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Feuerschiff "Elbe 3" feiert 100. Geburtstag

25.08.2009

Halbzeit der Sanierung – Deutsches Schiffahrtsmuseum braucht noch zwei Jahre für die Wiederherstellung

Baubesprechung auf der Elbe 3
Auf den ersten Blick sah es von außen immer noch ganz ansehnlich aus. Aber das täuschte. Als Jörg Geier (62) seine Handwerker 2004 an die Arbeit schickte, um sichtbare Schäden am Feuerschiff „Elbe 3" zu reparieren, kam ihnen fast das halbe Schiff entgegen. Aus der Reparatur wurde und wird nun eine Grundsanierung bei Anwendung strenger musealer Grundsätze. Und das dauert. Der Chef der Museumswerkstätten des Nationalmuseums Deutsches Schiffahrtsmuseum rechnet mit weiteren zwei Jahren. Aber dann soll die 1909 gebaute Eider-Lotsgaliot IV wieder in neuem Glanz den Museumshafen schmücken. Wie das aussieht, kann man zum 100. „Geburtstag" am 12. September 2009 zumindest von außen schon sehen.

„Elbe 3" ist kein normales Feuerschiff, wie es noch vor gut 40 Jahren auf vielen Seestationen in Nord- und Ostsee seinen Dienst tat. 1909 wurde der rote Dreimaster auf der Eiderwerft in Tönning im Auftrag der der Königlichen Wasserbau-Inspektion als Feuerschiff „Eider" gebaut - ein 44 Meter langer Segler mit zehn Meter langem Klüverbaum, als Schoner getakelt, ohne Hilfsmaschine, dafür aber mit einer etwa 150 qm großen Besegelung. Sie sollte verhindern, dass bei einem Ankerbruch, das Feuerschiff - damals noch mit Petroleumlichtern ausgestattet - selber zum Opfer der Sandbänke vor der Eider wurde.

Trotzdem passierte das dreimal. Aber die Besegelung half da auch nicht. Zuletzt musste ein Bergungsschlepper in der berüchtigtem Sturmflutnacht 1962 den mühsam segelnden Dreimaster auf den Haken nehmen. Feuerschiffe lebten zu allen Zeiten gefährlich. Viermal wurde „Elbe 3" gerammt, war in beiden Weltkriegen eingesetzt und bis zum Mai 1967 im aktiven Einsatz.

Seit 42 Jahren ist das Segel-Feuerschiff mit dem eleganten, sehr seetüchtigen Klipperrumpf eines der schönsten Originale in der Flotte des Deutschen Schiffahrtsmuseums. Was man von außen nicht sieht, ist der eigentliche Schatz der „Elbe 3", die zwischendurch auch „Bürgermeister Abendroth" hieß: Die Inneneinrichtung, die noch dem Original aus dem Jahre 1909 entspricht. Jörg Geier: „Das ist eine Top-Einrichtung, die wir nicht ohne Grund sorgfältig ausgebaut und zur Restaurierung eingelagert haben." „Wie eine Puppenstube. Ein Schmuckstück", schwärmt er und erinnert: „Wir wissen ja, dass der Erhalt unserer Schiffe sehr aufwändig ist und DSM-Direktor Prof. Dr. Lars U. Scholl ergänzt: „Aber wir wollen auf jeden Fall unsere Schiffe erhalten. Was wir bisher machen konnten, ist astrein."

Jetzt suchen Scholl und Geier nach einer Möglichkeit, möglichst publikumsorientiert die Sanierung und Restaurierung der „Elbe 3" im Unterwasserbereich fortzusetzen. Und auch das ist nicht so einfach. „Das ist nicht irgendein Segler", erinnert Scholl an den herausragenden Wert des Feuerschiffs, das zugleich auch Lotsenstation war. „Elbe 3" soll noch in ihrem Jubiläumsjahr an Land gesetzt werden; denn nach der mühsamen Sanierung des Decks und Rumpfes über Wasser muss nun am Unterwasserschiff genietet werden. Nieter aber sind im deutschen Schiffbau „ausgestorben". Nur wenige verfügen noch über Kunst und Handwerk dieser alten Schiffbautechnik.

Hinzu kommt, dass 1909 die Stahlfertigung nicht den hohen Standard unserer Zeit hatte. Auf der Eiderwerft wurde das Feuerschiff aus „Puddel-Stahl" gebaut - einer „zusammen gerührten" Eisen/Stahl-Mischung mit hohem Kohlenstoffanteil. Das Ergebnis: Nach 100 Jahren ist der Stahl sehr porös, Spanten und tragende Konstruktionsteile kann man wie Blätterteig abnehmen. Hier war bei der Sanierung  „besonderes handwerkliches Geschick gefordert" lobt Jörg Geier seinen Schlosser Cersten Schmedes; denn das völlig durchrostete Deck wurde komplett herausgenommen, ein Stahldeck eingezogen, Wassergänge aus neuem Stahl mühsam mit der alten Konstruktion verbunden - eine komplizierte Aufgabe, die Geduld und Können verlangte. Jetzt erhält das Stahldeck eine neue Decksauflage aus Oregon Pine - wie vor 100 Jahren.

Und wie vor 100 Jahren wird auch wieder der Taubenschlag an Bord installiert. Was sich wie Seemannsgarn anhört, ist ein Teil der Geschichte dieses ungewöhnlichen segelnden Feuerschiffs: Brieftauben brachten von Bord Nachrichten an Land. Und mit dem Austausch der Besatzungen wurde bis zum 1. Weltkrieg auch immer der Taubenschlag an Bord neu gefüllt mit fliegendem Telefonersatz.

Erst wenn der komplette Rumpf fit für die Zukunft ist, wird auch die alte Einrichtung wieder eingebaut; denn das Deutsche Schiffahrtsmuseum will die „Elbe 3" künftig auch wieder als Veranstaltungsort anbieten und die alte, sehr stilvolle Messe des Feuerschiff-Seglers mit neuem Leben erfüllen. Zwei Jahre wird das aber sicherlich noch dauern, sind sich Scholl und Geier einig. Denn bei der Sanierung geht es hauptsächlich um museale Wiederherstellung eines Originals und nicht „um irgendein Schiff". Nach fast sieben Jahren soll dann „Elbe 3" wieder in neuem Glanz erstrahlen.

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