Das Klimahaus Bremerhaven 8° Ost hat nicht nur in den absoluten Besucherzahlen einen hervorragenden Start absolviert, sondern auch in der Bewertung durch das Publikum beste Noten bekommen. Das belegt eine Analyse der Hochschule Bremerhaven, die Prof. Dr. Heike Simmet und Klimahaus-Geschäftsführer Arne Dunker zusammen mit der ersten Halbjahresbilanz vorgestellt haben. Ein Ergebnis der regelmäßigen Besucherbefragung: Fast jeder der mehr als 450 000 Besucher - genau 96 Prozent - will das Klimahaus als Reiseziel auf jeden Fall weiter empfehlen. Zudem hat sich in der Bremerhavener Bevölkerung der Studien zufolge eine vor dem Baubeginn vorherrschende Skepsis ins Gegenteil gewandelt.
Seit Beginn des Publikumsbetriebes am 27. Juni 2009 ließ das Klimahaus regelmäßig Besucherbefragungen, an rund 2300 repräsentativ ausgewählten Besuchern durch den Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Bremerhaven vornehmen. Die ausgewerteten Daten geben genauen Aufschluss über die Besucherstruktur und darüber, wie die Gäste das Klimahaus beurteilen. „Diese Daten sind einerseits eine tolle Bestätigung für unsere Arbeit; andererseits geben sie gezielte Hinweise für Verbesserungsmöglichkeiten und sind zugleich ein gutes Kontrollinstrument für den Erfolg", so Klimahaus-Geschäftsführer Arne Dunker.
Daten und Fakten aus der Besucherbefragung:Die Besucher kommen zum überwiegenden Teil aus den Ländern Niedersachen (34 Prozent), Bremen (28 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (13 Prozent). Allerdings sind innerhalb der Gästestruktur alle Bundesländer vertreten. Selbst aus Süddeutschland kamen noch drei Prozent. Während der Sommermonate lag der Anteil der auswärtigen Besucher bei mehr als 80 Prozent; mit Beginn des Winters stieg der Anteil der Bremerhavener unter den Gästen auf bis zu 35 Prozent an; im Sommer hatte er noch bei zehn Prozent gelegen.
Die meisten Besucher (76 Prozent) kamen gezielt nach Bremerhaven um das Klimahaus zu besuchen. Während der Ferienmonate lag die durchschnittliche Verweildauer der Mehrtagesbesucher bei drei zu fünf Tagen; außerhalb der Ferienzeit blieben derartige Gäste etwa zwei Tage in der Stadt. Tagesgäste verbrachten unabhängig von Ferienzeiten sechs bis etwas mehr als sieben (7,36) Stunden in der Stadt.
Mehr als 50 Prozent der Mehrtagesgäste übernachteten in gewerblichen Beherbergungsbetrieben; 31 Prozent wohnten bei Verwandten, Freunden oder Bekannten. Während ihres Bremerhaven-Aufenthaltes interessierten sich die meisten Besucher noch für andere Angebote in der Stadt: 25,5 Prozent besuchten noch ein Restaurant, 22,5 Prozent gingen Einkaufen; 13 Prozent bummelten durch die Stadt.
Arne Dunker: „Diese Zahlen belegen, dass die Stadt ihr Ziel erreicht hat, über die Ankerattraktion Klimahaus den Tourismus als Wirtschaftsfaktor zu stärken."Im Klimahaus hielten sich die Besucher zwischen 3 Std. 23 min (Juni/Juli) und 3 Std. 40 min (Ende November) auf. Während im ersten Vierteljahr naturgemäß die „Erstbesucher" die Gästestruktur dominierten, wächst mittlerweile kontinuierlich der Anteil der Besucher, die schon das zweite oder sogar das dritte Mal im Haus sind - im Dezember lag der Gesamtanteil dieser Gruppe bereits bei 13 Prozent.
Im Mittelwert über den gesamten Untersuchungszeitraum gaben 59 Prozent der Befragten an, aus „Interesse/Neugier" ins Klimahaus gekommen zu sein. Beim Blick auf die einzelnen Monatszahlen fällt allerdings auf, dass die Motivation „um etwas zu lernen" sowie „wissenschaftliches Interesse" deutlichen Zuwachs erfahren.
Arne Dunker: „Diese Aspekte unterstreichen, dass unser Konzept aufgegangen ist, Menschen über ein einzigartiges Erlebnis an ein wichtiges, komplexes Thema heranzuführen. Auffällig ist die Parallelentwicklung zwischen der Besuchermotivation und der öffentlichen Klimadiskussion: Mit der wachsenden Berichterstattung über die Klimakonferenz in Kopenhagen ist auch die Bereitschaft und das Interesse zu lernen gewachsen." Zudem sehen sich die Klimahaus-Planer durch die wachsende Zahl der Mehrfachbesucher in ihrem Konzept bestätigt.
