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Leuchtturm Roter Sand: Historisches Wahrzeichen wieder zum Strahlen gebracht

05.01.2012

Der Leuchtturm Roter Sand: Ein Ort für besondere Perspektiven
Er ist das Sinnbild für Küsten-Romantik, Ingenieurskunst und Seefahrt schlechthin:  der Leuchtturm Roter Sand vor der Küste Bremerhavens. Seit mehr als 125 Jahren steht der rot-weiß-gestreifte Turm in der Wesermündung und trotzt Stürmen, Wellen und Salzwasser. Kein Wunder also, dass das erste Offshore-Bauwerk der Welt in regelmäßigen Abständen eine Schönheitskur braucht. Rund 163.000 Euro hat die letzte Verjüngungskur gekostet. Schwimmkran, Maler und Schweißer sind angerückt, um den Leuchtturm Roter Sand wieder ansehnlich zu machen. Immerhin ist der bekannte Leuchtturm auch das einzige Hochsee-Hotel Deutschlands.

Die aggressive und salzhaltige Luft nagt stetig an dem hoch aufragenden Turm. Mit seinen rund 30 Metern sichtbarer Höhe und dem mächtigen schwarzen Sockel wirkt er zwar so, als ob ihm das nichts anhaben könnte. Doch damit der Leuchtturm Roter Sand der rauen Umarmung der Nordsee widerstehen kann, braucht er alle acht bis zehn Jahre tatkräftige Unterstützung. Der Sockel des Bauwerkes wird mit einem Druck von 500 Bar hochdruckgereinigt. Tiefe Auswaschungen im Fundament müssen verfüllt werden. Ein Job, der nur bei Ebbe möglich ist. Risse, Rost und Lochfraß im Stahlmantel werden sorgfältig verschweißt, ausgebessert und versiegelt. Dann wird zu guter Letzt noch die rot-weiße Hülle mit frischer Farbe wieder zum Strahlen gebracht. Ein regelmäßiger Kraftakt, für den alle Beteiligten draußen auf der Nordsee vor allem eines brauchen: gutes Wetter.

Bereits 1885 - fünf Jahre nach Baubeginn – galt der Leuchtturm Roter Sand als das wichtigste Ansteuerungssignal in der Außenweser und als ein Wunderwerk deutscher Baukunst. Heutzutage ist das architektonische Kleinod vor allem der Inbegriff von Seemannsromantik. Unzähligen Seefahrern und Auswanderern war er auf ihren Reisen hinaus in die Welt ein letzter Abschied und ebenso vielen der erste Gruß bei der Heimkehr. Die Pioniertat des Offshorebaus – Ende des vorletzten Jahrhunderts - brachte dem Turm 125 Jahre später den Titel externer Link:  „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“ ein - eine sehr seltene Ehre. Seit 2004 kann man den Leuchtturm Roter Sand sogar kaufen – als Sondermarke der Deutschen Post.  Auch zahlreiche Gemälde und Postkarten aus mittlerweile drei Jahrhunderten schmücken sich mit dem bekannten Turm.

Es stand jedoch nicht immer rosig um die Zukunft des markanten Leuchtfeuers in der Außenweser. 1964, nach 79 Jahren treuen Dienstes, wollte man den rot-weißen Turm dem "Blanken Hans" – der tobenden Nordsee - überlassen. Denn inzwischen war der Leuchtturm „Alte Weser“ in direkter Nachbarschaft als modernes Radar-Richtfeuer gebaut worden. Der Rote Sand wurde außer Dienst gestellt. Sein Schicksal schien besiegelt.

Allerdings löste die Sympathie für das maritime Wahrzeichen Protestwellen der Empörung aus. Ein externer Link:  Förderverein gründete sich und engagierte Bürger protestierten gegen die Pläne. 1978 schließlich setzte sich der Magistrat der Stadt Bremerhaven gemeinsam mit der Bremischen Bürgerschaft geschlossen für den Erhalt des Turmes ein. 1982 wurde er unter externer Link:  Denkmalschutz gestellt. In einem spektakulären, technischen Kraftakt wurde mit Hilfe eines Schwimmkrans eine riesige stählerne Manschette über den Turm gehievt, heruntergelassen und so das Fundament stabilisiert. Der Turm konnte erhalten werden und wurde saniert.

