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Seestadt Bremerhaven
     
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1.Klimahaus-Kongress ein Riesenerfolg: Fortsetzung im nächsten Jahr ist beschlossene Sache

23.04.2012

Dr. Andreas Spreinat, Dr. Lutz Fischer, Olaf Deters und Friedrich Bitter vor einem Aufsteller des Klimahaus-Kongresses.(v.L.)
Fachkongresse sind oft eine eher trockene Angelegenheit. Das gilt allerdings nicht, wenn es dabei um Wasser und Fische geht. Am Wochenende waren mehr als 130 Aquarianer zum 1. Klimahaus-Kongress in die Stadt gereist. Im Mittelpunkt der Tagung stand dabei die Frage, ob die Einfuhr von sogenannten Wildfängen einen schädlichen Einfluss auf den Bestand von Zierfischen hat. Das Fazit des Kongresses lautete klar: Noch keine Zierfischart wurde durch Fangentnahmen ausgerottet – durch den Bau von Staudämmen und Bohrplattformen jedoch schon.

Das „Who is Who“ der nationalen Zierfisch- und Aquaristikszene war zum Auftaktbesuch der neuen Kongressreihe ins Klimahaus gekommen. Initiator Dr. Lutz Fischer, Leiter der Aquaristik- und Terraristikabteilung des Klimahauses und somit Herr über 1 Million Liter Wasser und mehr als 1000 Tiere, zeigte sich von dem großen Zuspruch begeistert. Fischer arbeitete schon seit längerer Zeit daran, einen Kongress für Zierfischfreunde nach Bremerhaven zu holen. Sein Ziel ist dabei das Klimahaus, unter Aquarienfreunden in Deutschland und Europa, bekannter zu machen. Es hat sich noch nicht überall herumgesprochen, dass es sich dabei um ein Großaquarium handelt.

Ganz offenbar sind ihm diese Bemühungen nun geglückt. Zierfischfreunde aus ganz Europa – weit mehr als erwartet - hatten sich binnen kürzester Zeit angemeldet. Und zeigten sich von den Vorträgen, wie vom Klimahaus selber, gleichermaßen begeistert. Die hochrangigen Referenten, die an die Weser gereist waren, konnten sich mehr als sehen und hören lassen. Vom „Schmerlenpapst“ Gerhard Ott, über den Welsexperten Ingo Seidel bis hin zu Dr. Andreas Spreinat, der den Malawisee in Afrika wie kaum ein zweiter Zierfischfreund kennt.

In den Vorträgen selbst durfte der interessierte Aquarianer vieles über den Einfluss des Menschen auf die Lebensräume der Fische erfahren. So werden Fische, die eine besonders hohe Nachfrage erfahren, als „Brot und Butter-Fische“ bezeichnet. Ihr Fang ernährt in den Herkunftsländern ganze Dörfer und ist häufig deren einziger Wirtschaftszweig. Die Menschen dort wissen genau, wie sie mit ihren Fischbeständen umgehen müssen, um sich nicht selber die Lebensgrundlage zu entziehen.

Falsch verstandene Tierliebe, wie sie oft von Tierrechtsorganisationen propagandiert wird, ist hier meistens kontraproduktiv. Wenn keine Zierfische mehr verkauft werden dürfen, nimmt man den Menschen ihre Einkommensquelle. Als Folge wird dann der Wald gerodet, die Flüsse begradigt und das Land agrarkultiviert. Es entstehen dann Monokulturen wie beispielsweise die Palmölplantagen in Kamerun in Westafrika. Genau genommen ist Zierfischexport aktiver Umweltschutz. Solange die Menschen von der Natur leben müssen, werden sie diese nicht zerstören.

Der Einfluss der Industrie auf die Lebensräume der Fische ist, im Gegensatz zur Entnahme von Wildfängen, eine wirkliche Gefahr für den Artenreichtum der bunten Fische. Ingo Seidel berichtete hier über ein wahrhaftiges Schreckgespenst unter Aquarianern. Dem Belo-Monte-Staudammprojekt am Rio Xingu, einem 2500 km langen Zufluss des Amazonas. Insgesamt sieben Dämme sollen hier Energie für eine Industrie erzeugen, die es noch gar nicht gibt. Durch diesen massiven industriellen Eingriff in das Fließverhalten des Flusses werden Dutzende Zierfischarten, die nur hier beheimatet sind, aussterben. Darunter einige der beliebtesten der Welt.

Ein ebenfalls sehr interessantes Thema waren die sogenannten „Positivlisten“. Diese Listen werden beispielsweise vom staatlichen Institut für Umwelt und Naturressourcen in Brasilien (IBAMA) erstellt. Nur die Fische, die auf dieser Liste vermerkt sind, dürfen exportiert werden – alle anderen nicht. Leider wird dabei nicht der Bestand der Tiere als Kriterium genommen, sondern die internationale Nachfrage. Oft entstehen diese Listen in reiner Willkür, wie Jens Gottwald, ein Zierfischexporteur mit Fangstation in Brasilien zu berichten wusste.

Als echten „Rockstar“ der Szene kann man Marco Hasselmann bezeichnen. Der Revierleiter der Süßwasserabteilung des Berliner Zoo-Aquariums berichtete in heftigster Berliner Mundart und von zahlreichen Anekdoten gespickt über seine Reiseerfahrungen in Afrika. Er referierte allerlei Interessantes über die afrikanische Zierfischwelt und eine optimale Expeditionsvorbereitung.

Der afrikanische Voodoo-Kult, sowie der tägliche Umgang damit, in der Welt der Einheimischen hatte es ihm besonders angetan. So erfuhr der geneigte Zuhörer sehr lebhaft, dass der Neid auf das neue Auto des Nachbarn, gerne mal mittels „Verfluchens“ beim Voodoopriester gelöst wird. Sollte der „Verfluchte“ nicht genug Geld für einen Gegenzauber haben, sei er quasi erledigt - so Hasselmann. Er wird von der Gemeinschaft so lange isoliert und ausgegrenzt, bis er in die Existenzlosigkeit verschwunden ist.

Beim abendlichen „Come Together“ im Klimahausrestaurant konnte dann, bei einem sehr „fischlastigen“ Buffet, geschlemmt und diskutiert werden, was das Zeug hält. Zusätzlich gab es die Gelegenheit die Ausstellung zu besuchen. Dr. Fischer gewährte darüber hinaus in Backstage-Führungen Einblicke in die Quarantänestation und in die Technikbereiche des Klimahauses.

Die Resonanz des 1. Klimahaus-Kongresses bestärkte Fischer sehr deutlich in seiner Absicht daraus eine regelmäßige Veranstaltungsreihe zu machen. Im kommenden Jahr ist der Kongress bereits organisiert. Dann allerdings wird es um die Meerwasserwelt gehen. Unter den diesjährigen Kongressteilnehmern herrschte jedoch eine klare Meinung dazu, dass spätestens 2014 wieder ein Süßwasser-Kongress nach Bremerhaven gehöre.   Marco Butzkus

externer Link:  Panoramablick im Klimahaus 

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