Gute Noten für das KlimahausMit Spannung hatte das Klimahaus-Team die Benotung erwartet, die die Besucher in der unabhängigen Hochschul-Befragung abgeben konnten. Die Gäste wurden dabei zu einzelnen Aspekten befragt und konnten dafür Schulnoten zwischen 1 und 6 vergeben. In der Gesamtbewertung bekam das Klimahaus die Note 1,84. Wenn man die einzelnen Monatswerte miteinander vergleicht, ist die kurze, aber klare Lernkurve besonders auffallend. Während die Besucher in der absoluten Anfangsphase noch Noten etwas oberhalb der „2" (die „schlechteste" Note lag bei 2,48) vergaben, verbesserte sich die Bewertung ab August auf werde zwischen 1 und 2, die dann kontinuierlich gehalten wurden.
Arne Dunker: „Diese Entwicklung spiegelt zum einen wider, dass wir praktisch ohne jede Vorlaufphase von 0 auf 100 gestartet sind und mit den entsprechenden Anfangsproblematiken zu kämpfen haben; zum andern zeigt sie aber auch, dass wir sehr schnell und effizient für Verbesserungen gesorgt haben." Hier einzelne Ergebnisse im Mittelwert (in Klammern die Bandbreite Juni - Dezember) des Befragungszeitraumes:
Preis-/Leistungsverhältnis: 2,08 (2,48 - 1,8)
Unterhaltungswert: 1,95 (2,25 - 1,68)
Informationsgehalt: 1,83 (2,22 - 1,65)
Verhalten der Mitarbeiter: 1,57 (1,81 - 1,38)
Arne Dunker: „Die sehr gute Benotung für unser Team freut mich ganz besonders. Sie spiegelt das hohe Engagement der Beschäftigten wider. Für mich zeigt es, dass wir unserem Anspruch gerecht werden konnten, hochwertige und interessante Arbeitsplätze in einer Stadt zu schaffen, die über Jahre mit besonderen Arbeitsmarktproblemen zu kämpfen hatte." Das Klimahaus-Team zählt mehr als 160 Köpfe mit unterschiedlichen Qualifikationen von der Geophysikerin bis zur angelernten Kraft. Deutlich mehr als die Hälfte der Beschäftigten kommt aus Bremerhaven; mehr als 40 Mitarbeiter waren zuvor arbeitslos, zum Teil auch über längere Zeiten.
Stimmungsumschwung in Bremerhaven - Vergleich 2005/2009Weil die Tourismus-Planungen für das Gebiet Alter/Neuer Hafen in Bremerhaven über Jahre heftig umstritten waren, haben die Klimahaus-Betreiber bereits im Jahr 2005 - also knapp ein Jahr vor der Grundsteinlegung - eine Bürger-Befragung zur Einschätzung des Projektes veranlasst. Jetzt wurden dieselben Punkte erneut in einer repräsentativen Befragung getestet.
Einige ausgewählte Ergebnisse:
55,1 Prozent der Bremerhavener glauben heute, dass das Klimahaus den Bekanntheitsgrad ihrer Stadt steigern wird - 2005 waren es nur 23,6 Prozent.
72,4 Prozent glauben heute, dass das Klimahaus erheblich mehr Touristen in die Stadt holen wird - 2005 waren es lediglich 30,1 Prozent.
Nur 4,07 Prozent zweifeln heute daran, dass das Klimahaus das Image der Stadt verbessern wird - 2005 war die Zahl der Skeptiker noch sieben Mal so hoch.
Arne Dunker: „ Wir wollten von Anfang an eine Attraktion schaffen, die einen engen Bezug zu Bremerhaven hat und von der Bevölkerung akzeptiert wird. Dass sich der Stimmungsumschwung quer durch alle Bereiche zieht, empfinden wir deshalb als besondere Anerkennung."
Diese Anerkennung hat sich auch quer durch die deutsche Medienlandschaft gezogen. Vom 1. Juni bis zum 31.12.2009 registrierten die Experten der ift Freizeit- und Tourismusberatung GmbH in Köln allein in Deutschland rund 3300 Artikel in 155 Tageszeitungen, 122 Fach- und Pubklikumszeitschriften, 17 Sonntags- und 28 Wochenzeitungen bzw. Anzeigenblättern. 94 Prozent der Artikel fielen positiv oder neutral aus. Diese Berichterstattung erreichte dabei eine Gesamtauflage 89,8 Millionen Exemplaren. Der Mediengegenwert dieser Veröffentlichungen betrug laut ift 54,3 Millionen Euro. Innerhalb eines halben Jahres erzielte das Klimahaus damit für Bremerhaven einen Medienwert in Höhe von mehr als 50 Prozent der öffentlichen Investitionssumme.