In der Astrid-Lindgren-Schule (ALS) in Lehe wiegt der Zeitdruck nicht ganz so schwer. Hier wird derzeit ein gesamter Gebäudeflügel zur Kindertagesstätte umgebaut. Vom vorhandenen Raum kann die ALS auf Grund rückläufiger Schülerzahlen einen Teil abgeben. Die Stadt nutzt diesen Umstand, um die gesetzlichen Vorgaben zur Kinderbetreuung zu erfüllen: Bis 2013 müssen 35 Prozent der Altersgruppe bis zu drei Jahren mit einem Platz in der Tagesbetreuung versorgt sein.
Die neue Kindertagesstätte soll erst im November in Betrieb genommen werden. Zudem beeinträchtigt der Umbau den Schulbetrieb nur wenig, da er sich auf einen Flügel des Gebäudes beschränkt. Für den städtischen Wirtschaftsbetrieb Seestadt Immobilien, in dessen Verantwortung alle Arbeiten in den Schulen liegen, bleibt der Start ins neue Schuljahr trotzdem eine Marke. „Wir wollen erreichen, dass alle lärmbelästigenden und störenden Arbeiten bis zum Ende der Ferien beendet sind", sagt Lothar Wöhlken, Technischer Betriebsleiter bei Seestadt Immobilien. Ob's wirklich damit klappt, „das wissen wir meist erst an den letzten zwei, drei Tagen".
Um den Zeitplan gar nicht erst zu gefährden, setzen die Vorarbeiten so früh wie möglich an. „Die Bücherei haben wir schon vor den Ferien verlegt", berichtet Carsten Block, betreuender Architekt von Seestadt Immobilien, über den Vorlauf an der Astrid-Lindgren-Schule. Ganz oben im Schultrakt befindet sich nun die Bücherei, dadurch ist auch der letzte belegte Raum im Kita-Flügel freigegeben.
45 Kinder wird der neue Kita-Bereich beherbergen, davon 15 Kinder unter drei Jahren, die besonders behütet sein wollen. Deshalb werden derzeit in der Astrid-Lindgren-Schule nicht nur Decken und Fußböden verschönert, Türen versetzt und sanitäre Einrichtungen erneuert. „Die Anforderungen sind anders als sonst an eine Kita", sagt Lothar Wöhlken über die Bedingungen, für die Kleinsten unter drei Jahren die angemessene Umgebung zu schaffen, und deutet auf die Heizkörper. Die dürfen nicht wie üblich genutzt werden - zu heiß für kleine Finger. Vorschrift ist, dass die Heizungsanlage eine bestimmte Temperatur nicht überschreitet. Für Seestadt Immobilien bedeutet das, an der Fernwärmeheizung der ALS einen vollkommen neuen Strang zu schaffen, dessen Heizleistung über eine eigene Regelanlage gesteuert werden kann. Diese Lösung erlaube der Kita zudem andere Nutzungszeiten als die der Schule, so Wöhlken, also auch in den Ferien.
Im nächsten Raum steht noch ein ganz anderes Vorhaben an: Die Handwerker werden im Bereich der Fenster einen Notausgang schaffen, der hinaus aufs Vordach führt. Doch das reicht nicht aus: Damit die Kleinen mit ihren Betreuern sofort in Sicherheit gelangen können, muss noch eine Treppe angebaut werden, die von oben an der Aula entlang auf die Straße hinunterführt. „Ein teures Vergnügen", merkt Wöhlken an. Am Ende werde diese Treppe einen erheblichen Anteil an den Gesamtkosten für den Ausbau ausmachen. Die belaufen sich auf 280 000 Euro. 32 000 Euro davon sind für Umbauten auf dem Hof bestimmt. „Die Kita erhält einen abgezäunten Bereich, damit die Kleinen nicht türmen", erläutert Wöhlken.
Die finanziellen Mittel für die Umbauten in den Schulen stammen aus dem Konjunkturpaket II des Bundes. Davon verwendet der Wirtschaftsbetrieb Seestadt Immobilien für die Arbeiten in den Kaufmännischen Lehranstalten (KLA) noch ein wenig mehr als für die Lindgrenschule: Bei etwa 300 000 Euro werden laut Wöhlken die Ausgaben hier liegen.
Die fließen zum einen in 31 Rauchschutztüren, um den aktuellen Sicherheitsvorschriften Genüge zu tun. Weitere Zahlen hat der externe Architekt Uwe Seedorf parat, dem Seestadt Immobilien angesichts der Fülle von Umbauten in den Schulen die Baustellenbetreuung an den KLA übertragen hat: 400 Quadratmeter neue Bodenbeläge, 650 Quadratmeter Akustikdecken sowie Anstricharbeiten innerhalb des Gebäudes auf 3400 Quadratmetern. Und auch hier gestaltet der Termindruck die Arbeitszeiten der Handwerker. „Die Maler waren bereits an zwei Sonnabenden hier", berichtet Seedorf. „Davon hängen ja auch die Folgegewerke ab."
Während bei den sanitären Anlagen im Altbau noch mächtig an den Wänden aufgestemmt wird, sieht das Lehrerzimmer schon vorzeigbar aus. Hier setzen Handwerker Deckenplatten zur Schalldämmung ein. Die Zahlen dazu liefert diesmal Carsten Block: „Vorher lag die Nachhallzeit bei 1,3 Sekunden, nach dem Einbau sind es 0,6 Sekunden." Beim Wandeln von Zimmer zu Zimmer ist der Unterschied zu spüren: Der schallgeschützte Raum sieht nur leer aus, der ungedämmte klingt auch so. Aus gutem Grund bauen die Handwerker die Dämmplatten auch in die Unterrichtsräume ein: Erste Probleme beim Hörverständnis der Schüler sind schon aufgetreten, wie Lothar Wöhlken zu berichten weiß. Wenn das Anbringen von Akustikdecken dazu beitragen kann, dass eine Schulklasse ihre Lehrer besser versteht, dann werden ja vielleicht noch andere Schülerträume als die vom Unterrichtsausfall durch Bauarbeiten wahr. Susanne Schlatow
Originaladresse des Artikels: http://www.bremerhaven.de/meer-erleben/stadt-haus/pressemitteilungen/2010/07/20/ferien-fuer-die-einen-hochbetrieb-fuer-die-anderen-handwerker-im.29899.html
© bremerhaven.de 2009