Aufräumarbeiten in Lehe kommen gut voran: Sensibler Baggerfahrer rettet Erinnerungswerte
18.06.2012
Auch drei Wochen, nachdem eine Gasexplosion in Bremerhaven-Lehe eine Schneise der Verwüstung hinterlassen hat, gibt es keine neuen Erkenntnisse zur Ursache des Unglücks. Mit großer Sorgfalt werden die Hausreste an der Unglücksstelle jetzt Stein für Stein abgetragen. Der Inhalt jeder Baggerschaufel wird akribisch nach möglichen Explosionsursachen untersucht. Dabei geborgene persönliche Gegenstände, von der Lieblingspuppe bis zum Fotoalbum werden von ihren Eigentümern sehnsüchtig in Empfang genommen.
Insgesamt drei Reihenhäuser müssen als Folge der Explosion in der Geibelstraße abgerissen werden. Die Reste des ersten Hauses liegen bereits im Schuttcontainer. Die geöffneten Seitenwände zu den beiden angrenzenden Häusern geben Einblicke in Stube, Küche und Wohnzimmer frei. Gesprungene Scheiben und herausgerissene Wände zeugen von der ungeheuren Wucht, die bei der Gasexplosion am Pfingstsonntag freigesetzt wurde. Der 68-Jährige Nachbar, der dabei schwer verletzt wurde, befindet sich noch immer in einer Spezialklinik in Hamburg. Neue Informationen über seinen aktuellen Gesundheitszustand gibt es derzeit nicht.
„Die Bilder vom Unglücksort lösen bei den Menschen in der Reihenhaussiedlung Erinnerungen an die Nachkriegszeit aus“, sagt Wolfgang Harlos der Pressesprecher der Polizei. Viele der betroffenen Anwohner könnten sich noch gut an die Zeit erinnern, als Bremerhaven ausgebombt war, so Harlos weiter. Das eigene Haus verloren zu haben und nichts zu besitzen außer dem, was man auf dem Leib trägt – der Vergleich ist in der Tat nicht ganz unpassend. Eine weitere Parallele zu der Zeit nach dem Krieg ist allerdings auch die Solidarität der Menschen untereinander. Wenn man nichts hat, ist eine helfende Hand oder ein tröstendes Wort viel wert. Die Nachbarn in der Geibelstraße unterstützen sich sehr untereinander.
Die Eigentümer der zerstörten Häuser werden von der Versicherung entsprechend entschädigt, sagt Harlos. Sie bekommen neue Häuser, Einrichtungen und Kleidung. Es gibt jedoch Dinge aus dem persönlichen Besitz, die unersetzlich bleiben wie persönliche Erinnerungsstücke, die verloren sind. Der Zugang zu den Gebäuden ist und bleibt gesperrt. Es besteht akute Lebensgefahr, da Einsturzgefahr besteht. Damit die Mitarbeiter der Spurensicherung und die Gutachter der Versicherung ihrer Arbeit nachgehen können, muss der Inhalt der Häuser Schaufel für Schaufel von einem Bagger herausgetragen werden. Im sicheren Abstand von der Gefahrenstelle wird das Geborgene dann begutachtet. Acht Beamte sind hier im Einsatz, um den Betroffenen so schnell wie möglich zu helfen.
Besonderes Augenmerk gilt dabei Elektrogeräten und anderen möglichen Explosionsauslösern. Erst, wenn alle Untersuchungen abgeschlossen wurden und eine Beschlagnahmung für nicht für notwendig erachtet wurde, werden die Gegenstände an ihre Besitzer zurückgegeben. Zum Beispiel eine kleine Vereinskasse und mehrere Familienalben haben inzwischen wieder zu ihren Besitzern zurückgefunden. „Der Baggerfahrer hat seiner Schaufel Samthandschuhe übergezogen“, scherzt man auf der Baustelle. Tatsächlich beherrscht der Mann sein Baugerät äußerst sensibel. Er schafft es, ganze Schränke fast unversehrt aus der Ruine zu heben. Die Arbeiten sollen nun sehr zügig abgeschlossen werden, um einen schnellen Wiederaufbau in der Geibelstraße zu ermöglichen. Marco Butzkus
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Mit dieser Baggerschaufel müssen die Gegenstände Stück für Stück aus den Häusern geborgen werden.

Ein Blick in das Wohnzimmer: Die Risse in den Wänden zeugen von der Wucht der Explosion.

Nichts als Trümmer sind vom Unglückshaus übrig geblieben.