Es war schön, als Nordic Walker fehlte mir aber der Anreiz
Liebes Nordseelauf-Team,
als Teilnehmer von 7 der 8 Etappen am diesjährigen Nordseelauf möchte ich Euch meine Meinung dazu nicht vorenthalten.
Erst einmal möchte ich dem Team für die Bewältigung der Organisationsaufgaben, die ein solcher Lauf mitbringt, meine Anerkennung und meinen Respekt aussprechen. Ich möchte nicht wissen, wie lange die Organisatoren schon mit der Vorbereitung zu tun hatten. Die Organisation der Ausgabe der Startunterlagen mit den bestellten Vouchern klappte einwandfrei. Und das Team vor Ort war stets freundlich und jederzeit bemüht, allen bei Fragen oder Hilfestellungen weiter zu helfen ? einfach großartig! Das verdient noch mehr Anerkennung, wenn man sich vergewissert, dass die Helfer mehrere Aufgaben während eines Tages erledigten. Sie machten sich vom Aufbau bis zum Abbau der Stände nützlich und halfen während der Läufe als Trainer weiter oder wiesen den Läufern/Walkern an markanten Stellen den Weg und feuerten sie auch begeistert an.
Auch ist ja wohl die Einholung eines Feedbacks ein Zeichen dafür, dass Ihr Dinge, die nicht nach dem Wunsch der Teilnehmer verlaufen sind, verändern wollt.
Dominik war das Herzstück des Start- und Zieleinlaufs. Mit seinen witzigen Kommentaren und Beiträgen, seiner Schlagfertigkeit brachte er uns alle zum Lachen und vertrieb uns manche langweilige Minute des Wartens.
Der Nordseelauf war ein riesengroßes Spektakel. Überall wo wir auftauchten, rockten wir die Orte und Inseln. Auch wurden den Teilnehmern während der Laufstrecken die wunderbare Landschaft der Küstenregion und der Inseln näher gebracht, die man so vielleicht gar nicht kennen gelernt hätte.
Aber wo viel Licht ist, da ist nun auch einmal Schatten.
Als Nordic Walker muss ich mich wohl schämen; denn ich war kein Läufer und demnach nur am Nordseelauf als Teilnehmer geduldet. Oder waren es zusätzlichen Startgebühren, die die Organisatoren dazu veranlassten, auch Walker und Nordic Walker an dieser Veranstaltung teilnehmen zu lassen? Man maß die Zeiten dieser Teilnehmer, würdigte aber zu keiner Zeit die Ergebnisse, die sich m. E. nicht zu verstecken brauchten. Eine kleine Urkunde für die ersten drei mit entsprechender Anerkennung bei den Siegerehrungen wäre bestimmt nicht zu viel verlangt gewesen. Das manche (wenige) Nordic Walker für kurze Zeit ihre Stöcke und den Arm geklemmt haben und sich durch Laufen unsportlich Vorteile verschafften ist zwar bedauerlich. Da aber jeder Lauf ein Spaßlauf war, interessiert es sowieso niemanden. Aber keine Angst, von der Krankheit "Nordic Walking", wie mir manche Läufer dazu in ironischer Weise steckten, werde ich in nächster Zeit nicht geheilt werden.
Wenn man mittels digitaler Technik die Möglichkeit hat, die Nettozeiten der Teilnehmer an dem Lauf zu nehmen, warum nutzt man das nicht aus? So könnte man ja auch das Läuferfeld in Gruppen auf die Strecken schicken. O.K. ? wenn sowieso alles Spaßlauf ist, dann kommt es ja auch um 20 bis 30 Sekunden, die die Nordic Walker nach dem Startschuss über die Linie auf die Strecke gehen, nicht drauf an.
Die Strecken wurden, soweit ich es mitbekommen habe, von den Sportvereinen vor Ort ausgesucht. Das auch einmal Sandstrecken mit dabei waren, empfand ich gar nicht so schlimm. Aber es sollte doch vermieden werden, dass Strecken ausgewählt werden, die sich wie in Schillig geschehen berühren und sogar schneiden. Auch sollte immer so viel Platz auf den Wegen vorhanden sein, dass Läufer und Walker sich ungefährdet überholen können. In Bremerhaven waren die Markierungen für die Strecke teilweise nur auf dem Boden gesprüht worden. Hier war die Streckenführung nicht immer eindeutig zu erkennen. Es fehlte hier eindeutig an Einweisern. Beim Leuchtturmlauf im Land Wursten wurde wieder einmal deutlich, dass den/die Letzten ? gemeint sind natürlich die Walker und Nordic Walker ? die Hunde beißen: "Wer zu spät kommt, der kriegt auch unterwegs kein Wasser!"
Dominik wurde ja schon lobend erwähnt. Doch manchmal wäre es besser gewesen, er hätte lieber nichts gesagt. Wenn nun jeder im Zieleinlauf mit Namen und evtl. auch mit Herkunftsort begrüßt wird, dann wird das spätestens am 2. Tag langweilig für das Publikum. Die Leute können ja selber die Namen auf den Start-Nummern lesen. Da sollte sich Dominik doch zukünftig eine andere Form der Moderation einfallen lassen. Auch waren die Lautsprecher so laut, dass die Ansagen und Musik oft in das weite Land hinein getragen wurden. Muss das so sein? Weniger ist gerade hier am "Weltnaturerbe Wattenmeer" oft mehr.
Bei der Verlosung von Preisen nach der Siegerehrung wurden viele Startnummern gezogen, die bereits einen Preis tags zuvor erhalten hatten. Mittels einer kleinen Excel-Routine ließe sich hier zukünftig Abhilfe schaffen. Auch hege ich den (Anfangs-)Verdacht, dass die Walker und Nordic Walker von der Verlosung ausgeschlossen waren.
Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft der evangelischen Kirche (Kirche im Tourismus Region Nord) unter dem unübersehbaren Motto: "Mach nicht halt ? lauf gegen Gewalt!" Es ist ja immer schön, wenn man sich für eine gute Sache aufopfert und kämpft. Ich bin ja froh, dass ich auch der evangelischen Glaubengemeinschaft angehöre. Trotzdem weiß ich immer noch nicht, was die evangelische Kirche hier zu suchen hatte? Warum richtete man nicht abseits von Start und Ziel einen Andachtsraum ein, in dem jegliche Formen des christlichen Miteinanders gepflegt werden können? Hatte man Angst, dass dieser Ort dann überlaufen wäre und man aufgrund des großen Andrangs lieber gleich alle vor dem Start mit der frohen Botschaft beglückte oder mit mahnenden Worten über die eigene Endlichkeit aufrüttelte? Wären wohl auch so viele gekommen, wenn eine Moslembruderschaft an Stelle der evangelischen Kirche mit einem entsprechenden Slogan für den Nordseelauf geworben hätte? Ich bin der Meinung, die Kirche sollte sich hier nicht so in den Vordergrund schieben. Neue Horizonte kann man dann immer noch entdecken ? gewollt oder ungewollt.
Mein Fazit zum Nordseelauf: es war schön, gut organisiert, für alle Läufer eine Win-Win-Situation. Für mich als Nordic Walker stellt sich für das nächste Mal nicht die Frage nach dem Mitmachen, da mir leider der nötige Anreiz für eine Teilnahme fehlt.
Liebe Grüße sendet aus Walsrode
Andreas Trautmann