. Das entspricht ungefähr dem Energiebedarf von 295.000 Haushalten in Deutschland. Das Investitionsvolumen von RWE beträgt dabei in etwa 1 Milliarde Euro.

Der Bau von eigenen Errichterschiffen war dabei ein wohlüberlegter Schritt des Energieriesen RWE, in dessen Portfolio normalerweise keine Schiffsflotte zu finden ist. Für die Errichtung der Offshore-Windparks sind diese Spezialschiffe zwingend erforderlich und da es bisher nur sehr wenige davon gibt, sind die Mieten dafür unglaublich hoch. Tagescharterpreise von über 100.000 Euro werden verlangt – und gezahlt!, so der zukünftige Chef der RWE-Innogy, Hans Bünting.

Die Namen der beiden Schiffe, Victoria Mathias und Friedrich Ernestine, stammen von traditionellen Steinkohlezechen in Essen. Sie schlagen somit eine Brücke zwischen den Wurzeln und der Zukunft der Energieerzeugung in Deutschland. Dies wurde besonders deutlich, als der letzte Prokurist der Zeche Victoria Mathias, Werner Nautsch, seine Grubenlampe an den Kapitän des gleichnamigen Schiffes übergab. Nautsch hatte diese Lampe bei sich, als er 1965 als letzter Mann die Zeche bei ihrer Schließung verließ. Die Flamme der Grubenlampe hatte unter Tage die Aufgabe, die Kumpel vor drohenden Explosionen im Bergwerk zu warnen. Jetzt soll sie das Schiff und dessen Mannschaft ebenso schützen. Nautsch kann sich - laut eigener Aussage - keinen besseren Platz dafür vorstellen, als die Brücke der Victoria Mathias.

Das auffällige Gefährt ist dabei ein - in jeder Hinsicht - beeindruckendes Schiff. Es wurde von Ingenieuren eigens dafür entwickelt, um die speziellen Anforderungen zu bewältigen. Das Schiff kann bis zu 4.500 Tonnen auf dem Deck transportieren. Der Hauptkran ist in der Lage bis zu 1.000 Tonnen Last zu heben und hat dabei eine maximale Arbeitshöhe von 110 Metern über Deck. Das gesamte Schiff kann sich wie eine Bohrinsel auf langen Beinen aus dem Wasser heben und bis zu einer Wassertiefe von über 40 Metern für einen sicheren Stand auf dem Meeresboden sorgen. Das Antriebssystem besteht aus 6 einziehbaren Antriebspropellern mit je 1.600 kW Leistung (fast 2.200 PS), die sich um 360° in alle Richtungen drehen lassen. Dadurch lässt sich das Schiff nicht nur auf dem „Teller“ drehen, sondern kann auch über ein satellitengesteuertes Computerprogramm zentimetergenau gesteuert werden. Bei der zuständigen Vergabestelle wurde für das Schiff sogar ein Blauer Engel für Schiffsdesign beantragt.

Die Victoria Mathias wird zunächst die 49 Fundamente für den Windpark Nordsee-Ost legen, um dort später 48 Windräder und eine Unterstation zu errichten. Jedes dieser Fundamente wird eine Grundfläche von 400 Quadratmeter haben. Das Gesamtareal von Nordsee-Ost beträgt 24 Quadratkilometer. Die Wassertiefe dort liegt im Schnitt bei 25 Metern und die 550 Tonnen schweren Gründungselemente werden mit riesigen Nägeln, sogenannten Pyles, am Meeresgrund verankert. Fast 200 Kilometer Hochspannungskabel werden dabei innerhalb des Parks und zum Festland verlegt. Jede einzelne der 48 Windkraftturbinen erzeugt später bis zu 6 Megawatt Strom.     Marco Butzkus

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