Der Rote Sand ist heute  für die touristische Vermarktung Bremerhavens ein absoluter Hauptgewinn, wie Jochem Schöttler von der BIS Bremerhaven Touristik meint: „Diesen Turm kennt man in der ganzen Welt – und jeder verbindet ihn auch mit Bremerhaven.“  Es gibt aus Schöttlers Sicht nur wenige vergleichbare Imageträger für die Stadt. Umso bedauerlicher sei es, dass seit dem vergangenen Jahr keine Gästefahrten zum Turm und auch damit dort auch keine Übernachtungen mehr stattfinden konnten. Das bisherige Zubringerschiff – der historische Schlepper Goliath – wurde außer Dienst gestellt. Der Rumpf hätte aufwändig erneuert werden müssen und die Reparatur hätte die finanziellen Mittel des Schiffseigners weit überstiegen.

Die BIS Bremerhaven Touristik arbeitet seitdem mit Hochdruck daran, ein neues Zubringerschiff für den Roten Sand zu organisieren. „Pro Saison sind etwa 150 Übernachtungen möglich. Das Gesamtpaket war oft bereits 14 Tage nach Bekanntgabe ausgebucht“, sagt Schöttler. Schon jetzt müssten Interessenten mit Wartezeiten für eine Übernachtung rechnen - sollte das Hochseehotel morgen wieder die Schotten öffnen. „Leider ist durch die besondere Lage des Turmes, sowie die Anlegesituation dort, längst nicht jedes Schiff als Zubringer geeignet“, bedauert Schöttler. Die schwierige Wasser- und Wetterlage schränke die Auswahl der in Frage kommenden Schiffe sehr ein. „Und Arbeitsschiffe – die ohne Zweifel dafür einsetzbar wären -  dürfen keine Zivilpersonen befördern“, so Schöttler weiter.

Ideal wäre also ein alter Schlepper, für ca. 30 Personen, der über Wassertanks mit Pumpe verfügt und mit dem Personentransfer seinen Unterhalt verdienen könnte. Im Moment ruhen die Hoffnungen der BIS Bremerhaven Touristik auf dem externer Link:  Dampfer WELLE, einem alten Dampfschiff, das vom gleichnamigen Verein in Bremerhaven restauriert und wieder in Fahrt gebracht wird. Für andere Vorschläge hat man bei der BIS jedoch immer offene Ohren, unterstreicht Schöttler. Dort steht man Gewehr bei Fuß und würde lieber gestern als Morgen wieder mit Gästen zum Leuchtturm Roter Sand aufbrechen.

Seinen Namen verdankt der Turm mit den drei Erkern übrigens dem Ort, an dem er steht. Der Rote Sand ist eine Untiefe, eine Muschelbank in der Außenweser, die für ihren roten Muschelkalk bekannt ist. Mit einer Senkkastentechnik wurde hier ein Fundament (Caisson) errichtet, um den Turm darauf zu erbauen. Die Baukosten dafür entsprächen heute ungefähr einer Summe von 15 bis 20 Millionen Euro. Der Plan war seinerzeit spektakulär. Noch niemals zuvor hatte der Mensch gewagt, ein Bauwerk direkt auf sandigem Meeresboden zu errichten. Der Leuchtturm ist insgesamt 52,5 Meter hoch, von denen im besten Fall und je nach Wasserstand rund 30 Meter sichtbar sind. Das ehemalige Leuchtfeuer liegt 24 Meter über dem mittleren Tidenhochwasser.       Marco Butzkus

Quellennachweise:
externer Link:  Wikipedia
externer Link:  http://www.denkmalschutz.de/leuchtturm_roter_sand.html
externer Link:  http://www.roter-sand.de/index.php/geschichte


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